Sicherheit für Senioren durch Senioren

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Die Seniorenberater bei der Besprechung mit dem Leiter des Sachgebietes Kriminalitätsbekämpfung, Herrn Franz Metzger (sitzend, dritter von rechts), und weiteren Mitarbeitern.

Rosenheim - Bei dem wachsenden Anteil älterer Menschen in der Bevölkerung ist auch eine Zunahme von Straftaten, die sich gegen Senioren richten, zu verzeichnen.

Entsprechend den Vorausberechnungen des Statistischen Bundesamtes wird die Altersgruppe der über 65-Jährigen um 33% von 16,8 Millionen im Jahr 2010 auf 22,4 Millionen Personen im Jahr 2030 ansteigen. Das Polizeipräsidium Oberbayern Süd widmet dieser Entwicklung ihre besondere Aufmerksamkeit. Im Februar 2011 wurde dazu das Projekt „Sicherheitsberater für Senioren“ ins Leben gerufen. Jetzt trafen sich die Seniorenberater im Polizeipräsidium und zogen mit der Fachabteilung „Kriminalitätsbekämpfung“ eine erste Bilanz.

Acht erfahrene, pensionierte Polizeibeamte und eine Beamtin, darunter ehemalige Dienststellenleiter und Kriminalbeamte, haben seitdem über 1.000 ältere Bürger in Vorträgen über Kriminalitätsphänomene und präventive Möglichkeiten informiert. Franz Metzger, Leiter des Sachgebietes Kriminalitätsbekämpfung des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, sprach in einer Jahresbilanz den Sicherheitsberatern für Senioren seinen Dank und Wertschätzung für ihre Tätigkeit aus. „Manche Straftäter nutzen gezielt die Leichtfertigkeit und Unkenntnis älterer Menschen aus. Dem wollen wir mit verstärkter Information über solche Gefahren begegnen“, so Metzger.

Auch 2011 wurden Senioren wieder Opfer von Straftaten. Folgende Fälle veranschaulichen die Notwendigkeit auf bestimmte Kriminalitätsphänomene aufmerksam zu machen:

Im Mai halten zwei südländisch aussehende Männer mit ihrem Pkw im Landkreis Rosenheim vor einem landwirtschaftlichen Anwesen an, steigen aus, täuschen eine Fahrzeugpanne vor und bitten um Kühlwasser. Der 75-jährige Geschädigte holt einen Kübel mit Wasser aus dem Stall. Zwischenzeitlich tauchen drei weitere Männer auf, die das Anwesen unbemerkt betreten und aus dem Schlafzimmer 17.500€ und aus der Küche weitere 1.000€ Bargeld stehlen.

Einem 73-jährigen dementen Mann aus dem Landkreis Rosenheim wird im Oktober ein Teppich für 8.000€ angeboten. Er fährt mit dem Täter zur Bank, hebt den Betrag ab und übergibt ihn dem Verkäufer. Zwei Wochen später sucht der Teppichverkäufer erneut den Rentner auf und bittet ihn um 20.000€, da er beim Zoll Ware auslösen müsse. Der Mann verspricht für diese Gefälligkeit dem Geldgeber 40.000€ zu übergeben. Gemeinsam fahren die beiden wieder zu dem Geldinstitut. Nach Übergabe der 20.000€ meldete sich der Teppichverkäufer natürlich nicht mehr.

Beim Verlassen einer Postagentur im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen wird im April ein 90-jähriger von einem unbekannten Mann um Kleingeld zum Telefonieren gebeten. Nachdem der Geschädigte kein Kleingeld hat, wird er um einen Fünf-Euro-Schein für eine Telefonkarte gebeten und erhält dafür Kleingeld. Dem Täter gelingt es, unbemerkt 400€ aus der Geldbörse seines Opfers zu ziehen.

Eine 70-jährige wird im August am Telefon informiert, angeblich über 1.000€ bei einem Gewinnspiel gewonnen zu haben. Zur Aushändigung sei eine Bearbeitungsgebühr in Höhe von 89€ nötig, die von ihr wie gewünscht bezahlt wird. Den in Aussicht gestellten Gewinn erhält sie natürlich nicht.

Eine andere Form, insbesondere ältere Menschen einen Gewinn in Aussicht zu stellen, sind die sogenannten „Kaffeefahrten“, bei denen mit einem Einladungsschreiben zu diversen Verkaufsveranstaltungen eingeladen wird. In mehreren Landkreisen im südlichen Oberbayern wurde dabei u.a. ein Bargeldpreis in Höhe von 2.500€ versprochen. Interessierte Teilnehmer sammelten die Veranstalter im Oktober an verschiedenen Bushaltestellen auf und fuhren sie zu einer Gaststätte im Landkreis Miesbach. Versprochene Gewinne gab es dort nicht, dafür wurden überteuerte Nahrungsergänzungsmittel und Reisen angeboten. Die Polizei löste die Veranstaltung letztendlich auf.

Eine besondere Masche ließen sich Unbekannte einfallen, die im Herbst in den Landkreisen Rosenheim und Miesbach in einem Inserat nach einer alten Schreibmaschine suchten und damit in erster Linie ältere Menschen ansprachen. Nach Rückruf unter der angegebenen Telefonnummer erschien tatsächlich ein Interessent, um die Schreibmaschine zu besichtigen. Während eines Ablenkungsmanövers gelang es dem Täter über 2.000€ Bargeld aus dem Schlafzimmer zu entwenden.

Das Polizeipräsidium Oberbayern Süd wird daher seine Bemühungen, die Zielgruppe der Senioren über die Gefahren aufzuklären, präventive Verhaltensmaßnahmen und Tipps zu vermitteln aber auch deren subjektives Sicherheitsgefühl zu verbessern, weiterhin verstärkt vorantreiben.

Die Anforderung der Sicherheitsberater für Senioren erfolgt über die Kriminalpolizeilichen Fachberater bei den Kriminalpolizeidienststellen (Anschriften liegen bei). Diese übernehmen die Koordination und versorgen die Seniorenberater mit aktuellen Informationen aus dem Bereich der Kriminalitätsbekämpfung und –vorbeugung. Darüber hinaus stehen die Kriminalpolizeilichen Fachberater auch für Fragen im Zusammenhang mit Einbruchsschutz zur Verfügung. Seniorengruppen oder andere Vereinigungen mit Interesse an einer Beratung werden gebeten, sich dorthin zu wenden.

Denn: Wer Gefahren kennt, kann viele Risiken ausschließen.

Hinweise und Tipps erhalten sie zudem im Internet unter:

www.polizei.bayern.de/oberbayern

www.polizei-beratung.de

Pressemitteilung Polizeipräsidium Oberbayern Süd

Quelle: rosenheim24.de

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