Zivilcourage, aber keine Heldentaten gefragt

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Eine Situation, wie sie viele fürchten: ein Betrunkener fängt an herumzupöbeln und wird schließlich aggressiv.

Holzkirchen - Die Bundespolizei informierte auf Initiative des Katholischen Frauenbunds Holzkirchen über die Möglichkeiten, bei Pöbeleien oder Übergriffen einzugreifen. 

Es passiert leider viel zu oft: Aus heiterem Himmel pöbelt ein unangenehmer Zeitgenosse eine andere Person an, beleidigt, wird aggressiv – und rund herum schauen die Menschen weg. Dabei wäre doch gerade jetzt Zivilcourage gefordert. Aber wie?

Die Bundespolizei hat auf Initiative des Katholischen Frauenbunds Holzkirchen mit der Bayerischen Oberlandbahn Licht ins Dunkel gebracht. Nadine Kremer und Michael Kokott von der Bundespolizeiinspektion Rosenheim erläuterten an zwei Nachmittagen am Holzkirchner Bahnhof wie man richtig helfen kann. Die insgesamt rund 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmer erfuhren, dass jeder, ob jung oder alt, Verantwortung übernehmen kann und im Notfall sogar auch tragen muss. Für den Ernstfall gaben die beiden Beamten Tipps, wie man in Gefahrensituationen wirksam hilft, ohne dabei unter Umständen selbst zum Opfer zu werden. In einem von der BOB eigens zur Verfügung gestellten Zug konnten die Veranstaltungsbesucher die Ratschläge bei Rollenspielen praktisch umsetzen und die Notrufeinrichtung ausprobieren.

Auch wenn es keine Patentrezepte gäbe, so die Bundespolizisten, könne sich doch jeder an den folgenden Regeln orientieren: Besonnen bleiben und helfen, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen – andere aktiv und direkt zur Hilfe auffordern – um Opfer kümmern – unter der 112 oder der 110 Hilfe organisieren – genau beobachten und gegebenenfalls Merkmale von Tätern einprägen – sich als Zeuge zur Verfügung stellen. Die beiden Polizeikommissare betonten, dass für Bürgerengagement kein Selbstverteidigungskurs erforderlich sei, sondern, dass es oftmals schon genüge, Personen buchstäblich aus einer gefährlichen Situation herauszuziehen, mit dem Handy Hilfe herbeizurufen oder im Zug – sofern vorhanden – über die Notrufeinrichtung den Zugführer zu informieren.

Oberste Regel sei jedoch stets, nicht den Helden zu spielen, sondern mit Bedacht vorzugehen. Abgerundet wurde das Training durch eine Auffrischung zur Ersten Hilfe. Andreas Rullmann-Stekl vom Bayerischen Roten Kreuz, Kreisverband Miesbach, schilderte, was ein Ersthelfer tun kann und wie man mit einem Defibrillator dem gefährlichen Herzkammerflimmern entgegenwirken kann.

Stimmen zum Verhaltenstraining:

Susanne Zangenfeind

Susanne Zangenfeind (48) aus Holzkirchen gefielen vor allem die Rollenspiele im Zug: „Die Situationen waren sehr authentisch. Ich weiß jetzt, dass ich Opfern helfen kann, indem ich mich sie aus gefährlichen Situationen heraushole. Was mich besonders freut, ist, dass dem Kurs aus den Reihen des Katholischen Frauenbunds und darüber hinaus so großes Interesse entgegengebracht worden ist.“

Martin Bichler

Martin Bichler (58) aus Gmund betonte, dass ihm die Ratschläge durchaus geholfen haben: „Ich fühle mich jetzt schon sicherer – nicht nur beim Zugfahren. Auf eine mögliche Notsituation bin ich durch das Verhaltenstraining besser vorbereitet. Mir ist klar geworden, dass es bei allem Stress mehr bringt, ruhig und besonnen zu bleiben.“

Rita Geyer

Rita Geyer (55) aus Holzkirchen kam zu folgendem Fazit: „ Das Verhaltenstraining bringt jedem etwas, egal ob jung oder alt. Gerade auch Frauen könnten aber davon profitieren. Ich habe gelernt, wie wichtig es ist, sich nicht provozieren zu lassen. Wenn es darauf ankommt, habe ich ab sofort auch keine Hemmschwelle mehr Polizei oder Rettungsdienst zu rufen.

Bundespolizeiinspektion Rosenheim

Quelle: rosenheim24.de

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