Wasserschäden nach Starkregen in der Region

Unterstützung für Unwetteropfer vom Staat?

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Schwere Schäden in den Gemeinden Riedering, Rohrdorf und Prien. Können die Betroffenen auf Hilfe vom Freistaat hoffen?
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Rohrdorf/Riedering/Prien - Nach den starken Regenfällen in der vergangenen Woche kämpfen die Gemeinden noch immer mit den entstandenen Schäden. Wie der Freistaat nun Hilfe leisten soll:

Knietief steht das dreckige Wasser auf den Grundstücken der Anwohner des Röthbach in Niedermoosen. Die Einsatzkräfte aus der Umgebung versuchen verzweifelt, die Keller der Wohngebäude vor Wassereinbruch zu schützen. Doch auf Dauer halten die Sandsäcke und provisorischen Barrieren dem Druck nicht stand. Alleine in Niedermoosen waren in der vergangenen Woche rund 3.500 Sandsäcke ausgebracht worden. Es wurden Bypässe für Unterführungen geschaffen, die die trichterartigen Verengungen der Bäche entlasten sollten. Die Helfer leisteten Schwerstarbeit. Über 500 Einsatzkräfte waren in insgesamt 400 Einsätzen im kompletten Landkreis Rosenheim unterwegs. Auch in anderen Gebieten mussten Feuerwehr, THW und die Rettungsdienste ausrücken. "Die Gemeinden Prien, Riedering, Rohrdorf und Thansau waren besonders stark betroffen," erklärte Kreisbrandrat Richard Schrank im Interview mit rosenheim24.de.

Nach einer ersten Bestandsaufnahme suchen die Bürgermeister der betroffenen Gemeinden nun nach Lösungen, um den Schaden an den Gebäuden und der Infrastruktur zu regulieren. "Wir befinden uns hier noch größtenteils in der Schadensermittlung," erklärt der Bürgermeister der Gemeinde Rohrdorf, Christian Praxl. Im Bereich der Straßen und Brücken könne man sich durch den Einsatz der Mitarbeiter des örtlichen Bauhofs ganz gut selbst helfen. Die Schäden am privaten Eigentum stehe aber auf einem ganz anderen Blatt, hier könne noch nicht einmal eine Aussage über die Höhe getroffen werden, so Praxl weiter.

Gemeinsam für eine schnelle Regulierung der Schäden

Besonders ärgerlich in diesem Zusammenhang: Bereits vor über zwei Jahren waren insgesamt 11 Rückhalte-Maßnahmen im Bereich Thansau geplant worden. Die Klage eines Anwohners hatte jedoch die Umsetzung verhindert. "Hätten wir die Hochwasserfreilegung jetzt gehabt, wäre Thansau geschützt gewesen", erklärt Bürgermeister Praxl. Mittlerweile konnte hier eine Entscheidung erwirkt werden, der erste Bauabschnitt der Maßnahme soll bereits im Dezember in Angriff genommen werden.

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Zusammen mit seinen Amtskollegen aus Riedering und Prien sucht der Rohrdorfer Bürgermeister nun nach Lösungen, die die geschädigten Anwohner kurzfristig und schnell Hilfe gewährleisten sollen. "Wir prüfen zur Zeit, was wir machen können," so Praxl weiter. Es werde zur Zeit geprüft, in welcher Form Hilfstöpfe des Freistaats zur Unterstützung herangezogen werden könnten. Man wolle hier zudem gebündelt auftreten, so Praxl, um den Verantwortlichen bei der Regierung den Ernst der Lage zu verdeutlichen.

Der Riederinger Bürgermeister Josef Häusler kann die Schäden in seiner Gemeinde bereits etwas genauer beziffern: " Im Bereich der Öko-Arche stand das Wasser teilweise über einem Meter hoch, dort entstand ein Riesenschaden". Einzelne Personen sollen dort Schäden im sechsstelligen Bereich zu verzeichnen haben, so der Bürgermeister. Im Gemeindegebiet kam es demnach zu zwei Brennpunkten die von Feuerwehr und Einsatzkräften bekämpft werden mussten. Sowohl am Rot- als auch am Röthbach kam es dabei zu teilweise verheerenden Überschwemmungen. Die Planungen für die Hochwasserrückhaltemaßnahmen stehen soweit fest, erklärt Josef Häusler. Die Verträge für den Grundstückserwerb befänden sich im Moment beim Notar zur Prüfung. Häusler rechnet mit einem Baubeginn im Winter 2015/16.

Bilder von den Unwetterschäden in Thansau

Wasserschäden an Wohngebäuden in Thansau

Hilfe von der Regierung von Oberbayern und Wasserwirtschaftsamt?

"Wir hatten circa 200 Feuerwehrleute im Einsatz, die schlimmere Schäden in der Gemeinde verhindern konnten", erklärt der Priener Bürgermeister Jürgen Seifert. Beim Unwetter am vergangenen Donnerstag sei zwar der Reitbach noch schneller über die Ufer getreten als es beim Jahrhunderthochwasser im vergangenen Jahr der Fall gewesen ist; gravierende Schäden wie in den beiden Gemeinden Riedering und Rohrdorf seien nicht entstanden. Trotzdem kam es auch in der Chiemsee-Gemeinde zu teilweise schweren Unterspülungen an Wegen und Straßen, um die sich die Mitarbeiter des Bauhofs aktuell kümmerten, wie der Geschäftsleiter der Gemeinde, Andreas Hell, bekanntgab. Im Moment finde auch hier immer noch eine Bestandsaufnahme aber auch schon erste Reparaturen statt. Die Tatsache, dass der Chiemsee in der vergangenen Woche nicht annähernd soviel Wasser in die Ufergemeinde brachte wie im Juni 2013 geschehen, habe schlimmere Schäden jedoch weitestgehend verhindert.

Bei einer Ortsbegehung in Prien am Dienstag mit Vertretern der Regierung von Oberbayern und des Wasserwirtschaftsamts, konnten sich die Anwesenden bereits ein erstes Bild der Lage verschaffen. Die Begehung, die eigentlich als Bestandsaufnahme nach dem Jahrhunderthochwasser geplant war, verdeutlichte den Teilnehmern die unverändert hohe Gefahr von Überschwemmungen im Landkries. "Die aktuelle Situation traf auf großes Verständnis, " erklärt Bürgermeister Seifert. Alle Seiten hätten erkannt, dass die Frequenz solcher Ereignisse sowohl in Qualität als auch in Quantität zu stark zugenommen hätte, mittlerweile ja sogar existenzielle Ausmaße angenommen habe, so Seifert weiter. Die Vertreter der Regierung und des Wasserwirtschaftsamts hätten noch am Dienstag "positive Signale" gesendet, die den Bürgermeister auf finanzielle Unterstützung hoffen ließen.

Die Maßnahme zur Hochwassersicherung im Gemeindebereich Prien wolle man nun mit gebotener Dringlichkeit voranbringen. Zwei Klagen von Grundstückseigentümern im Oberlauf des geplanten Staubeckens könnten bei der Umsetzung jedoch für Verzögerungen sorgen, so der Bürgermeister weiter.

Quelle: rosenheim24.de

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