Der 11.11. und die Revolution

Wasserburg - Warum ist gerade der 11.11. für viele Menschen ein solch bemerkenswerter Zeitpunkt? Otmar Moser von der Wasserburger Lederer Gmoa hat das umfangreich recherchiert.

Bestimmte Zahlen bargen schon immer eine magische Kraft in sich, welche die Menschen offensichtlich beeindruckte. "Aller guten Dinge sind drei" wird argumentiert, um eine wiederholte Handlungsweise zu erklären. Und wer kennt nicht die sieben fetten und mageren Jahre aus der Bibel, die sieben Zwerge über den sieben Bergen oder die "Wolke sieben". Die Zahl 13 als angebliche Unglückszahl wird in vielen Hotels als Zimmernummer gar nicht geführt.

Auch die Zahl 11 hat eine ganz besondere Stellung. Sie ist die erste Primzahl mit zwei Ziffern. Als kleinste "Schnapszahl" hat sie besondere Verbundenheit zur lustigen Karnevalszeit: die Elf gilt schon seit dem Mittelalter als närrische Zahl.

Weshalb die Zahlenkombination "11.11., 11 Uhr 11" in der Narrenwelt eine so außergewöhnliche Bedeutung hat, dazu gibt es teilweise recht skurrile Theorien. So sei die Zahl 11 "unvollendet", erst 12 gilt als vollendet. 11 ist eins mehr als die zehn Gebote, damit wird die Grenze des Guten und Erlaubten überschritten. Im Mittelalter galt 11 daher als Zahl der Sünde, der Übertretung und der Maßlosigkeit - passend zum Karneval. Eine weitere Theorie besagt, die altdeutsche Schreibweise "eylf" habe die Zahl 11 zur Narrenzahl gemacht, denn sie soll die Jecken aufgefordert haben: "Ey, lustig, fröhlich".

Dass die Karnevalssaison am 11.11. um 11.11 Uhr beginnt, könnte jedoch auch ganz einfach etwas damit zu tun haben, dass sich die Narrenzahl darin viermal wiederholt. Nach einer anderen Deutung bekamen an diesem Tag Knechte und Mägde ihren Lohn ausgezahlt und feierten mit dem Geld ein ausgelassenes Fest. Oder: Die 11 versinnbildlicht die Gleichheit aller Menschen unter der Narrenkappe, sozusagen 1 neben 1. Die Narren-11 wird auch abgeleitet von e für égalité (Gleichheit), l für liberté (Freiheit) und f für fraternité (Brüderlichkeit). Dieser Kampfruf der Französischen Revolution steht für den Wechsel von der feudalistischen in eine neue Zeit und die aufmüpfigen Narren.

Während diese Überlegungen teilweise weit hergeholt sind, ist eine andere nach Meinung einiger Heimatkundler am plausibelsten: Nach dem 11. November begann in früheren Zeiten vor Weihnachten eine 40-tägige Fastenzeit. Vorher wurde noch einmal ausgiebig gefeiert, getrunken und gegessen (Martinsgans!), ähnlich wie auch am Faschingsdienstag noch einmal ausgelassener Fröhlichkeit gehuldigt wurde, bevor am Aschermittwoch die 40-tägige Fastenzeit vor Ostern begann.

Karnevalistisch gefeiert wird am 11.11. 11 Uhr 11 allerdings erst seit dem 19. Jahrhundert. 1823 bestimmte ein "Festordnendes Comité" in Köln das Datum zum Beginn der Vorbereitungen für einen von nun an geregelten Karnevalsumzug. Laut Volkskundler Albert Bichler hat sich dieser Brauch in der jetzigen Form erst nach dem Ersten Weltkrieg überall im deutschsprachigen Raum manifestiert.

Otmar Moser/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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