"Abzockern das Handwerk legen"

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Wasserburg (WZ) - Klaus Wittig traute seinen Augen nicht, als er das Schreiben der Inkassofirma aus Neu-Isenburg geöffnet hatte. 138,61 Euro solle er überweisen.

Eine "Schuldsumme", die im Auftrag eines Gewinnspieleintragungsdienstes an ihn gestellt werde. Der Gewinnspieldienst war dem Wasserburger jedoch unbekannt.

Begleiche er die Forderung samt Mahn- und Inkassokosten innerhalb von sieben Tagen nicht, ständen der Mandantschaft des Inkassounternehmens weitere Möglichkeiten der Reaktion zur Verfügung, heißt es in dem Schreiben bedrohlich. Die Liste reichte von einem Mahn- und Vollstreckungsbescheid bis zur "Zwangsvollstreckung durch den Gerichtsvollzieher, Pfändung Ihrer Bezüge, auch Arbeitslosengeld, Rente, Bankguthaben, Versicherung...".

Wittig ließ sich durch die Androhung möglicher Folgen jedoch nicht aus der Ruhe bringen. Denn: "Ich habe zu keinem Zeitpunkt etwas mit dem Gewinnspieleintragungsdienst zu tun gehabt. Auch den Namen habe ich noch nie gehört." Der Wasserburger erstattete stattdessen Anzeige wegen Betrugsverdachts bei der Polizeiinspektion Wasserburg und wies die Forderung der Inkassofirma schriftlich zurück.

"Richtig gehandelt", betont Tatjana Halm von der Verbraucherzentrale Bayern. Die Juristin spricht von einer "leider sehr erfolgreichen Masche", mit der den Bürgern das Geld aus der Tasche gezogen werde. Der Trick mit dem Gewinnspiel, das im Internet angeklickt werde oder per Telefon zur Teilnahme auffordere, funktioniere leider trotz umfangreicher Aufklärung noch wie vor häufig.

Betroffene, denen eine unberechtigte Rechnung eines Inkassounternehmens ins Haus flattere, sollten, wie Wittig es getan habe, der Forderung schriftlich widersprechen - mit dem Hinweis, niemals einen entsprechenden Vertrag mit dem Gewinnspieldienst abgeschlossen zu haben. "Dann geht die Beweislast auf den Gegner über."

Die Verbraucherschützerin empfiehlt jedoch, sich doppelt abzusichern: "Betroffene sollten vorsorglich schriftlich auch mitteilen, dass sie einen eventuell nachgewiesenen Vertrag widerrufen." Dies sei notwendig, weil vielen Bürgern - etwa am Telefon - gar nicht bewusst sei, dass sie zwar nur mündlich, jedoch trotzdem wirksam einen Vertrag eingegangen seien. Dies geschehe gar nicht so selten, wenn sich Angerufene am Telefon von Gewinnspielanbietern in Gespräche verwickeln lassen würden.

Bei solchen Anrufen empfiehlt Tatjana Halm rigoros: "Hörer auflegen." Das sei keine Unhöflichkeit, "schließlich muss sich keiner mit ungebetenen Anrufen belästigen lassen".

"Diesen Abzockern muss das Handwerk gelegt werden", findet auch Wittig. Der Wasserburger weiß von weiteren Fällen im Raum Oberfranken, wo Bürger Zahlbescheide mit exakt der gleichen Summe von 138,61 Euro zugeschickt bekamen. Wie berichtet, versucht derzeit auch eine Firma im Landkreis, Telefonkunden mit gepfefferten Rechnungen abzuzocken. "Es wird mit der Masche gearbeitet, ältere Leute zu verunsichern", ärgert sich Wittig. "Wenn nur ein kleiner Prozentsatz der angeschriebenen Personen aus Angst bezahlt, haben diese Leute schon auf bequeme Weise eine Menge Geld verdient."

Von verstärkt auftretenden Fällen wie jenem von Wittig ist Konrad Rutzinger vom Polizeipräsidium Oberbayern-Süd derzeit zwar nichts bekannt, doch auch er spricht von einer bekannten, immer wieder auftretenden Masche. "Betroffene sollten weder aus Angst einfach zahlen, noch die Rechnungen ignorieren", betont er. Auch eine Anzeige bei der Polizei reiche nicht aus, schließlich werde hier lediglich die Frage geklärt, ob ein Straftatverdacht vorliege. Die zivilrechtliche Behandlung der unberechtigten Rechnung erfordere eine schriftliche Reaktion mit Zurückweisung der Forderung.

Hilfe bei der Aufsetzung von Musterbriefen und zu den Fragen der richtigen Reaktion gibt es bei den Verbraucherzentralen und bei der polizeilichen Beratungsstelle in Rosenheim.

duc (Wasserburger Zeitung)

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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