Adventssingen mit neuer Handschrift

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Zum Auftakt spielte jede Gruppe ihre Variation zu "Maria durch den Dornwald ging", hier die Herzog Flötenmusi aus Wasserburg.

Wasserburg - Beim 46. Wasserburger Adventssingen im historischen Rathaussaal zeigte die Bühne den alljährlichen Besuchern ein leicht verändertes Gesicht.

Zwar hing wie immer der große Stern über den Akteuren, Sprecher Bert Lindauer hatte seinen Platz am Mikrofon und auch die Herzog Flötenmusi war wieder dabei. Wo aber war die Wasserburger Hackbrett- und Geigenmusi? Wo war der große Chor? Warum war niemand auf der kleinen Empore? Hier zeigte sich die Handschrift des neuen Organisators Helmut Fassl. Er hatte die Familienmusik Schatz aus Allmannsau für das alljährliche Ereignis engagiert, dazu die Schnaitseer Weisenbläser, den Stimmer Dreigesang aus Aschau am Inn und das Doppelquartett Wasserburger Land, dem er selber angehört. Um es gleich vorweg zu nehmen: Die Traditionsveranstaltung behielt ihr bekannt hohes künstlerisches Niveau und kam sehr gut beim Publikum an.

"A Liacht in dunkler Zeit" wünschten die Geschwister Stimmer aus Aschau am Inn zum Weihnachtserlebnis, das Bert Lindauer vortrug.

Eine recht herbe Variante des bekannten Volkslieds "Maria durch ein Dornwald ging", bei dem alle Gruppen ihre Variation einbrachten, bildete den Auftakt des an biblischen Texten orientierten Programms. Wo der Herrgott herkommt? Auf diese Frage gaben weder das Doppelquartett noch die Herzog Flötenmusi eine Antwort mit dem Lied "Is finster draußd, is koid und staad" oder dem Tafelstück in C, und auch der Prixner Walzer von der für allerlei Besetzungsvarianten guten Familienmusik Schatz brachte dazu keine Lösung. Prophezeiungen wie "Es wird ein Stern aufgehen" vom Doppelquartett können einen "Freudentanz" auslösen, gespielt von den Bläsern, die für fast alle ihre Darbietungen Stücke von Hubert Meixner gewählt hatten. Ganz fein dazu die Geschwister Stimmer mit "Maria sei gegrüßt" und nach einem Boarischen von der Familienmusik Schatz ein ebenso eindringliches "O mia bitt ma eich" bei der Herbergssuche.

Nachdenklich stimmten Bert Lindauers Überlegungen zur Erfindung der Zeitmesser und ihre Folgen fürs heutige hektische Leben. Die Gedanken zu Wanderschaft, Herbergssuche und Geburt begleitete das Doppelquartett mit den Sätzen "O liabste Braut" und "Mitten im Winterschnee" , "Weis und Walzer" und einen Boarischen von Klaus Karl steuerte die Familienmusik Schatz bei.

Von der Flötenmusi kam die wunderschöne Bischofswieser Weis nach einem festlichen Pastorell von den Weisenbläsern. Zum Kripperlherrichten lieferte Bert Lindauer ein geradezu zungenbrecherisches Schnellgedicht, endlich fragten die Geschwister Stimmer "Habt's ihr ned den Engl g'seng" und die Bläser bliesen lautstark die "Freudige Botschaft" von Michael Stacheter, bevor die selbstbewusste und bestens von Claudia Geiger geschulte Hirtengruppe der "Seitenpfeifer" auftrat.

Mit großem Können und offensichtlicher Spielfreude bereiteten sie ihren Besuch beim Christkind vor, probten ihr Musikstück und mahnten geduldig: "Geh Hansei, pack dei Binkei zamm". Für diesen herzerfrischenden Beitrag ernteten sie reichlich verdienten Beifall.

Erstmals hatte Helmut Fassl das Adventssingen organisiert. 

Danach brachte Bert Lindauer den legendären Christusträger Christophorus in die adventliche Gedankenwelt und die tröstliche Legende von den Spuren im Schnee. Geschwister Stimmer und Doppelquartett bewunderten "Kloans Kindl, großer Gott" und "Liegt a Büabal", dazwischen spielte die Herzog Flötenmusi einen eleganten deutschen Tanz, Bert Lindauer erinnerte mit einem Gedicht von Lukas Maier an den vergangenes Jahr verstorbenen langjährigen Sprecher des Adventssingens und stellte ein modernes Weihnachtserlebnis vor. "A Liacht in dunkler Zeit" wünschten da die Geschwister Stimmer und das Doppelquartett fragte: "Wo ist denn im Schnee no a Wegal zu dir?", dazwischen gab's noch ein Menuett aus Niederösterreich von der Familienmusik. Dann stimmten die Weisenbläser eine mächtige Weihnachtsfanfare an, ehe alle, auch das Publikum nach guter Tradition mit dem Andachtsjodler das Ende der besinnlichen, anspruchsvollen Veranstaltung feierten.

Auf dem Heimweg durch die stilvoll beleuchtete Altstadt hatte man noch viel zum Nachdenken und vermisste kaum den Schnee. Der kann ja noch kommen, bis Weihnachten.

ags/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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