Die Äsche ist noch nicht über den Berg

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Ernst Dona junior (links) und Werner Sening junior (rechts) sind seit 40 Jahren Fischer, Vorsitzender Franz Göpfert gratulierte.

Wasserburg - Kaum mehr erwarten können es die Wasserburger Fischer, auch wieder Äschen zu angeln. Doch der Fisch bleibt vorerst geschont - einer der Diskussionspunkte bei der Jahresversammlung.

Auf ein bewegtes Jahr schauten die Mitglieder des Kreisfischereivereins Wasserburg bei ihrer Hauptversammlung zurück. Neben großen Erfolgen wie dem Beginn der Renaturierung der Attlerau, stand auch Kritik an der teils mangelnden Teilnahmebereitschaft der Mitglieder auf der Tagesordnung.

Mit etwas Unmut beschrieb der Vorstand die Entwicklung der Mitgliederversammlungen über das Jahr. Während die Hauptversammlung und die erste der drei Monatsversammlungen noch gut besucht sind, werden die Fischer danach sehr wenig. Die Bemühung, auch die anderen beiden Versammlungen mit Hilfe von Fachvorträgen interessanter zu machen, hatten nicht den gewünschten Erfolg. "Es kann nicht sein, dass man sich nur die Jahreskarte abholt und sich später nicht mehr blicken lässt", kritisierte der Vorsitzende Franz Göpfert. Die Vereinszugehörigkeit dürfe nicht Mittel zum Zweck sein, nur um Zugang zu den Vereinsgewässern zu erhalten. Die Fischer müssten sich auch der entsprechenden Verantwortung bewusst sein und sich ins Vereinsleben einbringen. Um zu ermitteln wieso das Interesse an den Sitzungen nach Ausgabe der Jahreskarten so rapide abnimmt und auch Veranstaltungen wie das Königsfischen schlecht besucht sind, wurden anonyme Fragebogen verteilt.

Mit großem Stolz wurden die erfolgreichen Bemühungen für die Renaturierung der Attlerau nach zehn Jahren Vorarbeit präsentiert. Seit November laufen die Bauarbeiten an dem Projekt, das nun unter der Schirmherrschaft von Landrat Josef Neiderhell steht, der die Leistung und das Engagement der Vereine in diesem Bereich ausdrücklich lobte. Auch in der Öffentlichkeit sei das Projekt auf großes Interesse gestoßen und man habe durchweg positive Reaktionen geerntet. Doch die Attlerau soll kein Einzelfall bleiben, Göpfert will sie eher als Initialzündung verstehen: "Wir haben bewiesen, dass es möglich ist. Nun sind die Regierung Oberbayern, die EU, die Kraftwerksbetreiber und die anderen Verantwortlichen an der Reihe, nachzulegen."

Auch im vergangenen Jahr blieb der Friedelsee das Sorgenkind unter den Gewässern. Zwar sei die Algenproblematik nicht mehr ganz so dramatisch wie im Vorjahr, aber es waren weitere Maßnahmen notwendig um das Algenwachstum nach Kräften einzudämmen, wie Gewässerwart Hans Ellmer berichtete. So wurden im Uferbereich einige Laubbäume entfernt, deren Blätter Nährstoffe eintragen und das Algenwachstum fördern. Ob die Ansiedlung eines Schilfgürtels geglückt ist, ist noch nicht klar: "Ob es gewurzelt hat, wird sich erst im Frühjahr zeigen." Zudem wurde versucht, durch das Abfischen von Weißfischen und das Einsetzen von Raubfischen den Bestand des Zooplanktons zu erhöhen, das die Algen dezimiert.

Für mehr Geduld wurde in der Diskussion um die Äsche plädiert. Trotz wiederholter Anfragen beschloss die Vorstandschaft, die Äsche noch nicht wieder freizugeben. "Der Bestand bessert sich, aber ist noch lange nicht gesichert", so Ellmer. Es gebe immer noch hohe Verluste durch Vogelfraß, eine zu frühe Freigabe würde nicht nur die Bemühungen der letzten Jahre zur Bestandssicherung zunichte machen, sondern könnte sogar das Ende der Äsche in den Gewässern bedeuten. Auch der Vorsitzende plädierte in der Diskussion dafür, bei diesem Thema Vernunft walten zu lassen: "Wenn wir jetzt ungeduldig werden, können wir in 20 Jahren vielleicht nur noch davon erzählen, wie es war, Äschen zu fangen."

Die Finanzlage des Vereins wurde als geordnet befunden. Ernst Dona junior und Werner Sening junior wurden für 40-jährige Mitgliedschaft im Kreisfischereiverein ausgezeichnet.

os/Wasserburger-Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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