Hundehaus-Leiter vom Rosenheimer Tierheim im Interview

Rottweiler-Angriff in Albaching: Was passiert mit beißauffälligen Hunden? 

  • schließen

Albaching/Rosenheim - Ein bissiger Rottweiler aus Albaching erregte kürzlich die Aufmerksamkeit. Wie kommt es dazu, dass Hunde auffällig werden oder gar zubeißen - und wie geht es weiter mit ihnen? Fragen, auf die der Hundehaus-Leiter des Tierschutzvereins Rosenheim Antworten weiß. 

Holger Schlubbe arbeitet seit mehr rund acht Jahren im Hundehaus des Tierschutzvereins Rosenheim. Auch er hat von dem Fall aus der kleinen Gemeinde Albaching gehört, bei dem ein Rottweiler drei Biss-Attacken verübte - zwei darunter an Kindern. Die Gemeinde sah sich in der Pflicht zu handeln und entzog den Besitzern die Halteerlaubnis. Die wiederum schalteten einen Anwalt ein. Nun liegt der Fall vor dem Verwaltungsgericht. Bis zum Abschluss des Verfahrens darf der Hund bis auf Weiteres bei seinen Besitzern im Albachinger Ortsteil Berg bleiben.

Ein Vorschlag von Seiten der Gemeinde war es, den auffällig gewordenen Hund ins Tierheim oder zu einem professionellen Halter zu geben, der sich mit Kampfhundrassen auskennt und Erfahrungen hat. 

Zulauf im Tierheim wird größer

Holger Schlubbe kennt den besagten Rottweiler zwar nicht persönlich, wie er im Gespräch mit rosenheim24.de betont, erklärt jedoch, auch bei ihm würden immer wieder sogenannte "Sicherstellungen" landen: "Die Zahl an sichergestellten Hunden nimmt seit den vergangenen zwei Jahren dramatisch zu - allerdings sind die Gründe häufig keine Beißauffälligkeiten. Vielmehr ist es den Besitzern nicht möglich aus Gründen von Beziehungstrennungen, Allergien, Krankheiten oder auch längerer Klink- oder Psychiatrieaufenthalte den Hund länger zu behalten. Auch die Miterverhältnisse spielen oft eine Rolle, warum Hunde bei uns abgegeben werden."

Schnappen oder Beißen? "Auslegungssache" 

Erst vor Kurzem habe Schlubbe eine Schäferhündin im Hundehaus aufgenommen, da sie nach dem Sohn der Vermieterin geschnappt habe. Dabei sei das laut dem Hundehaus-Leiter immer "Auslegungssache", denn "die einen interpretieren das Schnappen eher als harmlos und im Spiel passiert - andere wiederum sehen das als Angriff". 

Beißauffällige Hunde weiterzuvermitteln an Privatpersonen sei "extrem schwierig". Dafür brauche es "gute erfahrene Leute, die sich ausreichend kümmern können".

Schlubbe erklärt, er versuche hier im Tierheim Rosenheim mit den Hunden - soweit es ihm möglich sei bei der Vielzahl an Tieren - zu arbeiten und sie zu resozialisieren. Die Hunde werden auch nicht von heute auf morgen weitervermittelt. Interessierte, die die Hunde bei sich aufnehmen möchten, würden laut Schlubbe geprüft, müssten den Hund mehrfach besuchen, mit ihm spazieren gehen und Erfahrungen vorweisen können. 

Training durch positive Verstärkung essentiell 

Die Ursachen, warum ein Hund beißauffällig wird, seien Schlubbe zufolge je nach Tier individuell: "Meiner Meinung nach wird kein Hund aggressiv geboren - meistens liegt es an der Erziehung, denn die Menschen können die Tiere je nach Rasse so züchten, dass die Hunde einen besonderen Beschützerinstinkt entwickeln oder rein als Wachhunde eingesetzt werden. Wenn man bei der Erziehung nicht aufpasst, geht das ganz schnell, dass dieEntwicklung der Tiere in die falsche Richtung geht. Da muss der Besitzer ein Auge dafür haben und mit den Hunden trainieren und Hundeschulen besuchen - allerdings die richtigen, da es wichtig ist mit positiver Verstärkung wie Leckerlis als Belohnung zu arbeiten. Mit Gewalt entgegenzuwirken verschlimmert das Ganze."

Grundsätzlich ist Schlubbe der Meinung, dass es nicht schade mit dem Hund in der Hundeschule zu trainieren und womöglich auch Prüfungen wie den Hundeführerschein zu absolvieren, die belegen, dass der Besitzer mit dem Tier auch wirklich umgehen kann.

Bissige Hunde dürften außerdem "nicht sofort abgestempelt" werden. "Intensives Training und arbeiten mit dem Hund führen zu Verbesserungen. Wir haben bereits Hunde vermittelt, die zuvor geschnappt haben und bei den neuen Besitzern überhaupt keine Auffälligkeiten mehr gezeigt haben", erklärt Schlubbe und betont gleichzeitig, es gebe zwar Fälle von nicht vermittelbaren Hunden, diese würden jedoch die Ausnahme darstellen

Im Rosenheimer Tierheim gebe es aktuell einen solchen FallMischling Manjush: "Der Rüde hört alle Kommandos und folgt aufs Wort, ist gelehrig, sensibel und schlau. Allerdings hat er tiefsitzende negative Erfahrungen weil er von den Erstbesitzern gequält wurde. Auch mit gezieltem Training konnten wir Manjushs Vertrauen leider nicht gewinnen." 

Auswirkungen bei kleinen Hundeangriffen geringer

"Wenn bei großen Hunden wie eben dem Rottweiler etwas passiert, ist das natürlich immer viel dramatischer, denn die Tiere haben eine wahnsinnige Beißkraft und da ist die Verletzung oft groß", betont Schlubbe und spannt so den Bogen zurück zum Albachinger Rottweiler. Kleinere Hunde seien zwar oft aggressiver aber die Auswirkungen nach einem Angriff deutlich weniger massiv

Gerade der Rottweiler neige dazu zu beschützen, er sei aber auch ein Familienhund. "Ohne den Hund aus Albaching zu kennen - erfahrungsgemäß kann ich sagen, dass es oft einfach an der Haltung liegt. Bei der richtigen Erziehung ist diese Rasse wahnsinnig lieb - ebenso wie andere Kampfhunde - vom Pitbull bis zum Bullterrier". 

mb

Rubriklistenbild: © pixabay.com

Zurück zur Übersicht: Albaching

Auch interessant

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser

MEHR AUS DEM RESSORT