Alkohol, Provokation und Schläge

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Wasserburg - Ein 22-jähriger Kolbermoorer hatte beim Feiern etwas zu tief ins Glas geschaut. Anfangs war die Stimmung noch gut. Doch das änderte sich schlagartig.

Die Staatsanwaltschaft beschuldigte ihn, der 22-Jährigen zwei Ohrfeigen versetzt und sie an den Haaren zu Boden gezogen zu haben. Der Angeklagte räumte die Vorwürfe weitgehend ein. Die Schwester seiner damaligen Freundin habe ihn provoziert und trotz seiner Aufforderung die Wohnung nicht verlassen. Daraufhin habe er ihre Jacke und Tasche aus der Wohnung geworfen, sie am Hals geschubst und ihr eine Ohrfeige verpasst. Während sich das Gefecht am Boden fortgesetzt hatte, holte die ehemalige Lebensgefährtin die Nachbarin zu Hilfe, die den wütenden Mann von der Geschädigten wegzog und ihn zur Beruhigung mit in ihre Wohnung nahm.

Doch die Feuerpause währte nur kurz, denn der Kolbermoorer kehrte kurze Zeit später in die Wohnung zurück, um sich Zigaretten zu holen. Sofort sei der Streit neu entbrannt und die Geschädigte habe den Angeklagten erneut provoziert, indem sie ihn aus seiner eigenen Wohnung werfen wollte. Daraufhin hatte er, nach übereinstimmenden Zeugenaussagen, der Schwester seiner Exfreundin, die damals ein weiteres Kind von ihm erwartete, noch eine Watsche gegeben, ehe er wütend die Wohnung verlassen hatte.

Die Staatsanwaltschaft stellte fest, dass die Beweisaufnahme zwei getrennte Fälle der Körperverletzung ergeben habe, da zwischen dem ersten und zweiten Vorfall eine Zäsur vorliege. Aufgrund der massiven Vorahndungen des Angeklagten, der es bereits zu vier Einträgen in das Bundeszentralregister wegen Diebstahl und Körperverletzung gebracht hatte und zum Tatzeitpunkt noch unter einer offenen Bewährungsstrafe gestanden war, forderte der Staatsanwalt eine achtmonatige Freiheitsstrafe ohne Bewährung, denn laut Staastanwaltschaft sei keine positive Sozialprognose zu erkennen.

Die Verteidigung hielt entgegen, dass der Angeklagte wiederholt von der Schwester der Exfreundin provoziert worden sei. Da seien ihm die Nerven durchgegangen. Inzwischen habe sich im Leben des Angeklagten einiges verändert. Er habe die verbindliche Zusage für eine Ausbildungsstelle und könne sein Leben so endlich in den Griff bekommen. Zudem habe er die Pflege des schwer kranken Vaters übernommen. Daher plädierte die Verteidigung für eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu 20 Euro.

Das Gericht sah die vorsätzliche Körperverletzung in zwei tatmehrheitlichen Fällen als erwiesen an und verurteilte den Angeklagten zu einer saftigen Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu je 20 Euro. In der Urteilsbegründung verwies das Gericht darauf, dass das Ausrasten in keinem Verhältnis zur vorausgegangen Provokation gestanden habe, die Folgen allerdings nicht so gravierend gewesen seien.

ca/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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