Alkoholproblem mit Folgen...

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Wasserburg - Endlose Probleme mit dem Alkohol hat ein 50-jähriger ehemaliger Unternehmer. Genau das kostete ihn jetzt für zehn Monate seine Freiheit.

Außerdem muss er den sechsten Entzug in fünf Jahren machen.

"Wenn man getrunken hat ist man nicht mehr sich selbst", resümierte ein 50-jähriger gelernter Maurer aus dem Raum Wasserburg. Diese Erkenntnis hält ihn jedoch nicht davon ab, weiter Alkohol in großen Mengen zu sich zu nehmen. Wenn dann die Polizei ins Spiel kommt, sieht der 50-Jährige rot, denn er fühlt sich von den Gesetzeshütern regelrecht verfolgt.

Nun musste sich der ehemalige Unternehmer vor dem Amtsgericht Wasserburg wegen fahrlässiger Trunkenheit im Verkehr in Tateinheit mit Fahren ohne Fahrerlaubnis sowie Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, Beleidigung und versuchter Körperverletzung verantworten. Der 50-jährige Westfale soll sich im November 2010 stark betrunken in der Wohnung einer Bekannten gegen die Einweisung ins Krankenhaus gewehrt und zwei Polizeibeamte beleidigt haben. Dabei soll er sich der Festnahme widersetzt und einen der Beamten zu Fall gebracht haben. Ein Schlag gegen den Polizisten konnte von dessen Kollegen verhindert werden.

Um sicherzugehen, dass der Angeklagte auch rechtzeitig und nüchtern erscheint, ordnete das Gericht seine Vorführung an. Dazu nahmen zwei Polizeibeamte den Mann, der auch zu diesem Zeitpunkt heftigen Widerstand leistete, am Vorabend fest. Ein Alkoholtest ergab 2,72 Promille und am Verhandlungstag hatte der Angeklagte 1,08 Promille Restalkohol aufzuweisen.

Der Angeklagte räumte die Trunkenheitsfahrt vom November 2011 ein und gab an, seit zwölf Jahren keinen Führerschein mehr zu besitzen. Seinen Widerstand gegen die Polizeibeamten sowie die Beleidigungen bedauerte der 50-Jährige und begründete sie mit seinen schlechten Erfahrungen mit der Polizei.

Nachdem er aus dem Gefängnis entlassen wurde, unter der Brücke geschlafen habe und im Obdachlosenheim untergebracht gewesen sei, habe er sein Leben wieder in die Hand genommen. Im November 2010 habe er eine Bekannte besucht und sei, nachdem er eine Flasche Rum hinabgeschüttet habe, im Stuhl eingeschlafen. Seine Bekannte habe sich Sorgen gemacht und den Rettungsdienst gerufen. Da er gerade wieder Arbeit gefunden hätte, habe er sich geweigert mitzukommen. Außerdem wisse er selber, wann er einen Arzt brauche.

Die Zeugin sah das anders. Als sie nach einem Telefonat ins Wohnzimmer zurückgekehrt sei, habe der Mann kaum noch stehen können und sei in den Stuhl gesackt. Zwischenzeitlich habe sie bemerkt, dass er eine Flasche Rum auf Ex getrunken habe. Sie sei mit der Situation überfordert gewesen und verständigte den Rettungsdienst.

Laut Aussage des Rettungsassistenten war der Angeklagte äußerst unkooperativ und habe keine Untersuchungen zugelassen. Deshalb habe man den Notarzt und die Polizei verständigt. Der Transport ins Krankenhaus sei dann reibungslos verlaufen. Laut Aussage der am Einsatz beteiligten Polizeibeamten hatte sich der Angeklagte vehement gegen die Einweisung und einen Alkoholtest sowie die folgende Festnahme gewehrt und dabei nicht mit Beleidigungen gespart. Auch ein Handgemenge habe es gegeben.

Der vom Gericht bestellte Sachverständige bescheinigte dem Angeklagten ein wesentliches Alkoholproblem, dessen Trinkmenge in einem Bereich angesiedelt sei, die nicht jeder vertrage. Zum Tatzeitpunkt sei die Steuerungsfähigkeit in erheblichen Maße beeinträchtigt, aber nicht aufgehoben gewesen und auch beim Verkehrsdelikt liege die Alkoholisierung mit 2,01 Promille nicht im Bereich eines Vollrausches.

Seit 2007 habe sich der Angeklagte fünfmal auf Entzug befunden und sei immer wieder rückfällig geworden. Daher sei davon auszugehen, dass sich solche Vorfälle wiederholen. Aus psychiatrischer Sicht sei die Voraussetzung für einen Maßregelvollzug gegeben.

Die Staatsanwaltschaft sah die Tatvorwürfe bestätigt und forderte eine Freiheitsstrafe von zehn Monaten sowie eine Unterbringung in einer Entzugsanstalt sowie eine zwölfmonatige Führerscheinsperre. Es sei von keiner günstigen Sozialprognose auszugehen. Die Verteidigung stellte das Strafmaß ins Ermessen des Gerichts, das sich den Forderungen der Staatsanwaltschaft anschloss.

Der Angeklagte nahm das Urteil an und sagte: "Sie können mich zehn Jahre einsperren und ich werde mich nicht ändern." Dazu bräuchte er eine "gscheide Freundin und eine gscheide Arbeit". "Und genau das Nichtändern steht einer Freundin im Weg", schloss das Gericht.

ca/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © pa

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