Alle haben Grund zum Feiern

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Die Töchter bitten für die Stadt...

Wasserburg - Großes Aufatmen in Wasserburg: Das Projekt Bürgerspiel 2009 läuft.

Über 400 Mitwirkende, dazu 200 Helfer hinter den Kulissen, führten bei der Vorpremiere die Zuschauer durch die Altstadt - und durch ein praktisch neues Stück, das nur mehr in Anklängen an das Traditionsspiel von Eugen Ortner erinnert.

Bilder vom Bürgerspiel

Organisationsprobleme in letzter Minute, Ärger um im Weg stehende Bäume: Alles vergessen. Zum ersten Mal können nach der Vorpremiere Schauspieler und Theatermacher den Applaus genießen, der vor dem Rathaus in den Himmel steigt. Auch der hatte sich am Ende als Bürgerspiel-Freund erwiesen. Nach tagelangem Dauerregen blieb der Abend trocken, Nebel stieg aus dem Inn und tauchte die Anfangsszene in ein fast unwirkliches Licht: Unter Böllerkrachen legt der reiche Gumpelzhaimer, der eigentliche "Herr" der Stadt, wieder in Wasserburg an. Gleichzeitig wird dort die schöne Regina als Weinpanscherin an den Pranger gestellt.

So weit erinnert die Handlung noch an das Stück, das Eugen Ortner 1938 erstmals in Wasserburg aufführte und das dann 1949, 1988 und 2000 in verschiedenen Bearbeitungen gezeigt wurde. Dann aber kommt alles anders. Christian Huber schuf neue Handlungsstränge, gab den bekannten Protagonisten eine ganz andere Richtung, baute Action, Dramatik neue Spielorte und Effekte ein - und landete am Ende doch wieder beim Historienspiel mit eindeutiger Moral: Der Hochmut zerstört alles - Lebenswerk, Liebe, Glück. So lautet die Botschaft, die Gumpelzhaimer unter Qualen lernen muss. Vor allem im zweiten Teil hat das Stück damit deutlich gewonnen. Regina, im Ur-Text eher Staffage, wird jetzt vom Pranger aus zu einer prägenden Figur. Und die neue Dramatik gibt auch den anderen Hauptrollen die Chance für ein echtes Profil.

Bewundernswert auch die geduldige Leistung der Musiker, der vielen Nebenrollen und Statisten. Das "Volk" mischt sich anfangs einfach unter die Besucher, die damit selbst Darsteller werden, den Weg freimachen müssen für den edlen Herren oder die forsch eindringenden italienischen Krieger. Aufwändige Effekte und Szenen prägen das Bürgerspiel 2009. An der Anlegestelle am Inn kommen zu Beginn die Plätten und die Schiffsleute zum handfesten Einsatz, die Zuschauer halten den Atem an, ob das Anlandemanöver im reißenden Inn auch wirklich gelingt. Schwere Pferdegespanne rollen über die "Bühne" vor dem Rathaus, Reiter kommen im Galopp, um die Stadt zu befreien. Hans Wieser, der wahre Bräutigam der Gumpelzhaimer-Tochter Irmingard, grüßt überraschend vom Dach eines Stadthauses. Und zum Schluss brennt die Bühne, auf der Gumpelzhaimer seine schmerzvolle Erfahrung machen muss.

Zurecht konnten Spieler, Regisseur und die Organisatoren vom Theaterkreis um Erich Baumgartner am Ende stolz sein auf die Leistung des "größten Freilufttheaters in Südostbayern" in diesem Jahr. Immer wieder gab es Szenenapplaus, und wenn in der Vorpremiere noch nicht jeder Einsatz perfekt war und die Technik gelegentlich mit der Nässe zu kämpfen hatte, so störte das niemanden. Was den Gumpelzhaimer und seine Qualen angeht, schlägt der Abt versöhnliche Töne an. Hochmut sei eine schlimme Sünde, "aber zum Austreiben".

Und so können die Theaterbesucher in Wasserburg auch ohne Gewissensqualen zum anschließenden Feiern ins "Lagerleben" ziehen: Auch wenn die Stadt im Stück nicht immer gut wegkommt, von Gumpelzhaimer als "Nest" bezeichnet und vom italienischen Hauptmann Cardoso als "unheimlich" erlebt wird, hat sie am Ende doch Glück. Der italienische Handels- und Kriegsherr Bosco lässt sich von den Bürgern und der schönen Regina umstimmen. "Nun gut, so sei Wasserburg gerettet", so eröffnet er die große Feier, die es laut Theatertext in den Gassen der Stadt ohnehin regelmäßig gibt.

Von Karl Königbauer

Quelle: rosenheim24.de

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