Alle sieben Jahre: "Aba heid is koid"

+
Die samtene Schäffler-Jacke kommt später, wenn es wirklich "koid" ist, erstmals am 6. Januar um 13.30 Uhr vor dem Rathaus. Seit September trainieren die Schäffler aber schon den traditionellen Tanz.

Wasserburg - Vor 100 Jahren, im Fasching 1912, wurde zum ersten Mal in der Lokalzeitung festgehalten, dass die Wasserburger Schäffler in der Innstadt aufgetreten sind. Das wird heuer ab 6. Januar gefeiert.

Wahrscheinlich gab es schon viel früher, nach der Pest im Mittelalter, aufmunternde Aktivitäten der Schäfflerzunft auch in Wasserburg, so wie es als Ursprung des Schäfflertanzes von München überliefert ist. Doch im Archiv findet sich erstmals aus dem Jahr 1912 Material. Und seither wird auch - unterbrochen durch die Weltkriege - alle sieben Jahre getanzt, wie es die Tradition vorgibt, ab Januar zum 14. Mal.

Verändert hat sich in diesen Jahren vieles rundherum, aber nicht die Aufführung selbst: Die Schäffler tanzen zu "Aba heid is koid", der Kasperl reißt seine Sprüche, der Fassl-Schlager erinnert an die Schäffler-Arbeit, die Marketenderinnen bringen ihren Schnaps unter die Leute und die Wagerl-Buam dürfen mitlaufen und bilden den Nachwuchs. Denn weder die Schäffler, noch die Wasserburger Brauereien als Basis der Tanzgruppe gibt es ja schon lange nicht mehr.

Die Wasserburger Tänzer haben mit Max Holbl zwar noch einen, der diesen praktisch ausgestorbenen Beruf einmal gelernt hat. Die 30 Mitwirkenden aber kommen inzwischen aus allen Gruppen und vielen Gemeinden der Umgebung: "Eigentlich kann jeder mitmachen, ich hätte das auch gerne als Integrationsmöglichkeit gesehen", so Helmut Samer. Der ist seit 1977 dabei und organisiert die Gruppe seit vielen Jahren - auch als Abteilungsleiter im TSV, zu dem die Schäffler offiziell gehören.

Samer kann teilweise aus eigener Erinnerung gut beschreiben, was sich in den langen Jahren alles verändert hat. Nach dem Weltkrieg - 1949 wurde das erste Mal wieder getanzt - war sonst nichts los, und die Schäffler brachten tatsächlich etwas Freude in die Stadt, so wie im Mittelalter nach der Pest. In den Jahrzehnten danach waren die Tänze ein fester gesellschaftlicher Faktor. 1984 beispielsweise hatten in der Ledererzeile alleine 26 Geschäfte und Lokale einen Auftritt gebucht.

Das sind Zahlen, an die heute gar nicht mehr gedacht wird. Aber "150 Auftritte brauchen wir schon, um über die Runden zu kommen", so Helmut Samer. Schließlich müssen die Kostüme teilweise erneuert, die Transporte bezahlt werden. Und für die nächste Saison in sieben Jahren soll auch noch ein Polster übrig sein. "Der Tanz ist heute eine historische Aufführung, um an eine Tradition zu erinnern. Und das soll ja weitergeführt werden."

Bleibt mehr über, spenden die Schäffler für die Sportjugend und soziale Zwecke. "Die Tänzer selber bekommen nichts, nur die Musikanten, die uns begleiten", versichert Helmut Samer.

Und das, obwohl die Sache mit einem nicht unerheblichen Aufwand verbunden ist: Seit März laufen die Vorbereitungen, seit September wird wöchentlich im Sportgewand trainiert. Und zum Jubiläum wird auch eine eigene Broschüre gestaltet. Ehrenbürger Toni Meggle hat die Schirmherrschaft für das 100-Jährige übernommen und unterstützt die Schäffler ebenso engagiert wie die Stadtverwaltung "mit allen Abteilungen", wie Samer ausdrücklich lobt.

Außerdem wird es am 10. Februar einen Ehrenabend für geladene Gäste geben, unter anderem für die Mittänzer aus früheren Zeiten. Und es werden am Faschingssonntag vor dem Rathaus zwei Ehrentänze für die Bevölkerung gezeigt, dazu gibt es ein kleines Spektakel rundherum mit Bewirtung, den Stadtknechten und den Schiffleuten.

Ein kleiner Wermutstropfen hat sich in die Vorfreude allerdings gemischt: Wegen des Schäffler-Jubiläums fällt heuer der Faschingszug in Wasserburg aus. Das hat nicht allen Faschingsfreunden uneingeschränkt gefallen. Man sei der Meinung, dass "wie zum Beispiel in Haag Faschingsumzug und Schäfflertanz sehr wohl gleichzeitig und miteinander durchgeführt werden könnten", stellt die Lederergmoa als Organisator des Zuges fest. Dies hätten die Schäffler aber vehement abgelehnt. Tatsächlich sei es aber seit Jahrzehnten Praxis, in Schäfflerjahren den Faschingszug entfallen zu lassen. "Das bewog die Gmao-Verantwortlichen letztendlich zum Verzicht auf den Umzug, nicht zuletzt auch deshalb, um einen möglichen Unfrieden zwischen den Vereinen zu vermeiden."

Karl Königbauer (Wasserburger Zeitung)

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: Region Wasserburg

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser