Alte Schätze in rauem Klima

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Ausdrucksstark und relativ gut erhalten ist das Madonnenbild, für Stephanie Utschig und Sonja Fehler (rechts) eines der interessantesten Werke in der Zuganlage.

Viele alte - in den Büros manchmal auch moderne - Kunstwerke hängen im Wasserburger Rathaus. Doch ein großer Teil des Schatzes ist verborgen ganz oben, im Speicher. Dort haben die Museumsmitarbeiter jetzt sechs Wochen lang inventarisiert.

Wasserburg - Es ist bereits recht kühl unter dem ungedämmten Dach des Rathauses. Vor sechs Wochen, als Museumsleiterin Sonja Fehler, Mitarbeiterin Ingrid Unger und Stephanie Utschig mit ihrer Arbeit begonnen haben, war es dagegen noch gut warm. Utschig studiert Kunstgeschichte und macht ein Praktikum im Museum, was diese aufwendige Arbeit neben dem üblichen Museumsgeschäft wesentlich erleichterte.

Kaum mehr zu retten: der Totentanz.

Denn erst einmal musste gründlich sauber gemacht werden auf dem Dachboden, wo naturgemäß Staub dazugehört. Dann ging es daran, die etwa 120 teils schweren und sperrigen Kunstwerke aus der sogenannten "Zuganlage", und die rund 50, die dort keinen Platz mehr haben, herauszuholen und vorsichtig mit Spezialpinseln zu säubern. Schließlich wurden sie fotografiert und in einem Datenblatt erfasst mit den genauen Maßen und der Beschreibung von Zustand, Motiv und sonstigen Informationen, etwa der Herkunft oder Beschriftungen auf der Rückseite.

Im Museum war ein Großteil dieser Werke bisher nicht erfasst. Denn sie wurden aus alter Tradition von der Stadtkämmerei verwaltet und erst kürzlich in die Verantwortung des Museums überstellt, das sie nun gleich in die neue digitale Datenbank integriert. So war Sonja Fehler schon überrascht über einige Schätze, die da auftauchten, beispielsweise eine hochwertige großformatige Kopie des Renaissance-Gemäldes "Himmlische und Irdische Liebe" von Tizian. Die Stadtkämmerei hatte von diesem Gemälde schon Informationen gesammelt. So weiß man, dass es nach 1850 gemalt wurde durch Professor Heinrich Hasselhorst und 1942 aus dem Nachlass von Dr. Fritz Huber in den Besitz der Stadt kam.

Eine gute Kopie von Tizians "Himmlische und Irdische Liebe" steht auf dem Speicher, wobei überraschenderweise die nackte Frau als Darstellung der himmlischen Liebe galt.

Eine andere Überraschung war ein Madonnenbild, ebenfalls aus dem Huber-Nachlass. Es wurde 1988 schon einmal untersucht und als "italienische Madonna des frühen 18. Jahrhunderts" eingestuft. Mehr Details sind hier nicht bekannt - und von anderen Kunstwerken weiß man noch viel weniger.

Viele kamen irgendwann ohne weitere Informationen zur Stadt. Moderne Kunstwerke wurden immer wieder bei den Ausstellungen des AK 68 angekauft. Die Recherche bei der Kämmerei und im Archiv, das Forschen in Rechnungen und anderen Belegen gehört daher genauso zur Arbeit der Museumsmitarbeiter.

Und es wird auch gleich festgelegt, wie dringlich eine Restaurierung wäre. Dabei zeigt sich natürlich wieder einmal das Depotproblem des Museums. Die Werke, die in der Zuganlage Platz finden, haben es dabei noch gut. Dieser Holzkasten ist zumindest grundsätzlich staubgeschützt, und eine Isolierung puffert wenigstens die Spitzen der Klimaschwankungen. "Denn die sind am schlimmsten für die Gemälde", so Sonja Fehler.

Viel saugen, pinseln und wischen musste Stephanie Utschig in ihrem Praktikum - im Dienst der Kunstgeschichte.

Das ist beispielsweise an einem praktisch zerstörten Gemälde aus der Friedhofskapelle zu sehen: Das Hauptwerk des "Totentanzes" hängt nur mehr in Fetzen im Rahmen, sodass auch die noch besser erhaltenen Seitentafeln fast wertlos sind. "Vermutlich hat die Leinwand Feuchtigkeit gezogen, ist schwerer geworden und hat dann zum Riss geführt. Hitze hat die Ölfarbe später weich gemacht, Kälte wieder hart, sodass die Falten jetzt kaum mehr zu glätten sind", so die Museumsleiterin.

Um solche Schäden bei den Werken, die weiterhin schutzlos im Speicher stehen müssen, möglichst zu verhindern, werden sie nach der Reinigung und Katalogisierung nun in säurefreies Seidenpapier und Folie verpackt und möglichst senkrecht aufgestellt. Und dann bleibt nur Warten auf eine Depotlösung. "Aber da sind wir ja hoffnungsvoll", so Sonja Fehler.

Quelle: rosenheim24.de

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