Ein Altenheim für zwei Generationen

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Das Caritas-Altenwohnheim Ende der 90er-Jahre. Damals bereits gab es für die Bewohner in jedem Zimmer einen Balkon.

Wasserburg - Vor 40 Jahren zogen acht Schwestern des Ordens "Barmherzige Schwestern vom heiligen Vinzenz von Paul" mit 88 Senioren ins Caritas-Altenwohnheim.

Bis 1992 blieben die Schwestern, seither arbeiten weltliche Fachkräfte in dem Haus der Erzdiözese München-Freising, das am kommenden Samstag sein 40-Jähriges feiert - und in dem sich in vielen Bereichen vieles in den vier Jahrzehnten verändert hat.

Von außen scheint der sechsstöckige Bau sich in 40 Jahren wenig verändert zu haben, innen ist viel passiert, so erhielten zum Beispiel alle 65 Einzelzimmer und die wenigen Doppelzimmer einen Balkon. Und längst ist es nicht mehr so, dass die sehr pflegebedürftigen Bewohner im sechsten Stock untergebracht sind, "das hat sich völlig verändert, jeder kann in seinem Zimmer bleiben solange er hier ist", sagt Theresia Meisl, die seit 2004 das Haus leitet.

In den vier Jahrzehnten sind die Bewohner älter geworden, im Schnitt um zehn Jahre. Früher habe man einmal im Jahr einen 100-Jährigen gehabt, jetzt wird häufiger gefeiert, sagt die Heimleiterin. Praktisch zwei Generationen ältere Menschen leben heute im Caritas-Heim. Was Folgen für die Pflege hat, weil Ältere pflegebedürftiger sind. Hilfreich sei, so Meisl, dass es im Bereich der technischen Hilfsmittel eine unglaubliche Entwicklung gegeben habe.

Der höhere Altersdurchschnitt hat aber auch zur Folge, dass immer mehr Bewohner demenzielle Erkrankungen haben.

"Wenn das Umfeld mitspielt, können auch sie frei leben", sagt Theresia Meisl, die immer wieder betont, wie wichtig es sei, dass das Haus mit ingesamt 85 Mitarbeitern offen ist.

Ehrenamtliche gehören dazu, damit das Umfeld stimmt. Um die 20 Ehrenamtliche, zum Teil schon seit Jahren, helfen in unterschiedlichsten Formen und Bereichen mit. Und auch sie bekommen immer wieder Schulungen, zum Beispiel für den Umgang mit Menschen, die verwirrt sind.

Alltagsbegleiter für Bewohner mit eingeschränkter Alltagskompetenz schreibt das Gesetzt seit letztem Jahr vor. Fünf Frauen mit den unterschiedlichsten Qualifikationen kümmern sich um diese Bewohner, gehen mit ihnen in die Kirche, pflanzen mit ihnen Blumen, helfen beim Telefonieren, "an sieben Tagen in der Woche wollen wir das anbieten", sagt Ruzica Jung. Seit einem Jahr ist sie, von Beruf Sozialpädagogin, im Caritas-Heim zuständig für die soziale Begleitung.

Was ihr ganz viel Spaß macht sind die Biografien der Bewohner, "toll, wenn sie zum Beispiel erzählen wie sie auf der Walz waren". Die Geschichte der Bewohner zu kennen ist den Mitarbeitern wichtig, auch deshalb wird die Vita zweier Bewohner in der Festschrift beschrieben.

Zwei Schüler, die in Altenhohenau die Theorie lernen, hat das Caritas-Heim derzeit. "Fachkräfte haben schon vor zehn Jahren gefehlt, das geht immer rauf und runter", sagt Theresia Meisl, die auch viele Jahre Erfahrung im Pflegedienst hat. Zwar habe der Beruf Altenpfleger enorm an Attraktivität gewonnen, die Ausbildung könne mittlerweile bis zum Studium führen. Aber ein paar jüngere Mitarbeiter würde sie gerne begrüßen, damit die Mischung zwischen Älteren und Jüngeren stimmt.

Den Mitarbeiterschlüssel habe sie erfüllt, aber die Arbeit sei einfach mehr geworden. Die Dokumentationen machten ja durchaus Sinn, aber ob es jeder Handstrich sein müsse. Und die 1996 eingeführte Pflegeversicherung für den stationären Bereich sei gut gewesen, habe mehr Kräfte gebracht, "aber seit damals hat sich nichts verändert".

Wohnen und Leben im Alter sei, sagt sie, ein ganz wichtiges Thema, Wohngruppen könnte man zum Beispiel noch einrichten. Kurzzeitpflege wird bereits im Caritas-Heim eingestreut. Wenn Platz ist, wäre eine Option eine Tagespflege zusätzlich anzubieten.

Vergangene Woche hat vor dem großen Fest Theresia Meisl ein Seminar besucht, zweimal im Jahr stehen für Mitarbeiter Schulungen zum Projekt "Christliche Hospiz- und Palliativkultur" auf dem Plan, das es seit zwei Jahren gibt. Auch ganz wichtig sei "die Auseinandersetzung mit dem Sterben, um Bewohner und Angehörige gut begleiten zu können".

Ulrike Vonau/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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