Altes Gold mit neuem Wert

Wasserburg - Die Finanzmarktkrise liegt erst gut zwei Jahre zurück und schon sind die Aktienkurse wieder gewaltig ins Trudeln geraten.

Während das Vertrauen in Geldanlagen mit den Kursen in den Keller rutscht, erkennen immer mehr Bürger Uromas geerbtes Schmuckkästchen als Goldgrube oder legen sich Goldbarren ins Bankschließfach.

Juwelier Markus Ruepp aus Wasserburg kauft bereits seit langem Altgold an. Doch in den vergangenen zwei Jahren verzeichnet sein Traditionsgeschäft - wie auch andere Goldaufkäufer in Wasserburg - ein deutlich verstärktes Interesse daran. Während früher Uromas Goldkette unbeachtet in der Schublade liegen blieb, wird sie heute bereitwillig zu Geld gemacht.

Denn das Entrümpeln lohnt sich: Der Goldpreis ist so hoch wie nie zuvor, auch wenn er vorgestern überraschend einen Ruck nach unten erlebte. "Ich würde sofort verkaufen, wenn ich ein altes Schmuckstück zu Hause hätte, das niemand mehr tragen will", betont Ruepp.

Der Juwelier schmelzt das verkaufte Goldstück selber ein, nachdem er den Goldgehalt getestet und gewogen hat. Dann wird nach dem aktuellen Tagespreis in bar ausgezahlt. In einer externen Scheideanstalt wird das Gold von Zusatzmaterialien getrennt, denn Ring, Kette und Armband bestehen schließlich nicht zu hundert Prozent aus reinem Gold, erläutert Ruepp den weiteren Ablauf. Danach werde die gewünschte neue Legierung hergestellt.

Fast zu hundert Prozent lassen sich die Kunden den Wert des verkauften Goldes in seinem Geschäft auszahlen. Ruepp blutet nach eigenen Angaben nur selten das Herz, wenn der Schmelzvorgang beginnt. Denn auch Schmuck unterliegt der Mode: "Keiner mag heute noch Schlaghosen tragen, warum sollte er dann ein altmodisches Schmuckstück umlegen." Nur sehr selten bestehe der exklusive Wunsch, aus dem abgegebenen Gold eines alten Ringes direkt einen persönlichen neuen herzustellen.

Für die Juweliere hat der Goldboom allerdings auch eine weniger glänzende Seite: Die hohen Preise für das Edelmetall sorgen nicht unbedingt für gute Geschäfte. Schließlich muss neue Ware derzeit weitaus teurer eingekauft werden als zu Zeiten, als der Goldrausch noch nicht die Edelmetallmärkte und Anleger erfasst hatte, bedauert Ruepp. Und den Preis vorhandener Schmuckstücke kann er auch nicht einfach an den aktuellen Goldkurs anpassen, denn solche Erhöhungen würde der Kunde nicht mittragen. "Wir wären deshalb froh, wenn der Goldpreis wieder runtergehen würde", betont er. Das gelte auch für Silber, ein Edelmetall, für das die Preise ebenfalls seit längerem steigen.

Seit der Finanzmarktkrise verzeichnet auch die Sparkasse Wasserburg eine verstärkte Nachfrage nach Goldanlagen.

Doch Vorstandsmitglied Peter Schwertberger warnt zur Vorsicht, wolle ein Interessent zum jetzigen Hochpreiszeitpunkt noch einsteigen. "Die Riesennachfrage nach Gold hat den Preis in die Höhe getrieben, genauso schnell kann er wieder nach unten abrutschen", so seine Erfahrung, die sich am Mittwoch ansatzweise bestätigte. Zu Spekulationszwecken sollte Gold deshalb nicht angekauft werden - "lediglich als einer von mehreren Bausteinen zur Vermögensstreuung". Nur wer Geld übrig habe und sich in der finanziellen Lage befinde, lange auf den optimalen Verkaufszeitpunkt warten zu können, sollte jetzt noch zugreifen, so Schwertberger. Neben Aktien und Barvermögen könne Gold eine gute, sachwertorientierte Ergänzung zu einem Immobilienbesitz darstellen, erläutert er.

Der Fachmann rät außerdem, keine Goldzertifikate oder Goldfonds zu erstehen, sondern Goldbarren oder Münzen. Dass diese angesichts des großen Interesses der Anleger derzeit fast ausverkauft sind, wie es gelegentlich heißt, kann das Sparkassenvorstandsmitglied nicht bestätigen. "Wir bestellen die Barren bei der Landesbank, in ein bis zwei Tagen sind sie dann nach wie vor da."

Als Alternative zum Gold, das nach Feinunzen mit je 31,3 Gramm berechnet wird, sieht Schwertbergers auch Silber als interessant an. Das Edelmetall habe ebenfalls in den vergangenen Jahren eine hohe Wertsteigerung zurückgelegt und werde schließlich zusätzlich in der Industrie als Rohstoff benötigt.

Die große Nachfrage nach Gold besitzt nach Schwertbergers Überzeugung auch eine starke emotionale Komponente. "Von jeher übt Gold eine hohe Faszination aus. Schon immer war es ein Krisenbarometer."

Heike Duczek (Wasserburger Zeitung)

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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