Bahnfreunde üben Kritik an Gutachten

Wasserburg - Kritisch hinter fragt wurden jetzt im Stadtrat die Gutachten zur Altstadtbahn. Besonders die Kosten, rund 11 Millionen Euro, wurde als deutlich zu hoch angesehen.

Die Wiederherstellung der Bahntrasse von Reitmehring in die Altstadt ist mit brutto 11 Millionen Euro extrem hoch. Gleichzeitig ist der Nutzen dieser Bahnverbindung gering: Nur rund 600 Passagiere pro Tag seien zu erwarten - wenn auch Schüler auf den Zug gebracht werden, was unwahrscheinlich ist. So lässt sich das Ergebnis der beiden Gutachten zusammenfassen, die schon im Oktober im Wasserburger Stadtrat vorgestellt worden waren. Der volkswirtschaftliche Nutzen sei in Relation zu den Kosten um den Faktor fünf zu gering, so das Ergebnis.

Druck aus dem Ministerium?

Nachdem in der Zwischenzeit die kompletten Unterlagen dazu auch im Internet (www.wasserburg.de) veröffentlicht wurden, standen nun die Fachleute dem Stadtrat und auch der Öffentlichkeit für Fragen zur Verfügung. Und sie mussten sich einige kritische Anmerkungen gefallen lassen, die darin gipfelten, dass Ralph Meerstein von Pro Bahn die eher rethorische Frage stellte, wieviel Druck denn vom Wirtschaftsministerium auf die Gutachter von Gevas ausgeübt worden sei. "Es gab keinen Kontakt zum Ministerium", hielt dem Erik Meder entgegen, und: "Wir haben uns nie unter Druck gefühlt."

Vor allem zwei Aussagen des Gutachtens wurden immer wieder kritisiert: Die Höhe der erforderlichen Investitionen und die Aussage, dass die Bahnlinie für den Schülertransport kaum nutzbar wäre.

Das Büro Zierl hatte für die erforderlichen Investitionen 9,3 Millionen Euro netto, also rund 11 Millionen brutto errechnet. Ausschlaggebend für diese hohe Summe war zum einen die schwierige Topografie mit der steilen Innleite, zum anderen der schlechte Zustand der Strecke nach über 20 Jahren ohne Wartung.

Trotzdem fanden diese Zahlen wenig Akzeptanz bei den Bahnfreunden, die den Großteil des Publikums ausmachten. So schätzte ein Vertreter der Chiemgau-Lokalbahn, dass die Strecke für zwei bis drei Millionen Euro wieder betriebsfähig gemacht werden könnte. Kritisierte wurden auch die hohen Kosten für "Unvorhergesehenes" mit 1,4 Millionen Euro netto.

Der Vertreter des Büros bezeichnete dagegen die angesetzten Werte durchaus als realistisch. Man könne ja nicht von ehrenamtlichen Rodungsarbeiten wie bei der Chiemgaubahn ausgehen, sondern müsse mit professionellen Leistungen rechnen.

Aber auch wenn die Sanierung für die Hälfte zu machen wäre, würde dies den Wirtschaftlichkeitsfaktor der Strecke nur unwesentlich verbessern. Auch dann müssten noch rund dreimal so viele Fahrgäste erreicht werden wie prognostiziert, um in einen wirtschaftlichen Bereich zu kommen, so Erik Meder. Der hielt auch die mehrmals vorgetragenen Erwartungen für unrealistisch, über Schülertransporte die Zahlen deutlich zu erhöhen. Täglich 5000 Schüler in der Stadt: Da müssten doch mehr auf die Schiene zu bringen sein, so die Annahme.

Für Schülertransport kaum geeignet

Nur entlang der Linie nach Ebersberg sei dies vielleicht möglich, auch wenn hier die Ankunfts- und Abfahrtszeiten aufgrund der Takt-Abhängigkeit nicht wirklich passten, so Meder. Für die anderen Richtungen gebe es in Reitmehring keine akzeptablen Anschlüsse an die Altstadtbahn.

Dass der Tourismus nicht berücksichtigt sei, warf Jürgen Häuslmann, Vorsitzender des Fremdenverkehrsvereins, den Gutachtern vor. Diese betonten, dass nur die Werktage untersucht worden seien und in diese Zahlen alle Reisezwecke, also auch der Tourismus, eingeflossen seien.

Die Anwesenheit eines Vertreters der Rhein-Sieg-Bahn, die bei der Chiemgaubahn im Boot ist, nutzte Bürgermeister Michael Kölbl am Ende zu einem Angebot: "Wenn Sie die Strecke instand setzen und betreiben wollen: Bitte morgen melden."

Der Stadtrat hatte sich vor der öffentlichen Diskussion ebenfalls mit dem Gutachten beschäftigt. Dabei zeichnete sich eine Tendenz ab, vorläufig keine endgültige Entscheidung über die Bahntrasse zu treffen.

koe/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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