Wildtierhilfe Amerang zieht Zwischenbilanz - und appelliert 

Rehkitzrettung vor Mähtod: Ein Knochenjob, der sich lohnt

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80 Rehkitze haben die Ehrenamtlichen der "Wildtierhilfe Amerang" bereits vor dem Mähtod retten können. 
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Amerang/Landkreis - Jährlich fallen unzählige frisch geborene Rehkitze den Mähmaschinen der Landwirte zum Opfer. Ein neuer Verein aus Amerang setzt sich für die Rettung mittels Drohnensuche ein. Auch wenn die Zusammenarbeit klappt, der Appell, diese Möglichkeit auch zu nutzen, steht nach wie vor im Raum. 

Damit die Kitze im hohen Gras vor der Mahd gerettet werden können, spürt die Wildtierhilfe Amerang die Jungtiere mithilfe von Suchdrohnen auf. 

Ein gerettetes Rehkitz. 

Der neu gegründete Verein, der sich auf die Fahnen geschrieben hat, dem grausamen Gemetzel ein Ende zu setzen, zieht nach rund einem Monat eine erste Zwischenbilanz. Die Drohne habe sich demnach bewährt

Insgesamt 80 Rehkitze konnte die Flugkamera bisher in den Wiesen finden und vor dem Mähtod bewahren. Eine "erfreulich hohe Zahl für die erste Saison der Drohne - und zugleich ein Hinweis auf das Ausmaß der stummen Mähtod-Problematik in unseren Wiesen", betont Marie-Theres Schurrer, Drohnenpilotin und Leiterin des Vereins.

Rehkitzrettung keine Freizeitbeschäftigung

Für das Drohnenteam stellt die Rettung einen Knochenjob dar. Mit dem Aufstehen um 4 Uhr morgens startet die Hektik, es zählt jede Minute bevor das Mähen beginnt - von der Anfahrt über den Aufbau und Suchflug bis hin zur Rettung der aufgespürten Kitze. 

Im Mai mussten die Jungtiere oft bei Kälte und Nässe aus hohem Gras viele hunderte von Metern an den nächsten Waldrand getragen und dort gesichert werden, berichtet Schurrer weiter. "Die langen Eilmärsche im schweren nassen Gras fordern körperliche Leistung von den Helfern, die von Einsatz zu Einsatz eilen. Kommt das Team nach Hause, klingelt schon das Telefon für die Einsätze der nächsten Tage und es muss weiter geplant und organisiert werden." 

Die Suche nach Rehkitzen sei mitnichten eine Freizeitbeschäftigung, akzentuiert Schurrer im Gespräch mit der Redaktion: "Wir haben jetzt einen harten Kern von acht einsatzwilligen Leuten. In den acht Wochen der Kitz-Zeit müssen Freizeit, Urlaub, teilweise der Beruf und vieles andere zurückstehen - sonst ist es nicht zu schaffen."

Die Drohne ist essentiell für das Aufspüren der Kitze im hohen Gras. 

Mit Ausnahme von Regentagen war die Drohne seit Anfang Mai jeden Morgen im Einsatz - vom Tagesanbruch bis in den Vormittag hinein. Schurrer erklärt: "Wenn die Sonneneinstrahlung stark wird, muss der Einsatz beendet werden, da die Wärmebildkamera der Drohne dann Lebewesen nicht mehr eindeutig im hohen Gras finden kann. An bewölkten Tagen hingegen kann die Drohne von früh bis spät erfolgreich suchen." 

Bisher gute Zusammenarbeit mit Landwirten und Jägern

Sehr positiv sei indes die Zusammenarbeit mit Landwirten und Jägern. Manche hätten sich auch aus Nachbarlandkreisen gemeldet - der Ameranger Verein sei bereits rund um Rosenheim und auch beispielsweise in Seebruck und Steinhöring im Einsatz gewesen. In manchen Fällen sei von umsichtigen Landwirten das Mähen sogar spontan abgebrochen worden, als Rehe aus der Wiese aufsprangen.

Schurrer lobt auch die Jäger: "Die, die beim Ansitzen trächtige Geißen beobachten, bitten uns immer wieder um Abflug der betroffenen Teilflächen und kombinieren die Drohnensuche mit anderen, optischen und akustischen Rehscheuchen. Diese Zusammenarbeit ist unentbehrlich, um die knappe Flugzeit der Drohne wirksam einzusetzen."

"Viele der Jäger und Bauern, die nach der Mahd die gesicherten Rehkitze wieder freigelassen hatten, haben uns froh und erleichtert von diesem Erlebnis erzählt", berichtet auch eine Helferin. "Ois guad ganga. Super Sache!" Nachrichten wie diese erreichen den Verein regelmäßig nach einer erfolgreichen Rettung. 

Die Drohne spürt die Rehkitze im hohen Gras auf. 

Vor dem Mähen Drohnen-Suche auch wirklich nutzen 

"Sehr junge oder kältegeschwächte Kitze halten nur wenige Stunden ohne Nahrung aus", erklärt Schurrer und bekräftigt, auch deshalb sei das Miteinander mit Jägern und Landwirten erforderlich, weil die Rehkitze derart empfindlich seien. 

Sind die Tiere dann unter Körben am Feldrand gesichert, müsse das Mähen binnen weniger Stunden abgeschlossen werden. Das erfordere in manchen Fällen ein Beschleunigen oder Warten vom Landwirt, der seinerseits wiederum unter Zeitdruck stehe. "Keine leichte Aufgabe", räumt die Vereinsleitung ein. Umso erfreulicher sei deshalb, dass diese Vorgaben meistens mit Selbstverständlichkeit und großer Bereitschaft souverän umgesetzt werde.

Dennoch, so appelliert Schurrer, es sei weiter essentiell, dass sich Landwirte und Jäger auch wirklich melden, damit die Kitze vor dem Mähen aus den Wiesen gerettet werden können. Das Suchen der Jungtiere zu Fuß sei im hohen Heugras sei aussichtslos - in solchen Fällen könne nur die Drohne helfen. Und: Ohne das Aufspüren durch die Drohne verenden viele Rehkitze weiter auf dramatische Art und Weise

Dass diese Art der Rehkitzrettung in der Landwirtschaft noch nicht hundertprozentig angekommen ist, lässt sich an der Zahl an toten Kitzen erkennen, die der Mahd nach wie vor zum Opfer fallen

Verena Eiwen von der Reitanlage Thal bei Tuntenhausen mahnt beispielsweise auf Facebook, wie wichtig es für den Tierschutz sei, dass die Möglichkeit des Aufspüren von Rehen mittels Wärmebildkamera auch angenommen werde. 

"Ein großer Dank an die Spender, Landwirte und Jäger, die sich an der Initiative beteiligen. Wir tun das aus Respekt vor der Kreatur und wollen nach der Saison anderen Aktiven helfen, weitere Drohnenvereine ins Leben zu rufen. Wir hoffen, dass sich auch Jägervereinigungen für eine eigene Drohne begeistern und bieten jedem ernsthaft Interessierten an, sich mit uns in Verbindung zu setzen. Unsere Drohne kann den Weg bahnen, aber sie ist nur ein Anfang", unterstreicht Schurrer abschließend. 

Unter der Telefonnummer 0152-21 34 84 98 kann der Drohneneinsatz angemeldet werden. 

mb

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