Infoabend auf Schloss Amerang

Gust Voit: „Wir begegnen Menschen und keiner Sache“

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Gut besucht war die Infoveranstaltung auf Schloss Amerang: Der CSU-Ortsverband Amerang hatte geladen, gut 150 Gäste kamen.
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Amerang – Der Ton wird härter in Bezug auf das Thema der Aufnahme von Asylbewerbern im Landkreis Rosenheim. Bei einem Infoabend auf Schloss Amerang kamen auf Einladung des CSU-Ortsverbandes viele Interessierte.

Landrat Wolfgang Berthaler und Amerangs Bürgermeister Gust Voit dankten zu Beginn des Abends den vielen ehrenamtlichen Helfern, die in der Region fleißig sind. „Ohne Euch wäre das hier in Amerang nicht möglich“, betonte Voit. Der Rathauschef zeigte sich hocherfreut, dass die 80 Asylbewerber, die derzeit in Amerang sind, so menschlich und professionell vom Helferkreis betreut und unterstützt werden.

„Ohne Sie wären wir nichts“, kam es Landrat Wolfgang Berthaler über die Lippen. Zwar habe Landkreis und Kommune die Pflicht, im Lebensumfeld mitzuwirken, doch diese hervorragende Hilfsbereitschaft durch die Helferkreise könnte eine Behörde niemals erbringen. Amerang scheint in Sachen Integration manch anderen Kommunen etwas vorzumachen.

In der kleinen Gemeinde funktioniert das gemeinsame Leben ohne Probleme. Dennoch fühlen sich etliche Bürger von der allgemeinen Situation deutlich belastet. „Es kommen nach Bayern immer mehr Asylbewerber, das können wir nicht mehr schaffen“, zeigten sich viele Anwesende unlustig.

Landrat Wolfgang Berthaler erläuterte die aktuelle Situation.

Zwar sei man nicht grundsätzlich gegen das Helfen, doch die Politik müsse auch auf die Einheimischen Acht geben und die Sorgen und Ängste verstehen, so teils aufgebrachte Bürger. „Glauben Sie mir, ich verstehe Ihre Sorgen und es ist tatsächlich so, dass wir Ende des Jahres mit unseren Kräften und den Möglichkeiten, Menschen unterzubringen und zu versorgen, am Ende sind“, so Landrat Berthaler in Amerang. Dennoch sei man verpflichtet, gewisse Quoten zu erfüllen. „Momentan kann ich im Landkreis nicht besonders viel gestalten, weil ein Großteil meines Alltags und meiner Zeit mit den Aufgaben der Asylpolitik gefüllt ist“, so Berthaler.

In Amerang bildeten sich schnell zwei „Lager“. Teils euphorisch wurde über die Bereicherung durch die Asylbewerber gesprochen, teils wurde Skepsis und Angst laut, ob man ein normales Miteinander überhaupt schaffen könne. „Skepsis ist menschlich, aber Kritik muss sachlich bleiben“, betonte Gust Voit.

Verständnis für alle

Das Gemeindeoberhaupt erklärte, dass man den Frieden wahren müsse und gleichberechtigt helfen eine wichtige Aufgabe sei. „Sozialbau und Hilfe für jeden gleichermaßen ist unser wichtigstes Tun“, so Voit. Landrat Wolfgang Berthaler erklärte, dass jedes Land, das Asylbewerber aufnehme, definitiv geschwächt werde. „Momentan haben wir im Landkreis 2500 Asylbewerber untergebracht, doch es werden in den nächsten Wochen mehr“, so Berthaler. Darum müssten weitere Turnhallen belegt werden. „Doch wir werden keine Gemeindeturnhallen beschlagnahmen, das verspreche ich Ihnen“, so Berthaler. Während der Diskussion auf Schloss Amerang blieb es nicht immer sachlich, doch etwas Ruhe brachte Gust Voit in die Runde. „Wir begegnen hier Menschen und keiner Sache“, so Voit. Bevor Ende des Jahres vermutlich die weiße Flagge gehisst werde, weil keinerlei Kapazität mehr zur Verfügung stünde, müssten alle Kräfte gebündelt werden und die Menschlichkeit siegen, waren sich Berthaler und Voit einig.

Quelle: rosenheim24.de

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