Joseph Steins Intuition von Erhalt und Umbau

Die Geschichte des über 600 Jahre alten Bauernhauses in Amerang 

+
Joseph Stein baut das alte Bauernhaus in Amerang in ein Hotel um. 
  • schließen

Amerang - Im Herzen der kleinen Gemeinde wird aktuell fleißig gewerkelt: Einem 1366 erbauten Bauernhaus steht der wohl umfangreichste Umbau seiner Geschichte bevor. Die Hintergründe kann Inhaber Joseph Stein erklären: 

Morsche Balken, hinter denen sich Spinnweben verstecken, knarzende Holzdielen und Türen aus dem vorigen Jahrhundert - dass es dem "Familienhotel Steinbauer" einer gründlichen Sanierung bedarf, soll es weiter bestehen, das ist nicht nicht von der Hand zu weisen. 

Joseph Stein aber steckt nicht umsonst Geld und viel Mühe in die alten Räumlichkeiten aus dem 14. Jahrhundert - er hängt an dem Gebäude, wie er erklärt, nachdem er einen nachdenklichen Blick über die alten Dachbalken schweifen ließ: "Das Haus ist in der 13. Generation im Familienbesitz - da kann ich doch nicht einfach sagen, ich gebe es auf. Das Haus besitzt eine Seele, war früher von Amerikanern besetzt und hat in der Vergangenheit einen Brand überstanden - es erzählt seine ganz eigene Geschichte." 

An Bildern wie diesen wird deutlich, wie alt Mauern und Balken sind.

Abriss kam für den 34-Jährigen nicht in Frage - auch wenn das 653 Jahre alte Haus nicht unter Denkmalschutz stehe: "Ich bin sehr mit Amerang verwurzelt und auch mit den Leuten. Ich glaube, der Ort könnte einen Tourismus-Schwung gut vertragen - ich wollte das Gebäude daher weder verkaufen noch in Wohnungen umbauen." 

Gastronomie liegt bei den Steins in der Familie: Mutter Renate betreibt den Feinkostladen "Poidl" im Ort, Vater Sepp stellt ein paar Meter entfernt vom Gebäude unter anderem den "Odl-Likör" her und greift damit die Likörmach-Tradition seines Vaters und Großvaters wieder auf.  

Die Entscheidung fiel Tausende Kilometer von zuhause entfernt 

Ein Bild aus vergangenen Zeiten.

Im Auslandsjahr Australien schließlich sei der Groschen gefallen: Joseph Stein junior entschied sich, das Gebäude von seinem Vater zu übernehmen und so für den Weiterbetrieb als Familienhotel. Dabei war das alte Gebäude mitnichten immer schon ein Hotel, wie Stein erzählt: "Ganz früher dominierte auf dem alten Bauernhof das Vieh. Tagelöhner schliefen im Heu - dadurch hat mein Opa zusätzliche Einnahmen bekommen. Doch als Maul- und Klauenseuche ausbrach und viele Tiere dahinraffte, hat er den Betrieb aufgegeben und begonnen, den Hof in ein Hotel umzubauen." Joseph Stein ist nun die vierte Generation im Hotelgewerbe "Das Stein". 

Eine alte Nähmaschine oder ein Pferde-Kummet: Details wie diese spiegeln die Geschichte des 653 Jahre alten Hauses wider. 

Grundlegend habe der Hotelbetrieb von der Zeit an gut funktioniert, doch 2015 machte der Brandschutz mit seinen strengen Auflagen den Steins einen gehörigen Strich durch die Rechnung. Der zweite Stock durfte nicht mehr betreten werden, die Steins entschieden sich, bis zur Modernisierung Anfang 2019 Asylbewerber im Erdgeschoss zu beherbergen. Nachdem der Vertrag nun ausgelaufen sei, investierten sie 350.000 Euro in den Brandschutz - und Joseph Stein wagte den endgültigen Schritt, sein Erbe vorzeitig anzutreten und sich dem alten Gebäude anzunehmen. 

Inzwischen gleicht der ehemalige Hof einer Großbaustelle: Das Innere des Hauses wird komplett entkernt und grundsaniert, lediglich Mauerwerk und Balken bleiben bestehen. Altlasten werden entsorgt, Wände erneuert, neue Rohre und Wasserleitungen müssen eingebaut und das Dach komplett gedämmt werden. 

Dieser alte Holzbalken soll zu einem Tisch umfunktioniert werden. 

Viele Arbeitsstunden liegt noch vor dem neuen Inhaber. Doch der zeigt sich zuversichtlich und entspannt: "Der Umbau erfolgt gemeinsam mit sieben Mitarbeitern, die handwerklich geschickt sind. Und ich freue mich über jedes alte Detail, das im Rahmen der Umbauarbeiten zum Vorschein tritt - sei es eine verstaubte Nähmaschine aus vergangenen Zeiten oder ein Kummet, das die Pferde früher als Geschirr für die Feldarbeit bekamen." Steins Blick bleibt bei einem alten Holzbalken hängen, den er aus einem Eck hervorzieht. "Das wird später einmal ein Biertisch", sagt er lachend. 

Alles in allem soll das Gebäude ein Familienhotel mit Frühstück werden, einem Seminarraum für Tagungen mit bis zu 80 Personen - das alles aber ohne Abendessenangebot. "Wir haben so viele umliegende Restaurants, da brauchen wir nicht auch noch konkurrieren. Mir geht es auch darum, das gemeindliche Miteinander zu fördern", betont der Ameranger. 39 Zimmer mit 120 Betten insgesamt - das ist die Intuition, die Joseph Stein umsetzen möchte. Wenn alles nach Plan läuft, soll im August 2019 eröffnet werden. Der Fortschritt der Umbauarbeiten kann online auf der Website verfolgt werden. 

Impressionen von Sanierung und Umbau des alten Bauernhauses 

mb

Zurück zur Übersicht: Amerang

Auch interessant

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser

MEHR AUS DEM RESSORT