Zu versuchtem Betrug sind fünf Geschäftsleute Zeugen - Angeklagter zu Strafe von 6400 Euro verurteilt

Soziales Engagement als K.o.-Argument

Wasserburg - Der Wille, etwas Gutes zu tun, entpuppte sich für fünf Ameranger Geschäftsinhaber schnell zum großen Ärgernis. Der Fall wurde nun am Amtsgericht verhandelt.

Mithilfe des Sprichworts "Tue Gutes und rede darüber" und ein paar kleinen Notlügen überredete ein 67-jähriger Handelsvertreter aus Rosenheim fünf Ameranger Geschäftsinhaber zu einem Sozialsponsoring. Doch das geplante gemeinnützige Engagement entpuppte sich schnell zum großen Ärgernis für die Sponsoren und endete schließlich mit einem Strafbefehl für den Rosenheimer wegen versuchten Betrugs in fünf Fällen. Dagegen hatte der Angeklagte Einspruch eingelegt, doch die Verhandlung vor dem Amtsgericht ließ er platzen. Nachdem er auch eine weitere Einspruchsfrist verstreichen ließ, verwarf das Gericht den Einspruch und verurteilte den Angeklagten zu einer Gesamtgeldstrafe von 6400 Euro.

"Es ist einfach nur ärgerlich", sagte einer der fünf Geschädigten, die als Zeugen vor dem Amtsgericht erschienen waren und gemeinsam mit dem Gericht vergeblich auf den Angeklagten gewartet hatten. Für die Zeugen war es zum Teil bereits der vierte Termin bei Polizei und Gericht, um ihre Aussagen zu machen und dieses Mal hatten sie sich umsonst freigenommen.

Einen solchen Strudel habe man nicht erwartet, betonte eine Zeugin, denn alle fünf Geschädigten hätten noch am Tag des Vertragsabschlusses stornieren wollen. Doch da man rechtlich als Vollkaufmann gelte, sei bereits die Unterschrift verbindlich und deshalb gäbe es kein Rücktrittsrecht. Das wollten die Geschädigten so nicht hinnehmen, denn sie fühlten sich mit unrichtigen Aussagen des Angeklagten über den Tisch gezogen und erstatteten Anzeige.

Ein Betrugsverfahren gegen die Firma sei, laut der Aussage eines weiteren Zeugen, bereits eingestellt worden, da diese die alleinige Verantwortlichkeit des Angeklagten hätte glaubhaft machen können.

Der hatte im Juni des vergangenen Jahres als Mitarbeiter der Berliner Werbefirma die fünf Betriebe schließlich für das gemeinnützige Projekt gewinnen und sie von der Werbewirksamkeit einer guten Tat überzeugen können. Mit Hilfe von Sozialsponsoring sollte dem EFA-Automobilmuseum Amerang die kostenfreie Anschaffung eines hochwertigen Defibrillatoren zur Rettung von Menschenleben ermöglicht werden. Komplett kostenfrei und mit "Rundum-Sorglos-Paket" für die Wartung sollte er im Außenbereich, gut zugänglich, für mehr Sicherheit bei Mitgliedern, Besuchern, Gästen und Freunden der Institution sorgen.

Als Dankeschön sollte der Sponsor eine großrahmige Werbefläche auf einer Sponsorentafel erhalten und hier hatte die Sache auch gleich einen gravierenden Haken. Laut Strafbefehl hat der Angeklagte im Juni des vergangenen Jahres mit den Geschädigten einen Sponsoring-Vertrag mit einer Vertragslaufzeit von drei Jahren abgeschlossen und auf deren Rückfragen mehrfach zugesichert, dass der Bestand des Museums für diesen Zeitraum gesichert sei, obwohl ihm bekannt gewesen sei, dass seitens des Museums ausdrücklich erklärt wurde, dass der Bestand höchstwahrscheinlich keine drei Jahre gewährleistet sei.

Laut dem Sponsoring-Vertrag "Anzeigenauftrag für Info-Tafel" wurden mit den Geschädigten unterschiedliche Preise für drei Jahre Laufzeit vereinbart. Je nach Geschäft beliefen sich die Beträge zwischen 570 und 1500 Euro und ergaben einen Gesamtbetrag von 4320 Euro. "Hätten wir gewusst, dass die Werbelaufzeit nicht gewährleistet ist, hätten wir diese Verträge nie abgeschlossen", betonen die Geschädigten übereinstimmend.

Dies sei nur im Vertrauen auf die Aussagen des Angeklagten geschehen, der auch gleich andere örtliche Geschäftsinhaber genannt hätte, die auch mitmachen würden. Als Bestätigung habe er dann auch das Bild einer Werbetafel vorgezeigt, auf der die genannten Firmen bereits angebracht gewesen seien, sagte ein Zeuge. Zudem habe alles unter einem enormen Zeitdruck stattgefunden und mit dem "sozialen Engagement" sei ein absolutes K.o.-Argument zum Einsatz gekommen.

Im Nachhinein betrachtet habe sich jedoch herausgestellt, dass das gemeinnützige Projekt nur eine clevere Geschäftsidee sei, die die Erwartungen der Sponsoren nicht erfüllt habe. Für weit weniger Geld hätte man in Eigeninitiative einen Defibrillator erwerben können, sagte ein Geschädigter, der sich auch darüber ärgerte, dass das lebensrettende Gerät, entgegen der ursprünglichen Zusage, im Innenbereich aufbewahrt werde und somit nur zu den Öffnungszeiten zugänglich sei.

Wie sich nach der Verhandlung herausstellte, war dem Angeklagten das Urteil erst nach Ablauf seiner Einspruchsfrist zugestellt worden. Er hat mittlerweile eine Anwältin beauftragt, die Angelegenheit ist nach Aussage der Richterin damit noch nicht rechtskräftig abgeschlossen.

ca/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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