Die Angst verhandelt mit

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Bildschön, aber abgeschlossen - vorerst gibt es im Wasserburger Amtsgericht aus Sicherheitsgründen keine Verhandlungen.

Wasserburg - "Im Moment ist es sehr, sehr schwierig, überhaupt den Betrieb aufrecht zu erhalten", sagt Helga Gold, die Direktorin des Amtsgerichtes Rosenheim, zuständig auch für Wasserburg.

Hier ist ab nächster Woche erstmal Sitzungspause. Die tödlichen Schüsse auf einen jungen Staatsanwalt in Dachau machen sich auch am Marienplatz in Wasserburg ganz direkt bemerkbar. Hier finden vorerst keine Verhandlungen mehr statt. Betonung auf vorerst, denn Sicherheitsgründe sind dafür ausschlaggebend.

Ludwig Schinkinger, der Geschäftsleiter des Amtsgerichtes Rosenheim mit seinen Außenstellen in Bad Aibling und Wasserburg, verweist auf die dünne Personaldecke. Würde überall verhandelt, bräuchte er acht Leute nur für die Sicherung der Verhandlungen - "und die acht Personen haben wir schlicht nicht". Besserung sei zwar in Aussicht gestellt - vermutlich eher durch private Sicherheitsdienste als durch Personalaufstockung - aber zum Zeitlichen traue er sich da gar nichts zu sagen.

Das tut auch Helga Gold, die Amtsgerichtsdirektorin nicht. Es seien zwar weitere Sicherheitsleute und Metalldetektoren angefordert, noch aber gebe es die nicht. Dafür aber weitere Gewaltandrohungen gegen die Justiz. "Ich habe hier viele junge Richterinnen und Richter mit kleinen Kindern, auch deswegen ist mir die Sicherheit enorm wichtig", so Helga Gold. Und die sei für Verhandlungen in dem weitgehend leerstehenden Gebäude in Wasserburg aufwendiger zu gewährleisten, als in Rosenheim. Deswegen habe man sich dafür entschieden, die beiden Wasserburger Verhandlungstage nach Rosenheim zu holen. Gestern waren die vorerst letzten Verhandlungen am Marienplatz angesetzt.

Dass in Bad Aibling weiterverhandelt werde, liege schlicht daran, dass die vier dortigen Verhandlungstage in Rosenheim nicht zu integrieren gewesen wären, so Helga Gold. Sie wisse um die Wasserburger Empfindlichkeiten, verstehe diese auch gut und sei sehr für Gleichbehandlung, in diesem Falle sei es aber so einfach organisatorisch leichter gewesen. Und sobald es möglich sei, so die Amtsgerichtsdirektorin, würden die Verhandlungen in Wasserburg wieder aufgenommen.

Ein gewisser Frust über die derzeitige Situation ist bei Helga Gold nicht zu überhören. Dass Richter und Staatsanwaltschaft den allgemeinen Ärger über die Gesetzgebung abbekommen, obwohl sie die Gesetze nicht machen, das lässt die Stimmung sinken. "Wir können doch nur mit den Gesetzen arbeiten, die wir haben", so Helga Gold, "aber die Atmosphäre ist derzeit ganz extrem aufgeladen. Bei uns allen liegen die Nerven blank. Deswegen das Sicherheitsbedürfnis. Unabhängig richten mit der Angst im Nacken, das geht nicht."

Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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