Anleger-Gier wirkte strafmildernd

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Rosenheim/Wasserburg - Bis zu 70 Prozent Rendite: Ein Bankkaufmann, der daran glaubte und dies auch Kunden glaubhaft machte, stand nun vor Gericht.

Bürger im nördlichen Landkreis waren bereits vor der Bankenkrise mehrmals Opfer von Anlagebetrügern. Selbst gestandene Bankkaufleute fielen auf einen Betrüger in Amerika herein, der sein Vertriebsnetz bis nach Europa ausgebaut hatte. Teil davon war der Angeklagte.

Der gelernte Bankkaufmann hatte sich als Immobilienmakler und Hypothekenvermittler selbstständig gemacht. Als er im Jahre 2006 mit dem amerikanischen Anlageangebot in Kontakt geriet, konnte er nicht widerstehen. Zu verlockend waren die Provisionen. Und erst die Dividenden: Bis zu 70 Prozent Ausschüttung wurde da versprochen und mittels getürkter Belege glaubhaft gemacht. Selbst die gesunde Skepsis eines Bankkaufmannes wurde so außer Kraft gesetzt.

Als der 34-Jährige im August 2007 feststellte, dass dieses Angebot womöglich doch betrügerisch sein könnte, stellte er den Handel damit ein und unterstützte sogar die Geprellten, zu denen er selbst auch gehörte, zu ihrem Recht zu kommen. Das gelang wohl. Allerdings kamen sie damit längst nicht zu ihrem Geld.

Damit war er zwar strafrechtlich wegen Betrugs nicht zu belangen. Aber dieses Geschäft lebt vom Vertrauen. Und das war dahin. Forderungen seiner ehemaligen Kunden fressen seine derzeitigen Einkünfte auf.

Und trotzdem musste er nun noch vor Gericht. Diese besondere Art des Geldgeschäftes bedarf nach dem Gesetz über das Kreditwesen einer speziellen Erlaubnis der Bundesanstalt für Kreditwesen. Und die hatte er nicht, was mit Strafe bedroht ist.

Der Verteidiger, Rechtsanwalt Jan Christoph Knappe, bemühte sich nachzuweisen, dass sein Mandant anwaltlichen Rat eingeholt habe, dabei auf diese notwendige Erlaubnis nicht hingewiesen worden sei und deshalb einem unvermeidbaren Verbotsirrtum erlegen sei. Dieses Argument konnte jedoch nicht greifen, weil der ehemalige Banker um die Voraussetzungen für derlei Geschäfte eher hätte Bescheid wissen müssen, als der befragte Rechtsanwalt.

Weil das Versäumnis jedoch als Fahrlässigkeit eingestuft werden konnte, wollte sich der Staatsanwalt mit 90 Tagessätzen zu 20 Euro zufrieden geben.

Der Verteidiger machte geltend, dass die Klienten seines Mandanten auch ohne diese spezielle Erlaubnis den amerikanischen Betrügern aufgesessen wären, dass sein Mandant auch nach Kräften bemüht sei, den entstandenen Schaden wieder gutzumachen, und dass sich dieses Verfahren ohne Schuld seines Mandanten nun schon über Jahre hinziehe.

Richterin Jacqueline Aßbichler, die das gleiche Verfahren im Juli des Jahres schon verhandelt hatte, wählte den Mittelweg: Der Angeklagte sei mit 70 Tagessätzen zu 15 Euro zu bestrafen: "Es ist auch zu berücksichtigen, dass die Geschädigten, wozu ja auch der Angeklagte gehört,- mit ihrer unvernünftigen Gier den zwielichtigen Geschäftemachern solche Betrügereien erst möglich machen."

au/Wasserburger-Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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