Annäherungsversuch endet vor Gericht

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Wasserburg - Im Zweifel für den Angeklagten entschied das Amtsgericht Wasserburg und sprach einen 37-Jährigen aus Wasserburg aus Mangel an Beweisen vom Vorwurf der unbefugten Nachstellung frei.

Aufgrund der Vielzahl von Zeugen musste die Hauptverhandlung vom 28. Mai unterbrochen und nun wieder neu verhandelt werden. Nachdem die Zeugenaussagen der ersten Verhandlung verlesen waren, konnten aber auch die sechs neuen Zeugen nicht viel Verwertbares zur Klärung der Anschuldigungen beitragen. Denn letztendlich hatte keiner der Zeugen die Nachstellungen des Angeklagten im Zeitraum von März bis August 2008 selber beobachtet.

Die Staatsanwaltschaft hatte dem gebürtigen Bosnier zur Last gelegt, seine 31-jährige Landsmännin und Arbeitskollegin gegen deren Willen mit ein- und zweideutigen sexuellen äußerungen direkt und mit SMS belästigt zu haben. Als Vorarbeiter habe er sie an ihrem Arbeitsplatz stundenlang angestarrt, mehrmals an Po und Busen berührt und sie habe oft seinen Atem in ihrem Nacken gespürt, gab die Arbeiterin in ihrer eidesstattlichen Erklärung an. Einmal habe er ihr zugeflüstert, dass er froh sei, dass er so ein weites Hemd trage, da die anderen sonst sehen könnten, wie erregt er sei, wurde die Frau, die als Nebenklägerin auftrat, zitiert.

Aufgrund einer psychosomatischen Erkrankung, die sie auf die Nachstellungen des Angeklagten zurückführt, konnte sie nicht an der Verhandlung teilnehmen. Die 16 gespeicherten SMS, die aus der bosnischen Landessprache übersetzt worden waren, waren nach Ansicht der Staatsanwältin teils nett, aber auch zweideutigen und schlüpfrigen Inhalts. In einer Antwort-SMS schrieb er, seiner "sei auch steif". Vor Gericht erklärte der verheiratete Bosnier, dass er damit seinen Nacken gemeint habe. Er bestritt jegliche Annäherungsversuche über das übliche Kollegenverhältnis hinaus. Dennoch lag dem Gericht eine SMS vor, in der er schrieb, dass er sich zwingen müsse, ihr nicht mehr zu schreiben, dass er aber immer für sie da sein werde.

Die Zeugenaussagen der Arbeitskolleginnen waren nicht sehr aussagekräftig. Sie konnten keine persönlichen Wahrnehmungen berichten, sondern nur Angaben vom Hörensagen machen. Sie schilderten ihre ehemalige Kollegin zum Teil als kühl und berechnend, zum Teil auch zu übertreibungen neigend und nach Mitleid heischend. Jedoch galt das Verhältnis der beiden Bosnier übereinstimmend als kollegial. Sie hätten oft miteinander Kaffee- und Raucherpausen gemacht und sich auf Bosnisch und Deutsch unterhalten. Betriebsrat und Vorgesetzte verfolgten die Anschuldigungen nach Gesprächen mit dem Angeklagten und der Nebenklägerin nicht weiter.

Der von der Geschädigten angestrebte Prozess vor dem Arbeitsgericht Rosenheim endete in einem Vergleich. Seit September 2008 ist die Bosnierin arbeitsunfähig und befindet sich in nervenärztlicher Behandlung. Aufgrund ihrer hohen Fehlzeiten 2007 und 2008 wurde ihr schließlich gekündigt.

Doch auch am Angeklagten ging das letzte Jahr nicht spurlos vorbei. Auch er befindet sich in nervenärztlicher Behandlung und leidet, nach eigener Aussage aufgrund der ganzen Vorfälle, an Depressionen.

Im Einvernehmen mit der Staatsanwaltschaft, der Nebenklage und der Verteidigung sah das Gericht den Tatnachweis nicht erbracht und sprach den Angeklagten frei.

ca/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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