Argentinisches Wochenende in Oberbayern

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Den "Piazzolla-Weg" eröffneten Bürgermeister Rupert Oberhuber, Matias Puga und Josef Huber (von links).

Eiselfing - Ein Gasthaus, in dem sich regelmäßig die Jugend zur Disco trifft, erfüllt von südamerikanischen Rhythmen: Drei Tage lang prägten Tangoklänge Alteiselfing.

Das argentinische Wochenende begann jedoch typisch bayerisch: mit einem kleinen Festakt und einem feierlichen Auftritt von Bürgermeister Rupert Oberhuber, der das Straßenschild "Piazzollaweg" enthüllte. Denn dass der Tango heute nicht nur in Argentinien, sondern auf der ganzen Welt so leidenschaftlich gerne getanzt wird, hat er dem Komponisten Astor Piazzolla zu verdanken - und seinem Lieblingsinstrument, dem Bandoneon.

Mit ihm schließt sich der Kreis nach Deutschland. Denn das Bandoneon, das an ein Akkordeon erinnert, jedoch eine andere melancholischere Klangfarbe "malt", ist im 19. Jahrhundert vom deutschen Musikalienhändler Heinrich Band erfunden worden, berichtete der Initiator des Festivals, Josef Huber, seinen Gästen bei der Eröffnung im Garten seines Elternhauses. Das hat er vor 25 Jahren verlassen, um sich in Berlin als Geigenbauer niederzulassen.

Spielte auf dem Bandoneon auf: Tango-Fan Josef Huber, begleitet von Kathrin Vogt.

Huber erging es wie seinem großen Vorbild, dem Argentinier Piazzolla: Obwohl beruflich der Geige verpflichtet, zog ihn privat das Bandoneon in den Bann, nachdem er im Rundfunk zum ersten Mal ein Konzert, das von Piazzollas Musik geprägt war, gehört hatte. Huber lernte, das Bandoneon, das "vier Welten" mit Auf- und Zuzug, Knopfdruck per rechter und linker Hand vereint, zu spielen - und Tango dazu zu tanzen.

Seine Tanzlehrerin, die Berlinerin Brigitta Winkler, gehört zu den wenigen deutschen Tangotänzern, die in der Szene weltweit bekannt sind. Sie gründete 1986 in Berlin eine der ersten deutschen Tangoschulen, trat als Ensemblemitglied in berühmten Shows weltweit auf, lehrt heute in Berlin und New York - und in Alteiselfing, wo Brigitta Winkler am Wochenende zwei Workshops für Anfänger und Fortgeschrittene im Gasthaus Lax anbot.

Über 30 Interessenten aus Oberbayern, aber auch Teilnehmer, die von weit her angereist waren, übten sich nicht nur im typischen Wiegeschritt, sondern auch in ihrer Kommunikation miteinander - für frisch Verliebte ebenso inspirierend wie für langjährige Paare, die über den Tanz wieder neue, verbindende Seiten entdeckten. "Der Tango gibt uns die Chance, als Frau und Mann miteinander auf eine ganz andere emotionale Art zu reden und uns in unseren Rollen neu zu entdecken", brachte Brigitta Winkler die Charakteristik des Tanzes auf den Punkt. Er bietet auch nach Überzeugung von Huber eine Vielzahl von Möglichkeiten, Gefühle zum Ausdruck zu bringen.

Den Tango beherrscht - natürlich - auch Matias Puga, der einzige in Eiselfing ansässige gebürtige Argentinier. Er verlas bei der Eröffnung des Festivals einen Gruß des argentinischen Botschafters in Deutschland, Victorio Taccetti. Dieser hatte einen begeisterten Brief an Huber und sein Bayerisch-Berliner Organisationsteam mit Traudi Hiedl, Andrea Mozzato, Paula Buchner und Eugen Maron geschrieben, in dem er seine Freude über das Denkmal mit Straßenschild für Astor Piazzolla in Alteiselfing Ausdruck verlieh.

In der Tat wird der argentinische Bandoneon-Spieler und Komponist, der ein bewegtes Leben lebte und heuer 90 Jahre alt geworden wäre, heute in seiner Heimat und weltweit als Wiederentdecker des Tangos sehr verehrt. Und mit ihm das Lieblingsinstrument des Tangos, das Bandoneon.

Es stand auch im Mittelpunkt dreier Konzerte im Gasthaus Lax, bei denen "Aires de Tango" aus München, "La Cabeza" aus Berlin und "Melancolibris" aus Graz aufspielten. Letzterer Bandname passt trefflich zur Tangomusik, gespielt auf dem Bandoneon: etwas melancholisch, doch nie traurig, leicht schwermütig, aber auch temperamentvoll und vor allem eins: sinnlich.

Heike Duczek (Wasserburger Zeitung)

Quelle: rosenheim24.de

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