Und immer siegt der freche Kasperl

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Katrin Schreiner liebt ihren kleinen Helden Kasperl und seine Gefährten, die auf ihrer Puppenbühne im Narrenkeller so manches Abenteuer zu bestehen haben.

Wasserburg - Fernsehserien für Windelträger, Computerspiele, die schon Kindergartenzwerge vor den PC locken: Das digitale Medienzeitalter hat längst den Nachwuchs erreicht.

Da mag es verwundern, dass das gute, alte Kasperltheater noch immer für glänzende Kinderaugen sorgt, wie die alle drei Wochen stattfindenden Aufführungen im Wasserburger Narrenkeller zeigen.

"Tratratrallala, tratratrallala!" Kaum hat der Kasperl seine lange rote Nase durch den Vorhang von Katrin Schreiners Puppenheater gesteckt, da schallen ihm schon begeistert jubelnde Kinderstimmen entgegen. "Schön, dass ihr alle da seid", begrüßt der handgroße Held mit der ebenfalls knallroten Zipfelmütze sein junges Publikum, das - je nach Temperament - begeistert klatscht, fröhliche Begrüßungsworte zurückruft oder noch etwas schüchtern die Augen gebannt auf den Kasperl richtet. 45 Minuten lang tobt der über die Bühne, begleitet von seinem vierbeinigen Freund "Lumpi", von Lederhosenträger Seppl und der bezopften Gretel und all den Figuren, die zu einem klassischen Kasperltheater gehören: der gütigen Großmutter, dem teuflischen Teufel, diversen Ungeheuern, Kobolden und Zwergen sowie lustigen sprechenden Tieren. Und auch die Kinder spielen mit: Sie dirigieren ihn durch seine Abenteuer, warnen ihn, wenn Gefahren lauern, singen, klatschen, sprechen mit. Kein Wunder, dass es dank dieser tatkräftigen Unterstützung in "Katis Kasperltheater" immer ein Happy end gibt.

Nach dem Finale verlassen die Puppen traditionell ihre Bühne und präsentieren sich an der Hand ihrer Spielerin: eine Chance für die Kinder, ihre Helden und Antihelden intensiv in Augenschein zu nehmen. "Bis zum nächsten Mal!" heißt es nicht selten, denn Katrin Schreiners Puppentheater im Narrenkeller hat viele Stammgäste, die kaum ein neues Stück verpassen.

"Unser Kasperltheater ist Kult!" freut sich Theaterleiter Jörg Herwegh über die ungebrochen positive Resonanz auf die etwa alle drei Wochen stattfindenden Aufführungen am Sonntagvormittag. Sie sind auch für viele Eltern ein Termin, den sie gerne wahrnehmen, wie die fröhlichen Gesichter der Erwachsenen immer wieder beweisen.

Katrin Schreiner kann gut nachvollziehen, dass Kasperltheater auch Erwachsene anspricht. Denn auch bei ihr sprang der Funke 2003 bei einem Besuch in einem Puppentheater über: "Ich glaube, dass ich als Erwachsene am lautesten gelacht habe damals", erinnert sie sich. Die Riederingerin stieg sogar für eineinhalb Jahre aus ihrem Beruf aus, um eine Ausbildung zur Puppenspielerin zu absolvieren. Ihr Kasperl trat Anfang 2004 beim Märchenfest in Burgkirchen zum ersten Mal auf - damals wie heute eine Familienangelegenheit: Schwester, Schwager, Mutter und Vater bauten die Bühne, schnitzten die Puppenköpfe, nähten die Kleider, bastelten Requisiten. Noch heute gibt Katrin Schreiner nur die Puppenköpfe bei einem professionellen Schnitzer in Auftrag.

Seit April 2004 öffnet sich regelmäßig im Wasserburger Narrenkeller der Vorhang. Die Stuhlreihen sind fast immer besetzt - ohne aufwändige Werbekampagnen. Natürlich gibt es Zeiten, in denen der Kasperl besonders angesagt ist: im Winter beispielsweise, wenn Katrin Schreiner ihre beliebten Festtagsstücke präsentiert. Auch heuer fehlte es nicht an Dramatik. Kasperl musste zuletzt sogar das Weihnachtsfest retten, weil das Christkind vom Teufel mit einem Schlafmittel außer Gefecht gesetzt worden war. Im neuen Jahr landet Kasperl außerdem auf dem Mond und reist in den Wilden Westen zu den Indianern.

Die Inspirationen für ihre Stücke kommen Katrin Schreiner in der Regel spontan. Mal lässt sie sich von Ideen für Figuren, mal von Requisiten, mal von Handlungssträngen leiten. Lange feilt sie danach an den Details. Puppen, Bühnenbild, Musik, Spannungsbogen: Nichts überlässt die 35-Jährige dem Zufall. Auch das eröffnende "Tratratrallala" hat einen Hintergrund. Es ist eine ehrende Erinnerung an ihren Puppenspiellehrer, der vom vertrauten "Tritratrallala" abgewichen war.

Geht der Vorhang auf, ist auch viel Improvisation gefragt. Denn ein richtiger Kasperl geht natürlich spontan auf Zurufe und Vorschläge der Kinder ein. Sehen kann sie ihre Gäste nicht, "doch die langjährige Erfahrung hilft, die Reaktionen richtig einzuschätzen", berichtet die Puppenspielerin. Als Kinderkrankenschwester in der Schön-Klinik Vogtareuth, wo sie auch als Krankenhaus-clown auftritt, kann sie sich gut in die Herzen von Mädchen und Buben im Alter zwischen drei und zehn Jahren hineinfühlen.

Wohltuend altmodisch entwickelt ihr Kasperltheater seinen Charme. Der Held mit der roten Zipfelmütze ist, wie es sich gehört, ein bisschen frech und vorlaut, steht aber immer auf der Seite der Guten. Gerne schlüpft Kathrin Schreiner jedoch auch in die Rollen der Bösen, die in der Regel ordentlich auftrumpfen, bevor sie von Kasperl und seinem Helferteam in die Schranken gewiesen werden. Prügel mit der Pritsche, wie früher üblich, gibt es bei Kathi nicht. "Das passt nicht mehr in die Welt der Kinder von heute", erklärt die Puppenspielerin. Sie verzichtet auch auf einen allzu erhobenen moralischen Zeigefinger. Natürlich gehe es in ihren Stücken um Werte wie Freundschaft, Zusammenhalt, Toleranz, "doch in erster Linie sind Kasperls Abenteuer bei mir einfach lustig."

Quelle: rosenheim24.de

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