Auch "Problemschüler" haben gute Chancen

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Wasserburg – Bei entsprechend intensiver Förderung haben auch sogenannte „Problemschüler“ gute Jobchancen. Dieses Fazit wird an der Hauptschule nach dem elften Jahr P-Klasse gezogen.

Die Schüler sind in den Ferien, Sozialpädagogin Claudia Fischer und Klassleiter Leonhard Perl werten die Fragebögen und Statistiken des vergangenen Jahres aus. Dass es erfolgreich war, wissen sie auch so: Alle zehn Schüler sind „versorgt“: Sieben haben einen Ausbildungsplatz erhalten, drei sind in einer Fördermaßnahme untergekommen.

Und es gab diesmal ein Novum: Alle P-Klassler haben auch den regulären Hauptschulabschluss geschafft, und der „wurde nicht hergeschenkt“, so Leonhard Perl, auch wenn die Prüfungen speziell für die P-Klassen ausgearbeitet wurden.

Das ist schon deshalb notwendig, weil es für dieses Einrichtung, die auch im elften Jahr noch als „Modell“ galt, keinen festen Lehrplan gibt. Gefährdete Jugendliche, die teilweise die Schule kaum mehr besucht haben oder dort nur mehr körperlich anwesend, weil längst vom Lernstoff abgehängt waren, soll die P-Klasse auffangen, mit individuellen Lernplänen fördern und durch intensive Praktika tauglich für das Berufsleben machen, so die Zielsetzung. Das sei auch diesmal vor allem durch die neun Wochen Praktikum bei verschiedenen Betrieben wieder gelungen, sind die beiden Betreuer überzeugt.

Nach elf Jahren habe sich im Wasserburger Raum ein gutes Netzwerk mit den Firmen entwickelt, so Claudia Fischer, die von Anfang an dabei war. Finanziell gefördert wurde das Projekt erneut durch den Europäischen Sozialfonds und die Stadt Wasserburg.

Wie in den Vorjahren ging es vor allem um zwei Ziele: Die Schüler wenigstens in den Hauptfächern Deutsch und Mathematik reif für die Berufsschule machen. Und vor allem die „Schlüsselqualifikationen“ trainieren.

Letzteres setze weit unten an, so die beiden Pädagogen. So sei regelmäßiger Schulbesuch manchmal schon ein Erfolg: Bei einer Schülerin wurden aus 36 Fehltagen im Jahr davor zwei in diesem. „Die verweigern erst einmal, wenn sie Angst haben, wenn es unangenehm werden könnte.“ Grundsätzlich müsse man daher „Erfolge wieder möglich machen“, um die häufig frustrierten Jugendlichen wieder zu motivieren, an einer Sache dran zu bleiben. Dann gehe es um Pünktlichkeit, Zusammenarbeit, auch mit Erwachsenen, aber auch so simple Dinge wie Kleidung: „Wer im Winter mit Marken-Turnschuhen und Jäckchen zum Betonieren beim Schulprojekt kommt, wird eben frieren - und sich für die nächste Arbeitsstelle besser anziehen", ist ist Leonhard Perl überzeugt.

Die Erfahrung bestätigt ihn: „Im Betrieb reißen sich die meisten sehr zusammen“, so Claudia Fischer. Das zeige sich auch darin, dass alle sieben Lehrstellen in den Praktikumsfirmen sind.

Andere, vor allem menschliche Qualitäten wurden im vergangenen Jahr beispielsweise bei einem Gruppentraining im Waldseilgarten angesprochen: gegenseitige Unterstützung beispielsweise. Dazu kamen wieder gemeinsame Unternehmungen, von der Berufsinformation bis zu Ausstellung und Kirchenbesuch: „Wer sich anständig benimmt, kann eigentlich überall hin“ – das sei für viele Schüler eine neue Erfahrung gewesen, so Perl.

Er wird auch im kommenden Jahr die P-Klasse leiten, zu der bis jetzt 13 Schüler angemeldet sind – wieder aus dem ganzen nördlichen Landkreis Rosenheim, für den Wasserburg die einzige P-Klasse hat – und erstmals auch eine sogenannte P+-Klasse: Die Jugendlichen können damit zwei Jahre gefördert werden, wenn notwenig also schon ab der achten Klasse kommen.

Vom Lernstoff her verändere sich da nichts, so Perl: „Wir setzen regelmäßig beim Sechstklass-Niveau an. Anders ginge es gar nicht.“ Dass der Lehrer damit richtig liegt, zeigen auch die Auswertungsbögen des Jahres. Das sei „ein voller Erfolg“ gewesen, bescheinigen darauf immerhin fünf Schüler, und auch die anderen geben den Pädagogen ziemlich gute Noten.

Karl Königbauer (Wasserburger Zeitung)

 

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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