279 Akten im Stadtarchiv zeigen, wie schwierig die Brennstoffversorgung teilweise war

Als es auch Weihnachten kalt blieb

Wasserburg - Unabhängig davon, dass es heuer draußen eher frühlingshaft war: Zu Weihnachten ist es drinnen fast überall wohlig warm und kaum jemand muss sich sorgen, zu frieren.

Das war nicht immer so. In Krisenzeiten, beispielsweise während des Ersten Weltkrieges, in den wirtschaftlichen Notzeiten der Weimarer Republik sowie während und nach dem Zweiten Weltkrieg waren Brennmaterialien zum Heizen sehr knapp.

Nicht nur der Heizvorgang selbst war damals viel umständlicher und die Öfen mussten manuell betrieben werden. Auch war nicht immer sichergestellt, dass überhaupt genügend Brennmaterial in der Stadt Wasserburg verfügbar war. Die Verwaltung musste eine gerechte Regelung organisieren, auch ärmere Mitbürger mussten mit Heizmaterialien versorgt werden.

Es verwundert daher nicht, dass diese wichtige Aufgabe der Umverteilung der knappen Kohlen- und Holzressourcen mehrere Stellen der Stadtverwaltung beschäftigte, und ein eigener Ausschuss, der Ortsfürsorgeausschuss, dafür eingerichtet war, über die Versorgung Bedürftiger mit Heiz- und Brennmaterialien zu entscheiden.

Vom 19. Jahrhundert bis 1949 sind allein 279 Akten im Stadtarchiv vorhanden, welche die Aufgaben der öffentlichen Fürsorge widerspiegeln. Diese sind oftmals durch die Verteilung von Sachmitteln an die bedürftige Bevölkerung geprägt.

Die Akten dokumentieren die nach außen gerichtete Tätigkeit der Stadt, welche dazu diente, die Versorgung der Bevölkerung im Einzelfall und insgesamt verbessern zu wollen. Doch auch verwaltungsintern musste es gut organisiert und frühzeitig geplant sein, für den Winter genügend Brennmaterialien zur Verfügung zu haben. Denn während der Krisenzeiten kann die Stadt selbst als "Bedürftige" bezeichnet werden, die alle Wege und Mittel ausschöpfen musste, die Vorräte, beispielsweise an Holz, frühzeitig für den kommenden Winter aufzufüllen.

Wie umfangreich und schwierig dies sein konnte, macht wiederum die Vielzahl der Verwaltungsakten deutlich. Zur Holzbewirtschaftung, Kohleversorgung, Heiz- und Brennmaterialbevorratung sind über 60 Archivalien aus den Krisenzeiten der ersten Hälfte des 20 Jahrhunderts im Stadtarchiv erhalten geblieben.

Zugespitzt hat sich das natürlich besonders in Kriegszeiten. Aus einer Akte des Stadtarchivs Wasserburg wird deutlich, dass die Holzversorgung der Stadt für den Winter 1945 nicht mehr sichergestellt werden konnte. Durch das "Fehlen jeglicher Kohlenzufuhr" war bereits im Sommer absehbar, dass im Winter hauptsächlich mit Holz geheizt werden musste. Im Juli 1945 wurde die Stadt daher vom Landrat mehrfach aufgefordert, alle Möglichkeiten der Brennholzversorgung zur Deckung des Bedarfs der Bevölkerung auszuschöpfen.

Mit dem Holz aus den städtischen Waldungen konnte die Stadt die eigenen Verwaltungsgebäude beheizen, jedoch nicht den Bedarf der Zivilbevölkerung decken. Diese war aufgefordert, durch rechtzeitige "Selbstgewinnung von Brennholz, Sammeln von Leseholz und Tannenzapfen" den eigenen Bedarf zu decken. Diese "Selbstgewinnung von Brennholz" in den Staatswaldungen war nicht nur genehmigt, das Forstamt unterstützte sie sogar.

re/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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