Außen Nässe, innen Frieden

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Tanzen, auch im Schlamm: Das Wetter war nicht immer festivalfreundlich.

Pfaffing - Eine Ort voller Gegensätze und keineswegs langweilig: Das war das siebte Kannibalen-Massaker in Pfaffing. Die Besucherzahlen waren wieder gut.

Die Besucherzahl des viertägigen Festivals hat sich mittlerweile bei gut 2000 eingependelt - trotz der eher ungemütlichen Witterung.

Etwas abseits gelegen in einem kleinen Wald bei Hilgen haben "Akira" Christoph Storfinger und "Kannibale" Markus Müller wieder ein Festival auf die Beine gestellt, von dem eine klare Botschaft ausgehen soll: Toleranz und gegenseitiger Respekt. Beide Seiten, damit meinen die Veranstalter sich und vor allem Nachbarn und die Gemeindeverwaltung, hätten dazugelernt. Denn in der Vergangenheit habe es Reibereien gegeben. Das habe man nun offenbar im Griff. Dass es schwer sei, so eine Veranstaltung mit ihren bunten Gestalten in die bayerische Heimat zu holen, war den beiden klar. Sie sehen das als ihre Aufgabe an.

Das Festival hat zweifellos seinen Reiz: In der Natur, angenehme Düfte von Räucherkerzen, gesundes Essen wie Crepes, Schupfnudeln, und Bio-Gemüse, friedliche Menschen. Vor allem aber eine Musik, die sich für den Unbeleckten vielleicht anhört wie eine Tonstörung, aber den, der sich darauf einlassen kann, durchaus zum Blick nach innen ermutigt. Sie soll helfen, die Gedanken zu fokussieren, was noch keinem geschadet hat.

Weil es auch eine Welt abseits des Materialismus gibt, hieß das heurige Thema "Der Tanz ums goldene Kalb". Das drehte über der Tanzfläche seine Runden und "soll zum Geben animieren", wünscht sich der "Kannibale" - so wie damals die Juden ihre Schätze zusammengeworfen haben, um das Kalb zu schaffen.

Viele DJs mit klingenden Namen wie Spectralis, Reject Nail, Spacefreak oder Tommes und Chefkoch griffen die Stimmung auf, verstärkten und lenkten sie mit ihrer Musikauswahl. Die Szene an sich ist nicht neu wie beispielsweise die Band Embryo zeigt, die es mit ihrer Weltmusik seit mehr als 40 Jahren gibt und die mit anderen Bands und Musikern auf einer extra Bühne spielte.

Unterschiedliche Menschen zusammenzubringen, Blasmusik auf mythologische Weltanschauung treffen zu lassen, das ist es, was sich "Akira" Christoph Storfinger wünscht. Man nehme mehr von der "Mutter Erde", als jedem Menschen zustehen könne, und suche deshalb die Verbindung zu Gaia, der personifizierten "Erde" aus der griechischen Mythologie. Denn angesichts Umweltzerstörung durch dauerndes Wachstum könne das stets kurze materielle Glück nicht alles sein.

Wege aus diesem Dilemma konnten die Besucher in Workshops für "musikalische Bewusstwerdung", "Heilender Tanz", Rückbesinnung auf innere Kräfte oder Malen zur Entspannung suchen. Weil aber nicht jeder heraus kann aus seiner Haut, legten viele Besucher einen Spagat hin: Auf der einen Seite tanzen im Schlamm oder in Schwitzhütten bis zur Trance, wohltuendes Lagerfeuer spüren, Geschichten und Mythen hören, Gleichgesinnte kennenlernen, die friedliche und aufbauende Energie der Gemeinsamkeit spüren. Ab Montag dann wieder der Berufsalltag auf der anderen Seite.

Oberstes Gebot war auch auf diesem Festival die absolute Friedfertigkeit und vor allem Mitfühlen und Hinschauen. Niemand blieb in seinem Rausch, den es hier wie bei jeder Party gibt, einfach liegen. Es dauert nicht lange, dann wird er wachgerüttelt und zu seinem Zelt begleitet. Die Helfer in der Sanitätsstation hatten jedenfalls nicht viel zu tun. Schnittverletzungen waren die größte Arbeitsquelle.

kg/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: Region Wasserburg

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser