"Können Altlasten in den Inn rutschen?"

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Rund 100 Interessierte kamen am Freitag nach Odelsham zur Kiesgrube der Firma Zosseder, wo die geplante Deponie K I gebaut werden soll.

Babensham - Die geplante Deponie in Odelsham bewegt die Gemüter der Bürger. Auf zahlreiches Interesse stieß daher eine Infoveranstaltung vor Ort.

Nach der Bürgerversammlung der Stadt Wasserburg zur geplanten Deponie in Odelsham im Wasserburger Rathaus Anfang des Monats mit einem Experten vom Landesamt für Umweltschutz, nun eine Infoveranstaltung in der Kiesgrube vor Ort mit einem Deponie-Planungsexperten am Freitag mit rund 100 Leuten. Fragen und Bedenken waren ähnlich denen in Wasserburg.

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Dieses Mal radelten, wanderten oder fuhren die Wasserburger zur Informationsversammlung zur Kiesgrube zwischen B304 und der Straße von Odelsham Richtung Inn. Der Grund gehört Simon Zosseder, Geschäftsfüher der Firma Zosseder und Antragsteller der Deponie, der zu dieser Veranstaltung eingeladen hatte, "um zu informieren, Fragen zu beantworten und auch Dinge richtigzustellen". Es gebe, so Zosseder, nicht so viele Deponien, derzeit fahre man Eternit in den Osten, anderes ins Allgäu oder nach Baden-Württemberg. Deshalb der Antrag für die DK I hier, "dabei werde ich mich hüten, etwas zu machen, dass in zehn Jahren alle Leute mit dem Finger auf mich zeigen". Und: "Das meiste Material fällt bei unseren Baustellen im Landkreis Rosenheim und den angrenzenden an. Wir erzeugen den Abfall nicht".

Beauftragt mit der Planung hat Zosseder ein Büro in Karlsruhe, Planer Johann Roth war nach Babensham gekommen. Viele Punkte erläuterte er in seinen Ausführungen, so den Standort, der gut sei wegen der geologischen Situation, weil es hier bereits Abbau gebe, man nicht rohden müsse, die Entsorgung gut sei. Rigips und Beton könne man nicht einfach wegwerfen, in einer Deponie der Klasse II werde das Material nicht genommen, es bleibe die I für wenig belastetes Material. Er erklärte den Deponieaufbau, die Regelung für die Sickerwässer, dass kein Gas entstünde, da nur Anorganisches abgeliefert werde, und die Rekultivierung. Er erläuterte die strengen Kontrollen für asbesthaltiges Material in den Bigbags, zeigte die Ergebnisse der Gutachten für das, was bliebe, nämlich Staub und Lärm, deren Irrelevanz man nachgewiesen haben. "Kurz vor der Bagatellgrenze" sei das Ergebnis für Staub und Lärm. Und, so Johann Roth, die Sicherheitsleistungen seien für Zosseder dinglich mit Geldern gesichert, was Kommunen nicht müssten.

Die vielen Fragen beantworteten Johann Roth und Florian Wissmann, Mitarbeiter im Bereich Altlastenmanagement bei der Firma Zosseder. Die Vorbehalte und Bedenken der Interessierten vor Ort zur Deponie dürften danach nicht wirklich weniger geworden sein.

Wie man sicher stellen wolle, dass die Altlasten nicht in den Inn rutschen. Die Standortsicherheit sei nachgewiesen, "abrutschen ist nicht möglich", so Johann Roth. Wenn die Stadt mit dem Anschluss an die Kläranlage nicht einverstanden sei, was SPD und Ausschussgemeinschaft beantragen und was in der nächsten Stadtratssitzung am kommenden Donnerstag Thema sein wird, für den Deponieplaner ist das keine Problem, weil auch als Oberwasser abgeleitet werden könne.

Ob denn der Bedarf wirklich vorhanden sei für eine Deponie K I, wer garantiere, dass nicht Abfall aus Italien oder Griechenland nach Babensham gekarrt werde, Fragen, die schon bei der Bürgerversammlung in Wasserburg gestellt wurden wie auch wieder beim Vororttermin. Und wieder verwiesen Planer und Altlastenmanager auf den mittel- und langfristig vorhandenen Bedarf, auch für die Region 18, dass das Material zum größten Teil aus dem Einzugsgebiet der Firma Zosseder komme, sie verwiesen auf die zahlreichen Überwachungen intern und extern, auf festgeschriebene Werte, die eingehalten werden müssen und die "niemals schlechter werden, im Gegenteil", so Roth.

Die Sorge, dass der Verkehr zunehmen werde, könne man verstehen, es kämen aber nicht mehr Fahrzeuge als jetzt, "allerdings müssen sie sich an ihre Wege halten. Wenn sie andere fahren, muss das unterbunden werden", so Florian Missmann.

Zum Thema Straßenanbindung, vor allem zum Rückweg auf der parallel zur B 304 verlaufenden landwirt- und forstwirtchaftlichen Straße Richtung Babensham, der, so die Einwände, viel zu schmal sei und von Radlern gerne genutzt würde, verweist Missmann darauf, dass die Firma Zosseder dafür eine Sondernutzungsberechtigung habe. Seit eineinhalb Jahren werde Kies heraus- und Material hineingefahren, "Beschwerden gab es bis jetzt nicht".

Die klare Antwort auf die Nachfrage der Redaktion, was passiere, wenn nun Babensham heute seine Zustimmung zur geplanten Deponie kippt und Wassserburg am Donnerstag eine Ableitung in ihre Kläranlage verbiete: "Wir warten jetzt den Erörterungstermin der Regierung von Oberbayern ab. Wenn sie, die Genehmigungsbehörde sagt, dass alles rechtmäßig ist, werden wir bauen".

vo/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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