Stellungnahme der Bürgerinitiative zum Interview mit Zosseder-Ingenieur

DK1-Deponie: Zosseder vs. Bürgerinitiative

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Babensham - Am Sonntag fallen in einem Rats- und einem Bürgerbegehren die ersten Entscheidungen beim Thema DK1-Deponie in Babensham. Die Bürgerinitiative "Wasserburger Land" widerspricht jetzt zahlreichen Aussagen der Firma Zosseder:

In einem ausführlichen Interview mit der Wasserburger Zeitung hat Ingenieur Florian Missmann den Standpunkt und die Pläne der Firma Zosseder dargelegt und begründet, warum es die DK1-Deponie in Babensham braucht. Gegenüber wasserburg24.de widerspricht nun Günther Kleitsch, Vertreter des Bürgerbegehrens und Mitglied der Bürgerinitiative "Wasserburger Land", bestimmten Aussagen Missmanns und es steht Aussage gegen Aussage. Konkret geht es um folgende Punkte:

Bedarf einer DK1-Deponie im Raum Rosenheim nicht gegeben?

Zum einen hieß es im Interview von Seiten des Ingenieurs zur Frage des Bedarfs einer Deponie, es gebe "schon jetzt zu wenig Kapazitäten". Demnach käme es laut Missmann zwischen 2020 und 2025 regional zu Engpässen. "Wir müssten überhaupt Deponien bauen", so die klare Aussage Missmanns. 

Günther Kleitsch hingegen verweist auf die Antragsunterlagen der Firma Zosseder, in denen kein nachvollziehbarer Bedarfsnachweis aufgeführt sei. Im Gegensatz dazu werde in den offiziellen Veröffentlichungen des Landesamts für Umwelt seit Jahren eine ausreichende Versorgung mit DK1-Deponien bescheinigt

Geplante Einlagerungsmenge zu hoch angesetzt?

Im Interview mit der Wasserburger Zeitung spricht Missmann von einer jährlichen Einlagerungsmenge von rund 65.000 Tonnen, "das wären circa elf bis zwölf Lkw-Ladungen pro Tag", so Missmann. 

Eine solch große Menge übertreffe laut Kleitsch allerdings die Menge an Einlagerungen sämtlicher DK1- und DK2-Deponien in ganz Oberbayern um mehr als das Doppelte. Das gehe aus der Abfallbilanz vom Landesamt für Umwelt hervor, in der für alle oberbayerischen Deponien von einer E inlagerungsmenge von circa 25.000 Tonnen pro Jahr ausgegangen wird. "Im Landkreis Rosenheim können demnach keine solch hohen Abfallmengen anfallen", so Kleitsch. Der Vertreter des Bürgerbegehrens befürchte daher auch, dass die Firma Zosseder überregionale Abfälle in der DK1-Deponie Odelsham lagern könnte.

Kleitsch gibt zudem zu bedenken, dass der Betreiber der DK1-Deponie in Neuötting erst kürzlich gegenüber dem Oberbayerischen Volksblatt bestätigt habe, dass die dortige Deponie die notwendigen Kapazitäten und auch den Willen habe, den regionalen Bedarf zu decken. 

Lagern Gefahrenstoffe in der DK1-Deponie? 

Die große Innbrücke, das Wasserburger Klärwerk und die Kiesgrube, deren Fläche die Grundfläche der Deponie werden soll. Der Gemeindeweg ist rot markiert. 

Stefan Missmann betonte gegenüber der Wasserburger Zeitung, dass es sich bei den einzulagernden Stoffen in der DK1-Deponie lediglich um "gewisse mineralische Abfälle wie leicht belasteten Aushub, Bauschutt, Ziegel und Beton mit teerhaltigem Anstrich" handle. 

Welche Stoffe die Firma Zosseder in der DK1-Deponie Odelsham tatsächlich einzulagern plant, könne laut Günter Kleitsch für jedermann überprüfbar den Antragsunterlagen der Firma Zosseder entnommen werden: "Dreizehn der beantragten Abfallschlüsselnummern enthalten sogenannte Gefahrenstoffe, die erwiesenermaßen erbgutverändernd, krebserregend, fruchtbarkeitsschädigend und umweltschädlich sind. Neben Asbest sind das vor allem Kohle-Teer-Gemische, Schwermetalle, Herbizide oder belastete Schlacke." Kleitsch weiter: "Bei den Stoffen ist es jedes Mal wieder ein Kampf um Begrifflichkeiten, wir bewegen uns da in einer Grauzone. Unter Bauschutt fallen eben zum Beispiel auch Asbest-Platten, die nachweislich krebserregend und gesundheitsschädlich sind."

Zum Thema Einlagerung von Asbest äußerte sich Missmann von der Firma Zosseder allerdings wie folgt: "Ein Risiko besteht, wenn das asbesthaltige Eternit an Gebäuden wie Wohnhäusern, Kindergärten und Schulen verbaut ist und der Witterung ausgesetzt ist. Bei ordnungsgemäßer Verpackung in Big-Bags und kontrollierter Einlagerung und täglicher Überdeckung in der Deponie, wie vorgeschrieben, ist ein Risiko auszuschließen. Das zeigen auch Gutachten zu diesem Thema."

Kleitsch gibt hier noch einen weiteren Punkt zu bedenken: "Der Firma Zosseder stet es laut Regierung von Oberbayern nach einer Genehmigung der Deponie als privater Betreiber frei, jederzeit noch weitere Abfallarten beantragen zu dürfen und die Deponie nachträglich immer weiter zu vergrößern."

Wurden Fakten über das Deponie-Projekt in dem Interview übergangen? 

In den Aussagen des Ingenieurs der Firma Zosseder würden laut Günter Kleitsch wichtige Aspekte des Projekts gar nicht erwähnt: So gehe die Nachsorge der Deponie nach 30 Jahren gänzlich auf die öffentliche Hand über - sprich, auf den Steuerzahler. Außerdem stelle die derzeitige Planung nicht das Ende dieses Projekts dar. 

Auch zum Bürgerbegehren der Bürgerinitiative "Wasserburger Land", dem das Ratsbegehren gegenüber steht, wollte sich Missmann in dem Interview nicht äußern: "Das ist alleine Sache der Gemeinde Babensham."

Auszählung der Stimmen am kommenden Sonntag

Bis zum 4. Dezember können die Babenshamer noch per Briefwahl entscheiden, ob sie das Bürgerbegehren „Keine Deponie in Babensham“ unterstützen und damit an den Gemeinderat appellieren, alles politisch und rechtlich Mögliche zu tun, um die Deponie zu verhindern. Dem Bürgerbegehren steht das Ratsbegehren "Kein Asbest in die geplante Deponie Babensham/Odelsham" gegenüber. Die Gemeinde würde "alle Möglichkeiten nutzen, um im Falle einer Genehmigung der geplanten Deponie, auf welche die Gemeinde keinen Einfluss hat, die Einlagerung von asbesthaltigen Abfallstoffen vertraglich auszuschließen."

Nach Ansicht der Bürgerinitiative liege hier aber genau die Crux: Für den Verzicht auf Einlagerung von Asbest in Odelsham verlange die Firma Zosseder die Überlassung eines Gemeindeweges und der Genehmigung der geplanten Deponie stehe nichts mehr im Wege, heißt es von Seiten der Bürgerinitiative. 

Kleitsch wird im Gespräch mit wasserburg24.de konkreter: "Der wichtige Gemeindeweg, den die Firma Zosseder jahrelang überplant, aber nicht als Fremdgrundstück angezeigt hat, soll aufgekauft werden." Der Weg stelle ein Hindernis für die Entwurfspläne der Firma Zosseder dar. Kleitsch weiter: "2012, 2015 und 2016 wurde schon beschlossen, dass keine Grundstücke in der Gemeinde Babensham für den Deponie-Bau verkauft werden. Dennoch wird jetzt mit der Firma Zosseder über den wichtigen Feldweg verhandelt. Wir wollen, dass die Beschlüsse bestehen bleiben und kämpfen weiter. Der Widerstand wird nicht geringer - egal wie der Entscheid am Sonntag ausgeht." 

mb

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