Grafitti-Schmiererei "Corona" an italienischem Restaurant in Penzing

"Idiotische Aktion" - Inhaber von L'Osteria da Christian geschockt 

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Christian Fusaro, Inhaber der L'Osteria da Christian am Penzinger See, äußert sich zu den Grafitti-Schmierereien an der Einganstür zu seinem italienischen Restaurant zwischen Babensham und Wasserburg. 

Babensham/Penzing - Die Verbreitung des Coronavirus beherrscht Medien, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Gerade in Krisenzeiten sollte man jetzt den Humor nicht verlieren. Doch was der italienische Gastronom Christian Fusaro am Samstagmorgen an der Eingangstür seines Restaurants  L'Osteria da Christian vorgefunden hat, fand er ganz und gar nicht witzig. 

"Im ersten Moment war ich geschockt, als ich das gesehen habe. So etwas zu machen in einer solchen Ausnahmesituation, von der die ganze Welt betroffen ist, das ist eine idiotische Aktion", äußert sich Christian Fusaro, Inhaber der L'Osteria da Christian am Penzinger See. 


In der Nacht auf Samstag, 14. März 2020, besprühten Unbekannte die Einganstür des italienischen Restaurants mit dem Grafitti-Schriftzug "Corona". Christian Fusaro hat den Vorfall der Polizei gemeldet, Anzeige erstattet

Zeugen haben sich bisher keine gemeldet, Nachfragen des Gastronoms bei Nachbarn in Penzing blieben erfolglos. "Keiner hat in der Nacht was auffälliges gesehen", schildert Fusaro, der die Schmiererei inzwischen hat überstreichen lassen. 


Unterstützung und Reaktionen trafen "direkt ins Herz"  

Nur weil die Zahl der Neuinfektionen in Italien mit Corona rasant ansteigt, sei das kein Grund, sich zu solchen Taten verleiten zu lassen. "Was soll ich dazu sagen? Ich finde keine Worte für sowas Dummes. Das Virus betrifft uns alle - gerade jetzt sollten wir zusammenstehen und zusammenhalten", betont der Gastronom. Er sei sogar bereit, dem oder den Tätern zu verzeihen: "Ich habe kein Problem damit, wenn er sich meldet und sich für das Ganze entschuldigt."  

Nachdem Christian Fusaro die Schmiererei auf der Facebook-Seite seines Restaurants geteilt hat, verbreitete sich die Nachricht innerhalb kürzester Zeit, wurde dutzende Male geteilt: Die Kommentare sprachen eine eindeutige Sprache, was dem Gastronom Mut zusprach: "Wie meine Kundschaft und Bekannten reagiert haben, war beeindruckend. Der Zuspruch und die Unterstützung, die vielen Nachrichten - das traf mich direkt ins Herz." 

Das Restaurant zwischen Babensham und Wasserburg hat sich über die vergangenen Jahre am Penzinger See etabliert - gerade im Sommer kommen viele nach dem Baden, um sich mit einer Pizza oder einem Tiramisu zu stärken. Nun aber weiß der Inhaber nicht, wie lange er noch bedienen kann und darf. "Aktuell kommen zwar noch Gäste, gerade am vergangenen Wochenende war es sehr voll. Aber wir merken seit wenigen Tagen einen gewissen Rückgang an Reservierungen. Größere Gruppen wie Geburtstagsgesellschaften oder Firmungs- und Kommunionsfeiern haben abgesagt." 

"Wir Gastronomen haben Angst" 

Betroffen von der wirtschaftlichen Misere, die sich durch das Virus anbahnt sind auch Christians drei Geschwister, die ebenfalls in der Gastronomie in der Region tätig sind: Zwei Restaurants befinden sich in der Wasserburger Altstadt, die dritte Adresse ist in Mühldorf

Christian Fusaro erklärt, man hege innerhalb der Familie sorgenvolle Gedanken, wie es jetzt weitergeht: "Wir verfolgen natürlich die Medien und halten uns an Vorgaben der Regierung - ich bin sicher, dass uns die Einschränkung der Öffnungszeiten für Restaurants bald treffen wird. Wirtschaftlich gesehen ist das eine Katastrophe. Wir Gastronomen haben Angst." 

Und auch menschlich gehe die aktuelle Lage an die Substanz: Die Familie hat Verwandschaft in Norditalien, bekommt via Telefon oder Facetime mit, wie sich die Menschen in Italien fühlen. "Die Situation dort ist nicht schön", konstatiert Christian mit gesenktem Kopf. Uns geht es damit nicht gut. Es ist schlimm zu sehen wie das Virus von Italien aus zu uns nach Deutschland kommt. Ich erlebe das quasi doppelt. Deutschland ist zwar ein starkes Land mit einem guten und funktionierenden Gesundheitssystem - beruhigt bin ich trotzdem nicht."  

Optimismus und Hoffnung, das legt Christian Fusaro dennoch weiter an den Tag: "Ich hoffe, dass die Lage sich wieder bessert und Normalität einkehrt, alle gesund bleiben oder es wieder werden. Ich wünsche mir, dass die Leute bald wieder Freude am öffentlichen Leben haben und die Lebensfreude zurückkehrt." 

mb

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