Verschuldet sich Babensham zu schnell?

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Josef Huber ist gern in Babensham daheim
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Babensham - Der Ort zeichnet sich durch die landwirtschaftliche Prägung und die ländliche Umgebung aus. Manche Projekte werden heiß diskutiert. Wir haben Bürgermeister Huber getroffen:

Wasserburg ist sehr dicht bebaut, die benachbarte Gemeinde Babensham gilt als dünnbesiedelste Gemeinde im gesamten Landkreis. Eine der Größten wenn es um die Fläche gehe, so das Gemeindeoberhaupt Josef Huber weiter, betrage die Ost-West-Ausdehnung von Babensham doch stolze 22 Kilometer.

80 Ortsteile zählt das hiesige Gebiet, jeder hat seinen eigenen Charme und seine gewisse Struktur. Diese Weitläufigkeit ist es, die nach Meinung von Huber, Babensham so liebens- und natürlich lebenswert macht.

Die Grüne Lunge von Wasserburg

Natürlich sind auch viele wunderschöne Ecken im Gemeindegebiet vorhanden, die einem Bilderbuch entspringen könnten. Penzinger See oder an der Wies, wo man glauben könne, die Welt höre hier auf. Auch die Innleiten, die zum Areal der Babenshamer gehören, haben etwas Besonderes. Beim Gespräch wurde klar, dass sich Josef Huber hier voll und ganz zuhause fühlt. Doch er kann auch deutlich sachlicher.

Eigeninitiative brachte vieles ins Rollen

Bürgermeister Huber zählt zufrieden die vielen Projekte auf, die Babensham freilich viel Geld gekostet hätten, jedoch dem Bürger Zugute gekommen seien. Viele Diskussionen gab es zwecks einzelner Projekte und deren Nutzen. Doch locker lassen, gilt nicht: „Bereits vor Jahrzehnten hatte man die bald fertiggestellte, kreuzungsfreie Anbindung zur B 304 bauen sollen. Jetzt wurde endlich nachgebessert. Somit ist auch das Gemeindegebiet Babensham mit einer wichtigen Ausfahrtstraße in der Region verbunden“.

In Sachen ortseigene Umgehung hat bereits vor 30 Jahren die Planung begonnen. Eine Ausführung scheiterte stets an finanziellen Möglichkeiten des Freistaats, bemerkt das Gemeindeoberhaupt: „Weitere Wartejahre wollten wir aber nicht mehr hinnehmen. Die Bauträgerschaft übernahm kurzerhand die Gemeinde selbst, auch ein Großteil der Kosten blieb bei uns hängen. Der Freistaat gab Zuschüsse“ berichtet Huber.

Unvorhergesehene Sachen

Eingeplant sei es nicht gewesen, doch mittlerweile sei es zu einer guten Investition herangereift, wie weitere Informationen aus dem Rathaus belegen: Der Erwerb des Fiedlergebäudes. Kindergrippe, Mittagsbetreuung, Büroräume, und integrierte Vereinsräume. Gut genutzt und äußerst zentral. Derzeit sind noch 2000 Quadratmeter frei. Doch das Gebäude gilt als bestandsgesichert. Die laufenden Kosten für den Leerstand blieben minimal, doch die Gemeinde schaue sic h um einen Pächter um, wird berichtet.

Umstrittene Entscheidungen

Braucht eine ländlich orientierte Gemeinde wie Babensham einen Mehrgenerationengarten? Huber findet, es passe perfekt. „Wir konnten einen Treffpunkt für Jung und Alt schaffen. Die Kosten sind etwas höher ausgefallen als geplant. Doch die Leader-Förderung brachte einen hohen Zuschuss. Ausgegangen ist dieses Projekt vom Rückbau der Kläranlage. Hier sollte etwas nützliches, bürgerfreundliches entstehen. Mittlerweile wird der Mehrgenerationengarten hervorragend angenommen. Kegelbahn, Wasserspielplatz, Fitnessgeräte, Backofen. Alles auf einem Fleck. Letztens gab es wieder Brotbackkurse, die sehr gut besucht wurden. Es entstand sogar ein Haus, das zugegeben, ursprünglich gar nicht geplant war“. Somit stünde Familien ein großer Raum etwa für Kindergeburtstage zur Verfügung, erzählt Josef Huber noch. Kneippbecken mit negativem Effekt Das integrierte Kneippbecken findet nur wenig Anklang. Einmal selbst probiert, spürt man den Grund hierfür schnell: Das charmante Naturkneippbecken ist in das Bachelement eingebettet. Doch der Bach bringt viel Geschiebe in Form von Ästen und Steinen mit sich. Wenig ideal für den eigentlich doch so bereichernden Gesundheitseffekt. Fantasien weiter vorhanden Der Bürgermeister schwärmt vom Mehrgenerationengarten und den noch vorhandenen Möglichkeiten. „Ausbaufähig wäre das Amphitheater. Kulturelle Maßnahmen sind in Planung. Die Flohmärkte, die letztens veranstaltet wurden, kamen gut an. Ende November wird im Bereich des Mehrgenerationengartens ein Adventsmarkt stattfinden“.

Millionen für den Dreck

Seit 12 Jahren beschäftigt sich Huber nun schon mit dem Thema der Abwasserentsorgung im Außenbereich. Die nächsten zwei bis drei Jahre wird sich die Gemeinde mit diesem haushaltsraubenden Projekt noch beschäftigen müssen. 10 Millionen hat das Vorhaben bis dato gekostet, 4 Millionen Euro Investition könnten bis zum Abschluss noch hinzukommen. „Die Belastung für den Haushalt ist enorm. Lediglich Penzing und Babensham selbst waren bislang abwassertechnisch angeschlossen, der Rest musste eigenentsorgen. Ein Abwasserkonzept brachte Lösungsvorschläge. Zunächst kam nachvollziehbarer Widerstand der Bürger, weil jeder Haushalt auch zur Kasse gebeten wurde. Nun ist das Konzept geschlossen, obwohl nicht alle Ortsteile angeschlossen werden können“. Dies gestalte sich extrem schwierig, weil eine komplette Anschlussmöglichkeit gar nicht realisierbar sei, kristallisiert sich schnell aus dem Gespräch im Rathaus heraus. Einzelne Ortsteile bleiben somit Selbstentsorger.

Das liebe Geld

Bis vor zwei Jahren lag die „Pro Kopf Verschuldung“ weit unter dem Landesdurchschnitt. Lediglich 200 Euro pro Kopf ist aus den Listen ersichtlich. Das hat sich rasant geändert. Aktuell seien es 700 Euro pro Kopf Verschuldung in der Gemeinde Babensham, zeigt der Rathauschef. Ausgehend von vor zwei Jahren ein enormer Anstieg. Doch die vielen Projekte für die Bürgerinnen und Bürger waren die Euros wert, ist sich Huber sicher. Babensham bleibt attraktiv und lebt von den Naturschönheiten im Ort.

Quelle: rosenheim24.de

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