Kramerladen Schachtner bei Babensham ist Vergangenheit

Nach 148 Jahren ist Schluss: "Ein Tropfen Wehmut schwingt schon mit" 

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Peter und Resi Schachtner betrieben 35 Jahre lang den Kramerladen Schachtner in St. Leonhard am Buchart bei Babensham. 

Babensham - Der kleine Kramerladen Schachtner in St. Leonhard am Buchart ist Vergangenheit. wasserburg24.de hat mit den Besitzern geredet und mehr über die Hintergründe sowie die Geschichte des fast 150 Jahre alten Kramerladens erfahren. 

"Ein Tropfen Wehmut schwingt im Moment schon noch mit", gibt Peter Schachtner zu und lässt den Blick in Richtung des alten Gebäudes an der Straße schweifen. 35 Jahre lang haben er und seine Frau Resi den Kramerladen Schachtner direkt an der sogenannten "Bauernautobahn", der Verbindungsstrecke zwischen Wasserburg und Mühldorf, geführt. 


Nun ist Schluss: Zum Jahresende entschieden sich die Schachtners aufzuhören und in den Ruhestand zu gehen. Resi Schachtner hat als Hausfrau nebenher im Laden gearbeitet, Ehemann Peter war hauptberuflich Schreiner. "Dennoch hatten wir jeden Tag geöffnet. Mir tut es schon leid, dass die Ära des Kramerladens Schachtner nun zu Ende ist", betont die 61-Jährige. "Es ist jetzt nichts mehr da, wo man sich spontan einmal trifft oder austauschen kann. Die Kundschaft, die zu uns kam, kannte sich auch untereinander und stand nach dem Einkauf noch auf einen Plausch zusammen. Das ist vorbei."

Wandel der Zeit und Bonpflicht Todesstoß für Kramerladen 

Ein Grund für das Aus sei der Wandel der Zeit: Kramerladen sind aus der Mode gekommen und wurden immer mehr von den größeren Märkten verdrängt. Gerade auf dem Land eine Herausforderung, solch kleine Laden am Leben zu halten. Fixkosten wie Strom steigen und am Ende rentiert sich das Geschäft nicht mehr. So ging es zahlreichen "Tante-Emma-Läden", die nach und nach aufgaben. Nun traf es auch die Schachtners. 


"Wir wussten, in vier oder fünf Jahren wäre ohnehin Schluss gewesen. Von den Kindern hat keiner Interesse den Laden weiterzuführen und auch die Kundschaft wurde weniger. Die ganz alten Leute sind inzwischen verstorben und die jungen besitzen alle ein Auto und fahren zwischen Job, Freizeit und Familie eher zum Discounter oder Supermarkt. Bei uns haben sie oft nur das gekauft, was sie in der alltäglichen Hektik vergessen hatten", erläutert Resi. Ein weiterer Grund, so ergänzt ihr 64-jähriger Mann, sei die Bonpflicht, die zum 1. Januar 2020 eingeführt wurde

148 Jahre Kramerladen Schachtner

Der Kramerladen Schachtner hat eine lange Geschichte: 1871 gründeten die Urgroßeltern Peter Schachtners den Kramerladen, nachdem sie das Haus vom Wirt von St. Leonhard erwarben. 1947 übernahmen die Eltern von Peter den Laden und erweiterten das Geschäft um einen Fahrrad- und Mopedhandel samt Reparaturwerkstatt

In den 60er-Jahren boomte das Geschäft und der Kramerladen führte alles Mögliche: Von Unter- zu Bettwäsche, Wolle und Kurzwaren wie Knöpfe oder Manschetten und Reißverschlüssen bis hin zu Geschirr und Striegel für die Kühe und Pferde. 

"An den St. Leonhardi-Ritten verkauften meine Eltern durchs Fenster Würstl an die Zuschauer, da war ich etwa fünf Jahre alt", erinnert sich Peter und seine Frau Resi ergänzt: "Von 1960 bis 1970 gab es dort auch einen Tankstellenbetrieb. Da war draußen ein Knopf, an dem man läuten musste, damit jemand kommt und einen bedient." 

Der Kramerladen Schachtner in St. Leonhard am Buchart bei Babensham. 

Das Ehepaar übernahm den rund 19 Quadratmeter großen Laden 1984 und verkaufte in erster Linie Lebensmittel: Konserven, Wurst und Backwaren. Eine Postfiliale wurde ebenfalls von den Leuten angenommen. Dankbar seien auch die Lastwagenfahrer gewesen, die direkt an der Straße für eine Brotzeit einen Stopp bei den Schachtners einlegen konnten, erinnert sich Resi. 

"Skandal um Resi (und Peter)"

Zum Abschied erhielten die Schachtners eine besondere Überraschung: "Eine Kundin trommelte eine Gruppe treue Kundschaft zusammen und eineinhalb Stunden vor Ladenschluss am 31. Dezember 2019 sangen sie uns ein Lied", erzählt Peter mit einem Lächeln im Gesicht. Die Umwandlung des Spider-Murphy-Songs "Skandal um Rosi" in "Skandal in Leahardn um Resi (und Peter)" habe ihn ganz besonders gefreut.

"Mia wünschen euch jetzt recht vui Glück, schauts gerne auf die Zeit zurück, und mia werdn aa no traurig sei, des Zuasperrn is net einerlei" - lautet eine Textzeile am Ende des Liedes, das Peter sehr berührt hat. 

Was nun mit dem Kramerladen geschieht, darauf will sich das Ehepaar nicht festlegen und Peter bringt es auf den Punkt: "Man weiß nie, was die Zeit bringt. Fürs erste genießen wir jetzt die freie Zeit und den Ruhestand."

mb

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