Thrombose: Ärzte sind in der Zwickmühle

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Testverfahren zum Thromboserisiko
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Rosenheim - Nach einer stationären Behandlung mit anschließender Bettlägrigkeit kämpft ein Rosenheimer mit den Folgen. Eine tiefe Beinvenenthrombose schränkt den Sportler beträchtlich ein.

Eigentlich soll die Blutgerinnung im menschlichen Körper ein Schutzmechanismus sein. Bei einer Verletzung sorgen die Blutplättchen dafür, dass die Wunde verschlossen wird und heilen kann. Ein Prozess, der für das Überleben absolut notwendig ist. Doch dieser Vorgang kann in Ausnahmesituationen ins genaue Gegenteil umschlagen und zu sogenannten Thrombosen, Gefäßverschlüssen, führen.

So wie im Fall des Rosenheimers Jean W. Der leidenschaftliche Sportler hatte im Jahr 2010 einen schweren Motorrad-Unfall, bei dem er sich einen Hüftbruch und schwere Prellungen zuzog. Nach der regulären Behandlung traten bei dem 46-Jährigen jedoch immer noch Schmerzen auf. Die sogenannte Schmerzstörung wurde danach in einer Klinik behandelt. Aufgrund einer anhaltenden Bettlägrigkeit kam es im Fall des Rosenheimers zuerst zu einer Wadenthrombose. "Ich bin Sportler, ich kenne meinen Körper", erklärt Jean W., er habe sofort gemerkt, dass in seinem Bein etwas nicht stimmte. Der Fuß lief schließlich blau an und verursachte unerträgliche Schmerzen.

Kompressionsstrumpf zur besseren Durchblutung

Im folgenden wurde die Thrombose im Krankenhaus behandelt. Eine chirurgische Entfernung des Pfropfens kommt nur in ganz seltenen Fällen zum Einsatz, die traditionelle Therapie findet auf medikamentöser Basis und mit Hilfe von Kompressionsstrümpfen statt. Durch den Druck der Strümpfe soll der Blutkreislauf angeregt und besonders in den tiefen Venen der Blutstrom beschleunigt werden. Die Medikamente sollen dazu die Blutgerinnung hemmen, um zu verhindern, dass das Blutgerinsel weiter wächst.

Ein Thrombose-Strumpf soll die Durchblutung fördern.

Nach der Behandlung der Thrombose wurde Jean W. weiter wegen seiner anhaltenden Schmerzstörung behandelt. Dazu wurde in einem anderen Krankenhaus in der Region eine Lumbalpunktion vorgenommen. Im Zuge der Behandlung wurde der Blutverdünner "Marcumar" dann abgesetzt. Nach dem Eingriff wurde dem Patienten jedoch keine Prohylaxe und auch kein neues, blutverdünnendes Medikament verschrieben. Jean W. verbrachte darauf hin weitere 10 Tage im Bett, bis er erneut Schmerzen in seinem rechten Bein verspürte. Zurück in seiner ursprünglichen Klinik, wurde dann erneut eine Thrombose festgestellt. Diesmal zog sich der Rosenheimer jedoch eine tiefe Beinvenenthrombose in der Vena femoralis zu. Diese soll, laut Angabe des Rosenheimers bereits kurz vor einer Lungenembolie  gestanden haben. Erst nach der Diagnose wurde dem Patienten wieder ein blutverdünnendes Mittel verschrieben.

Blutungsrisiko zu hoch

Bereits nach wenigen Minuten ist eine Verfärbung erkennbar.

Prof. Dr. Markus Pihusch, Mediziner auf dem Gebiet der Hämatologie (Blut und blutbildende Organe) und Hämostaseologie (Blutgerinnung und deren Störung), kennt die Antwort auf die vermeintliche Frage, warum dem Patienten nicht durchgängig Blutverdünner verschrieben wurden. Laut einer Auskunft des Rosenheimer Arztes und Dozenten sei wahrscheinlich das Risiko, eine weitere Thrombose zu erleiden geringer, als das zu erwartende Blutungsrisiko. Bei Patienten, die eine längere Zeit mit blutverdünnenden Medikamenten behandelt wurden, kann eine einfache Verletzung bereits zu starken Blutungen führen, ähnlich der Bluterkrankheit. "Dass es zu einer fortschreitenden Thrombose kam, kann vor diesem Hintergrund ein tragischer Zufall gewesen sein", so Prof. Dr. Markus Pihusch. Weiter gäbe es eine Vielzahl an Risikofaktoren, lediglich eine bereits erlittene Thrombose reiche dabei nicht aus, den Patienten gleich als Risikopatienten einzustufen.  

Von Seiten der behandelnden Klinik, beruft man sich zu Einzelheiten im Fall auf die ärztliche Schweigepflicht. Der Vorgang werde im Moment vor der Bayerischen Ärztekammer durch unabhängige Gutachter geprüft. Wie aus einem Schreiben hervorgehe, kommen diese jedoch auch nicht zu dem Schluss, dass es sich bei Jean W. um einen Behandlungsfehler handelte.     

Quelle: rosenheim24.de

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