Badria-Verluste fressen alle Gewinne

+

Wasserburg - Strom-Großkunden sind abgesprungen, die Besucherzahl im Badria geht weiter zurück - ein leichtes Jahr steht den Stadtwerken nicht bevor.

"Es ist ein schwieriger Markt, der immer schwieriger wird", kommentierte Bürgermeister Michael Kölbl die Zahlen des Wirtschaftsplanes der Stadtwerke, die Brigitte Lex und Hans Maier in Vertretung des erkrankten Werkleiters im Stadtrat vorgestellt hatten.

So sinkt zum Beispiel die Stromabgabe von gut 60 Gigawattstunden auf rund 37 Gigawattstunden, weil Großkunden von den Stadtwerken zu anderen Anbietern abwanderten. Dadurch fehlen voraussichtlich etwa 2,2 Millionen Euro beim Stromverkauf. Was allerdings dadurch gemildert wird, dass die Stadtwerke weniger Strom einkaufen müssen und da etwa 1,2 Millionen Euro weniger ausgeben und dass die Einnahmen bei der Netzdurchleitungsgebühr aufgrund der wesentlich höheren durchgeleiteten Strommenge um etwa 400.000 Euro steigen. Und auch die Stromsteuer sinkt wegen der geringeren verkauften Strommenge voraussichtlich um etwa 300.000 Euro.

Beim Wasserverkauf gehen die Stadtwerke von 1,1 Millionen Kubikmeter aus, wie auch schon in den Vorjahren. Eingenommen werden dadurch etwa 1,2 Millionen Euro. Relativ stabil im Vergleich zum Vorjahr bleiben auch die Nebengeschäfte wie Gas- und Wasserkooperationen oder Bau und Unterhalt von Straßenbeleuchtung. 330.000 Euro stehen da als Erlös im Wirtschaftsplan, 2009 waren es 310.000 Euro.

Die Besucherzahlen des Badria werden voraussichtlich weiter sinken, so Brigitte Lex. Was, so Kölbl, allerdings ein genereller Trend ist, kein spezifisch wasserburgerischer. Knapp 170.000 zahlende Badegäste waren es 2009, dazu rund 27.000 Kleinkinder, die freien Eintritt haben, und knapp 33.000 Saunabesucher. Für 2010 sind gut 150.000 Badbesucher, knapp 26.000 Kleinkinder und gut 31.000 Saunagäste angesetzt. Die Stadtwerke gehen von einem Umsatzrückgang von etwa 50.000 Euro auf 1,08 Millionen aus.

An Investitionen stehen beim E-Werk heuer knapp drei Millionen Euro auf dem Plan. Davon kommen, wie berichtet, 2,5 Millionen als Eigenkapitalerhöhung aus dem Stadthaushalt. Damit soll den Stadtwerken die Möglichkeit gegeben werden, sich an einem Kraftwerk zu beteiligen. Auslöser dafür war der - letztlich gescheiterte - Versuch der Inn-Anrainer, die Kraftwerke entlang des Flusses von Eon zu kaufen. An welchem Kraftwerk sich die Stadtwerke beteiligen, sei offen, so Kölbl. Mit einer derartigen Beteiligung, so die Hoffnung aller Beteiligten, sei mitelfristig eine "schwarze Null" bei den Stadtwerken möglich.

Was sie derzeit nicht ist, denn zwar machen sowohl das E-Werk (Netz und Vertrieb) als auch das Wasserwerk Gewinn, insgesamt sind 2010 rund 930.000 Euro angesetzt, dazu kommen die gut 200.000 Euro Einnahmen aus den Nebengeschäften. Das wird aber alles durch das Defizit des Badria von knapp 1,5 Millionen Euro geschluckt, sodass die Stadtwerke zum Jahresende ein voraussichtliches Minus von rund 350.000 Euro zu verzeichnen haben. Wobei der Bürgermeister daran erinnerte, dass das tatsächliche Ergebnis meist etwas besser ausfalle als es der Wirtschaftsplan vorsah.

Das Defizit des Badria war dann auch Schwerpunkt der Stellungnahmen zum Badria. Der Bürgermeister sah das Badria insgesamt gut aufgestellt, Einsparpotenziale seien, zum Beispiel beim Energieverbrauch, weitestgehend genutzt worden. Wenn das Badria aber ein Familienbad mit bezahlbaren Preisen bleiben solle, dann bleibe immer ein strukturelles Defizit von mindestens einer Million Euro.

Dieses Defizit betrachtete Adil Oyan (Ausschussgemeinschaft) differenziert: Dazu trügen unter anderem die Sporthalle für den Schul- und Vereinssport bei, viele Schulen kommen zum Schwimmunterreicht ins Badria, die Halle wird auch für Konzerte, Bälle und andere kulturelle oder gesellschaftliche Veranstaltungen genutzt. "Die 1,5 Millionen beinhalten all diese Kosten, die wir auch dann hätten, wenn wir kein öffentliches Bad betreiben würden", so Oyan, der damit auf Zustimmung quer durch die Fraktionen stieß.

Oyan und Werkreferent Helmut Schedel (SPD) waren sich einig in ihrer Skepsis, dass die Eigenkapitalerhöhung zur Kraftwerksbeteiligung mittelfristig für eine schwarze Null reichen werde. Beide gingen - im Gegensatz zum Bürgermeister - davon aus, dass auch künftig die Stadt den Stadtwerken Geld zuschießen muss. Gerade auch wegen des Badria.

Otto Zwiefelhofer (CSU) regte an, genauer zu untersuchen, warum die Besucherzahlen im Badria zurückgehen und Oyan fände eine Besuchererfassung mit Postleitzahlen interessant um dem Badria-Einzugsbereich herauszufinden.

Von allen Fraktionen und vom Bürgermeister gab es Lob für Brigitte Lex und Hans Maier, die den Wirtschaftsplan fertig- und vorgestellt hatten, aber auch für den erkrankten Werkleiter, der die Voraussetzungen dafür schuf.

syl/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: Region Wasserburg

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser