Als die Bauern politisch wurden

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Wasserburg - Ein besonders interessantes Kapitel aus der bayerischen Landesgeschichte stand als letzte Vortragsveranstaltung vor dem Beginn der Sommerfahrten auf dem Programm des Heimatvereins.

Hans Hinterberger aus Soyen sprach zum Thema "Der Bayerische Bauernbund als bäuerliche Oppositionspartei 1893 bis 1933 - Das flache Land wird politisch". Den etwas spärlichen Besuch führte Vorsitzender Dr. Geiger bei der Begrüßung darauf zurück, dass gerade jüngeren Leuten die damalige Problematik einfach nicht mehr bekannt sei, obwohl es sich hierbei um eine fundamentale Demokratisierungsbewegung gehandelt habe.

Lebendig und anschaulich beschrieb Hans Hinterberger die Situation der Bayern, die um die 1880er Jahre für die Landwirtschaft durch wirtschaftliche Stagnation geprägt war. Politisch gab es in München immer liberale Regierungen. Auf dem Land dominierte die Zentrumspartei, die durch Klerus und Adel geprägt war. Religiöse und wirtschaftliche Dinge wurden vor die Interessen der bayerischen Bauern gestellt.

So kam es 1893 in Straubing zur Gründung des "Bundes der niederbayerischen Landwirte und Gewerbetreibenden" als politische Partei, mit dem Ziel, eigene Leute ins Parlament zu bringen. Es folgten dann weitere Gründungen in den verschiedenen Gebieten Bayerns. Freilich gab es untereinander heftigen Streit bis sich endlich alle im Bayerischen Bauernbund zusammenfanden. In Konkurrenz stand der Bund dabei stets mit dem "Christlichen Bauernverein" des Dr. Georg Heim, der den bäuerlich-linken Flügel innerhalb des Zentrums vertrat.

Eingehend befasste sich der Referent mit den führenden Persönlichkeiten des Bayerischen Bauernbundes, die er auch im Bild vorstellte. Eine besondere Rolle spielte der gemäßigte Georg Eisenberger aus Ruhpolding, der von 1901 bis 1930 Vorsitzender war und dessen Persönlichkeit auch im Werk Ludwig Thomas ihre Spiegelung fand. Bekannt ist, dass er als Reichstagsabgeordneter Josef Goebbels derb abblitzen ließ, als der ihn veranlassen wollte, mit den Nationalsozialisten gegen eine Brüning'sche Gesetzesvorlage zu stimmen. (Ein Nachkomme Eisenbergers war übrigens bei dem Vortrag in Wasserburg anwesend). Karl Gandorfer, linksradikales Bundmitglied aus der Nähe von Straubing, spielte bei der Revolution 1918 eine wichtige Rolle in Verbindung mit Eisner. Professor Anton Fehr dagegen wurde als Fachmann vom Bauernbund zugezogen und war von 1924 bis 1930 bayerischer Landwirtschaftsminister.

Das Ende kam nach der Machtübernahme als sich der Bauernbund am 26. März 1933 hinter die nationale Einigung stellte. Am 11. April erklärte man gegenüber dem damaligen Innenminister Adolf Wagner, dass man ab sofort die Parteiagitation einstellen werde.

Zum Abschluss seines fundierten und informativen Vortrags fasste Hans Hinterberger die Verdienste des Bauernbundes zusammen. Er nannte die optimale Gewährleistung der Oppositionsfunktion für den Einzug von Bauern ins Parlament, die Beseitigung von Resten des Feudalismus, die Schaffung eines Landwirtschaftsministeriums und schließlich die politische Emanzipation der Bauernschaft. Wegen dieser Leistungen sollte man, trotz aller Radikalität, den Bund wertschätzen: "Das kann einem besser gefallen als die heutige Politikverdrossenheit", so Hinterberger.

ski/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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