Beim Kegeln hört der Spaß auf

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Sogar zwei Kegelbahnen hatte der Förderverein zuletzt in Aussicht: Neben der in Vaterstetten auch die von St. Christoph (Foto), die allerdings aus den 50er-Jahren stammt.

Amerang - Die Kegelbahn war früher der Ort bodenständiger Dorf-Belustigung. Im Fall des Bauernhausmuseums allerdings ist das Thema alles andere als heiter - es ist ein Streit zwischen Museumsleitung und Förderverein ausgebrochen:

Der Konflikt um eine Kegelbahn hat einen Keil zwischen Museumsleitung und Förderverein getrieben.

"Äußerst unerfreulich" sei die Tätigkeit des Fördervereins im letzten Jahr gewesen: Der Vorsitzende Dr. Otto Helwig kam beim Jahresbericht gleich direkt zur Sache. Nach jahrelangem Bemühen habe man im Herbst eine historische Kegelbahn aufgetrieben - und in der Folge feststellen müssen, dass die Museumsleitung "gar keine will und uns jahrelang hingehalten hat."

Die Ursprünge des Kegelbahn-Konfliktes liegen schon weit zurück, nämlich vor dem Jahr 2004. Damals hatte Kreisheimatpfleger Ferdinand Steffan den Bezirk als Träger der gemeinsam geleiteten Museen Glentleiten und Amerang, auf die Kegelbahn mit Salettl und Eiskeller in Staudham bei Wasserburg aufmerksam gemacht. Die stand seinerzeit kurz vor dem Abriss. Tatsächlich setzte sich das Museum ein, baute das Ensemble kurzfristig ab - und stellte es zum Entsetzen des Ameranger Fördervereins in Glentleiten auf. Begründung damals: Zu groß für Amerang, keine personellen Ressourcen zum Aufbau.

In Amerang selbst gewann man damals den Eindruck, eben nur ein "Zweigmuseum" zu sein, offiziell für den Bereich von Denkmälern aus Südostoberbayern. Aber wenn sich dort ein echtes Schmankerl auftue, das außerdem gut nach Glentleiten passe, werde das schon mal "über Nacht" entführt, so der massiv verärgerte Vorstand.

Trotzdem blieb man in den Folgejahren loyal, meldete allerdings regelmäßig den Wunsch nach der Kegelbahn an. Die würde das Ameranger Angebot deutlich beleben, so die Begründung, der in Glentleiten niemand widersprechen konnte, hatte man doch seinerzeit genau damit die Bedeutung für Glentleiten begründet.

Der Wunsch aus Amerang blieb aber unerfüllt, und im Oktober letzten Jahres ergriff der Verein schließlich die Eigeninitiative: Ferdinand Steffan wurde auf eine nette kleine Kegelbahn etwa von 1900 aufmerksam, die in Vaterstetten wegen eines Baugebietes dringend abgebaut werden musste. Sie wäre günstig zu haben gewesen, was man der gemeinsamen Museumschefin Dr. Monika Kania-Schütz mitteilte. Zurück kam eine geharnischte Antwort: Über Ankauf von Objekten und Weiterentwicklung des Museums entscheide immer noch die Museumsleitung und nicht der Förderverein. Der habe mit der nicht abgesprochenen Aktion seine Befugnisse weit überschritten.

Anschließend gab es einen teils deftigen Briefwechsel und sogar ein Gespräch mit dem Bezirkstagspräsidenten Josef Mederer - aus Ameranger Perspektive ohne Ergebnis. Die Vaterstettener Kegelbahn und auch eine weitere aus St. Christoph seien "aus verschiedenen Gründen leider nicht ins Museumsgelände integrierbar", so Mederer anschließend in einem Schreiben, "der Wunsch lässt sich ... nicht realisieren."

Belegt wird dies vor allem mit einem Gutachten der Landesstelle für nichtstaatliche Museen in Bayern. Das verweist darauf, dass eine isolierte Kegelbahn ohne Gastronomie konzeptionell nicht verfolgenswert sei. "Man denkt in Museen längst in historisch korrekten Ensembles, nicht mehr in Einzelobjekten wie zu Beginn in Amerang 1977", so Dr. Kania-Schütz. Eine Kegelbahn könnte beispielsweise unter dem Thema "Gastronomie im Dorf" laufen oder unter "Stadt-Land-Beziehung", wie es die Landesstelle für das Vaterstettener Objekt vorschlug, wo die Kegelbahn Teil des Sommerhauses eines reichen Münchners war. Doch für so ein neues Gesamtensemble sei einfach kein Platz mehr in Amerang, so das Gutachten. "Und es gibt vordringlichere Projekte dort, beispielsweise einen barrierefreien Ausstellungsraum", stellt Dr. Monika Kania-Schütz klar

Jedes Jahr 10.000 Euro

Der "Förderverein Bauernhausmuseum Amerang" hat derzeit 584 Mitglieder, Tendenz steigend. Er fördert das Museum mit rund 10.000 Euro für spezielle Projekte, Ausstellungen oder beispielsweise den Audioguide. Derzeit hat der Verein rund 66.000 Euro Guthaben. Für den Mitgliedsbeitrag von 12 bzw. 20 Euro (Familien) gibt es unter anderem freien Museumseintritt und ein Jahrbuch der Bezirksmuseen. Anlaufstelle des Vereins ist das Museum, www.bhm-amerang.de

Absolut vorgeschoben seien diese Begründungen, ist dagegen der Förderverein überzeugt, und verlangt einen pragmatischen Kompromiss zwischen Wissenschaftlichkeit und Volkswunsch: "Dieses Museum ist aus einer Bürgerinitiative entstanden", erinnerte beispielsweise Hans Stöttner, Vorstandmitglied und ehemaliger Bezirksrat bei der Versammlung: "Wenn's am Platz liegt oder wissenschaftliche Gründe hat, hätte man uns das schon vor zehn Jahren sagen können. Aber da wurde uns noch ein Ersatz für Staudham versprochen." Amerangs Bürgermeister Gust Voit hatte einfach Angst, dass sich Museum und Bevölkerung immer weiter voneinander entfernen könnten. "Sie schimpfen auf das Wasmeier-Museum. Aber das hat Zulauf", spitzte Dr. Helwig seine Kritik an Dr. Kania-Schütz und ihrem Wissenschaftlichkeitsverständnis zu: "Warum arbeiten sie nicht mit ein bisschen Gespür für die Leute hier."

Die so Gescholtene kann sich das alles gar nicht recht erklären. Man habe doch in den vergangenen Jahren schon so viel gemeinsam für die Attraktivitätssteigerung des Ameranger Museums erreicht. Warum der Förderverein jetzt alles auf die Kegelbahn einenge, sei ihr nicht verständlich: "Wir wollen doch alle für das Museum nur das Beste."

Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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