Schützenscheibenkunst aus den Anfangszeiten des Kirchdorfer Schützenvereins

Befreit von über 130 Jahre alter Wirtshauspatina

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Wie läuft das Leben 1976? Das ist eines der Themen (links) der alten Scheiben aus den 70er-Jahren des 19. Jahrhunderts, die aber auch von der damaligen Währungsumstellung erzählen. Heute haben wir auch Mark und Pfennig nicht mehr, und zum Schießen wird immer noch nicht geflogen, allerdings mit dem Auto gefahren.

Kirchdorf - Die Wirtsstube des Gasthauses Grainer erhielt im Spätsommer dieses Jahres neue Farben. Aber nach getaner Arbeit sah man, dass auf den Scheiben nichts mehr zu erkennen war.

Seit zig Jahren hingen die fünf Scheiben aus den Jahren 1875 und 1776 an den Wänden und die Wirtshauspatina lag dick auf den historischen Scheiben. Dem Schützenmeister Erich Eisenberger wurde es ganz bang um die alten Stücke. Durch ein nachbarschaftliches Gespräch und einem Besuch in der Wirtsstube zeichnete sich dann eine Lösung ab. Die Kirchdorfer Kunsthandwerkerin Gisela- Maria Reinhardt begann mit Reinigungsarbeiten und die erste Scheibe machte Mut: Nach einigen Wochen war ein amüsantes, gut gemaltes Motiv mit fliegenden Schützen zu sehen.

Schützenmeister Eisenberger hatte seine Freude und nun haben die fünf 30 Zentimeter großen Scheiben neuen Glanz. Zwei Scheiben haben die damalige Währungsumstellung zum Thema - vom Gulden zur Mark. Zwei Scheiben zeigen einfache Schützenmotive mit Landschaft.

Gegründet wurde der Kirchdorfer Schützenverein am 29. September 1874. Gründungs- und Vereinslokal war und blieb bis zum heutigen Tag der Gasthof Grainer. Gründungsmitglieder waren Johann Friesinger, Georg Eder, Peregrin Grainer, Josef Hundschell, Johann Zirnbauer und Max Zirnbauer, bis auf zwei Ausnahmen waren sie Veteranen des deutsch-französischen Krieges von 1870/71 und wollten ihr erlerntes "Schießhandwerk" zu friedlichen und sportlichen Zwecken fortsetzen. Man weiß aus den Anfangszeiten, dass der Erste Schützenmeister Johann Friesinger war und der Kassier der Wirt Peregrin Grainer. Die Überlieferungen aus den ersten Jahrzehnten des Vereinslebens sind dünn, entweder weil sie verloren gingen oder man es nicht notwendig fand etwas aufzuschreiben. Aber das Kassenbuch reicht zurück zum Jahr 1893 und so weiß man, dass sich 19 Jahre nach Vereinsgründung der Mitgliederstand auf zwölf Männer verdoppelt hatte. Die Aufnahmegebühr kostete 1 Mark und 70 Pfennig und der monatliche Mitgliederbeitrag 2Mark und 10 Pfennig. gmr/Wasserburger-Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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