Beim Gärtnern Wurzeln schlagen

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So könnte es im Sommer schon grünen im Interkulturellen Garten in der Burgau. Das Bild zeigt eines der Motive der Karten, mit deren Kauf das Projekt unterstützt werden kann.

Wasserburg - Wurzeln schlagen im doppelten Sinn: Das ist das Ziel der "Interkulturellen Gärten", die es schon in ganz Deutschland gibt. Auch in Wasserburg soll ab Frühjahr gegärtnert werden.

Die Idee ist einfach: Migranten und Einheimische sollen eine größere Gartenfläche bewirtschaften können - Jede/r seine eigene Parzelle, gemeinsam in einer Anlage. Über die Erfahrung beim Boden bearbeiten, pflanzen und ernten sollen die Verbindungen zum Wohnort verstärkt werden. In Wasserburg wird die Anlage nun am Rande der Nördlichen Burgau entstehen, die Trägerschaft des Projektes hat "Rio konkret" übernommen.

Renate Mayer ist in ihrem Leben selbst oft umgezogen, vor vier Jahren kam sie dann nach Wasserburg und suchte sich hier ein neues Lebensumfeld. Diese Erfahrung und ihre Ausbildung im land- und hauswirtschaftlichen Bereich brachten sie auf die Idee eines Interkulturellen Gartens, bei Rio konkret und anderen Unterstützern fand sie damit Anklang.

So gibt es schon in der Vorbereitungsphase eine kleine "Vernetzung" von Vereinen, Einrichtungen und Projekten, die das Gärtnern unterstützen wollen: Volkshochschule, Mehrgenerationenhaus, Interkultureller Freundschaftsverein, dazu sollen auch die Gartenbauberater und -vereine eingebunden werden.

Zu den entscheidenden Unterstützern gehört auch die Stadt. Der Hauptausschuss hat einstimmig beschlossen, eine größere Fläche kostenlos zur Verfügung zu stellen und sogar für einen Wasseranschluss zu sorgen. Sie liegt zwischen Nördlicher Burgau und Bundesstraße 304 am Weg Richtung Rottmoos. Die Wiese war früher auch schon als Bolzplatz im Gespräch, doch wegen des steil abfallenden Kobler Grabens schied sie dafür aus.

Der dürfte die "Gartler" weniger stören. "Vielleicht müssen wir terrassieren, vielleicht legen wir das Ganze anders an. Das sollen die ersten Mitwirkenden mitentscheiden", so Renate Mayer, die das Projekt derzeit koordiniert.

"Das Konzept entsteht im Prozess" - darin sah Marlene Hof-Hippke im Hauptausschuss einen wichtigen Integrationsaspekt. Denn das ist - neben dem Aspekt der Selbstversorgung - der entscheidende Gedanke: Zuwanderer bringen ihr Wissen und ihre Erfahrungen, ihre "Gartenkultur", aus der Heimat ein. Gemeinsam wird Freizeit verbracht, es werden Kontakte vertieft. Jeder hat die Möglichkeit, nach seiner Idee zu gärtnern, gemeinsame Probleme müssen aber im Austausch gelöst werden, "denn wir sind eine Gärtnergemeinschaft und keine Schrebergartensiedlung", so Renate Mayer.

Bürgermeister Michael Kölbl stellte im Ausschuss in Aussicht, bei einer Gerätehütte für die gemeinsamen Werkzeuge zu helfen, Josef Baumann schlug die Pflanzung von Obstbäumen vor - alles Anregungen, die ein Planungskreis nun beraten will, der sich im Herbst schon benachbarte Interkulturelle Gärten angeschaut hat. 78 davon gibt es bisher in Deutschland, mehrere in München und einen auch in Rosenheim.

Schon im Februar soll es eine Einladung an Interessenten geben. Mit bis zu zehn Parzellen will man in Wasserburg starten, "erste positive Signale habe ich schon erhalten", so Renate Mayer. Der Planungskreis will allerdings auf eine gute Mischung der Gärtner achten.

Geboten wird den Teilnehmern neben einer Fläche von rund 50 Quadratmetern auch gärtnerische und bei Bedarf soziale Unterstützung. Dafür hat "Rio konkret" auch Fördergelder für eine Honorarkraft beantragt, die allerdings noch offen sind. Momentan wird das Projekt ehrenamtlich begleitet und finanziert. Wer es unterstützen will, kann dies beispielsweise auch durch Natur-Fotokarten tun, die in der Bücherstube verkauft werden.

koe/Wasserburger-Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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