Beim neunten Handy-Netz reicht's

Reichertsheim - In Pfeilstett bei Reichertsheim soll eine Sendestation für den Tetrafunk der Behörden entstehen. Argumente für die Gegner lieferte jetzt Ulrich Weiner. Echte Hilfe oder Panikmache?

Die Stühle im Gasthaus in Tiefenstätt reichten nicht aus, Bierbänke wurden herbeigeschafft, so groß war das Interesse an diesem Thema. Der Funktechniker Ulrich Weiner bezog dabei vier Stunden lang klar Stellung: Handy-Nutzung ja, aber nur wenn es sein muss. Und gegen Tetrafunk gebe es auch nichts zu sagen, sofern nicht der vorgesehene "Schrott" zum Einsatz komme, so könnte man zusammenfassen.

Die Gruppe "Mobilfunk mit Grenzen Gars/Reichertsheim" hatte eingeladen, weil nun das mittlerweile neunte Mobilfunknetz mit wieder neuen Sendern vor der Einführung steht.

Weiner erzählte zuerst von seiner extremen Sensibilität elektromagnetischer Strahlung gegenüber. Er sei gezwungen, seit Jahren Funklöcher zu suchen, in denen er mit seinem Wohnwagen, derzeit im Schwarzwald, existieren kann. Selbst trat er im Schutzanzug auf und schätzte seine Regenerationsphase nach diesem Vortrag auf zwei Tage. Früher habe ihm als begeistertem Funker die Strahlung nichts ausgemacht, später baute er Autotelefone ein und habe "in dieser Zeit vielleicht ein bisschen zuviel abgekriegt". Nach einem Zusammenbruch suchte er nach den Ursachen und trägt nun seit Jahren Informationen aus Studien, Nachrichten aus dem In- und Ausland zusammen. Eine Auswahl präsentierte er den Besuchern in Tiefenstätt, die seinen Aufwand immer wieder mit Beifall honorierten.

Über das Thema Strahlen im Allgemeinen kam er zum Passivtelefonieren, das jeden betreffe. Kopfschmerzen, Mattheit, schneller Wechsel von depressiv bis aufgeregt, das seien typische Anzeichen für eine Strahlenbelastung, weil durch die Wellen die Zellkommunikation beeinträchtigt werde. Leicht könne man das nachprüfen und auf den Wuchs der Bäume nahe der Funkmasten achten oder Katzen in Mikrowellen aufbereitetes Essen vorsetzen. Lebensmittel daraus seien tot, "die Tiere verhungern, obwohl sie kugelrund sind", meinte er.

Seiner Einschätzung nach kommen auf die Volkswirtschaft erhebliche Kosten wegen der Erkrankungen zu, was wiederum zum erhöhten Medikamentenbedarf beim ADHS bei Kindern passe. Diese Erscheinungen seien mit der Einführung des flächendeckenden Mobilfunks seit 1992 drastisch gestiegen. Betroffen seien davon besonders Kinder, für die es auch keine speziellen Richtwerte gebe, eben nur Warnungen des Bundesamtes für Strahlenschutz, "aber dort schaut kein Mensch hin", so seine Beobachtung.

Nun komme der Tetrafunk, auch bekannt als Behördenfunk, ins Spiel. Das sei nur das neunte von bisher acht Handynetzen mit seiner typischen Strahlung. Absehbar seien sogar insgesamt 13 Netze geplant. In anderen Ländern sei dieser Tetrafunk eingeführt, wobei einige angesichts der angeblich mangelhaften Technik und der Strahlenbelastung wieder zum Analogfunk zurückkehren wollten. Als Nachteil nannte Weiner die zentrale Steuerung, denn ein Ausfall in Berlin mache auch hier eine Kommunikation unmöglich. Das habe es in den Niederlanden bereits gegeben. Analog sende auch nur bei Bedarf, digital mit durchschnittlich höherer Leistung dauernd. Die Übertragungsrate komme bei der aktuellen Planung trotzdem nicht über Sprache hinaus.

Auch weil viele Sender erforderlich sind, koste das Erhebliches an Strom, rechnete er vor. Einen Teil der Kosten sieht er auf die Kommunen zukommen.

Mit der Durchführung würden Gesellschaften mit beschränkter Haftung beauftragt, bei deren Ausfall letzten Endes der Grundstückseigentümer für Auswirkungen haften müsse. Da ging dann schon ein Raunen durch den Saal, denn Schäden seien nirgendwo versicherbar.

Die anwesenden Besitzer des Anwesens in Pfeilstett, wo der Sender geplant ist, gingen "von einer guten Sache" aus. Dass das so gefährlich und mangelhaft sei, habe man nicht geahnt. Nun möchte man heraus aus dem Vertrag. Dafür empfahl Weiner einen Fachanwalt. Die Nachbarn boten finanzielle Hilfe an. Die Alternative ist seiner Meinung nach ein dezentrales Netz, das bereits unter der Bezeichnung "Tetra 2000" bekannt sei. Das habe keinen Dauerfunk, weniger Sender seien erforderlich.

Ein Gemeinderat aus Lohkirchen und auch Bürgermeisterin Annemarie Haslberger bemängelten die Geheimhaltung der Bauanträge für diese Masten. Die Bürgermeisterin verwies auf eine weitere Informationsveranstaltung am 23. Juni. Ein Anrainer fragte sich, ob er wie geplant bauen solle. Weiner riet zum Wehren, man könne gemeinsam etwas bewegen, war er überzeugt.

kg/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

Zurück zur Übersicht: Region Wasserburg

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser