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Die Deutschen werden immer älter. In Wasserburg kann man das recht beruhigt, die Qualität der Pflege wird durchwegs gut benotet.

Wasserburg - Seit 2010 prüft der MDK die Qualität der stationären Pflegedienste. Die Heime in Region und Stadt Wasserburg schnitten dabei fast alle sehr gut ab.

Der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) prüft seit 2010 in einem einheitlichen System die Qualität der stationären Pflegedienste. Die Heime in Region und Stadt Wasserburg schnitten dabei fast alle sehr gut ab.

Qualität in Pflegeheimen ist vor allem für Bewohner und Angehörige maßgeblich. Egal ob bei der Pflege, beim sozialen Umfeld oder der Wohnsituation, man möchte für sich und seine Verwandten wenn möglich das Beste. Um einen Überblick über die Qualität aller stationären Pflegedienste zu geben wurde Ende 2009 ein neues und einheitliches Prüfsystem vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) eingeführt. Das schreibt vor, dass jährlich alle stationären und auch ambulanten Pflegedienste unangemeldet überprüft werden und die Ergebnisse dieser Prüfung im sogenannten Transparenzbericht veröffentlicht werden müssen. Auf diese Weise können sich alle Bürger einen Überblick über die Qualität der einzelnen Einrichtungen machen.

Die Pflegedienste in Wasserburg und Umgebung sind kürzlich auch alle vom MDK geprüft worden. Mit einem erfreulichen Ergebnis: Fast alle schnitten mit "sehr gut", manche mit "gut" ab. Das Betreuungszentrum Wasserburg und das Pflegeheim St. Martin in Soyen erhielten bei ihrer letzten Prüfung jeweils die Note 1,0, für das Betreuungszentrum war das die zweite 1,0 in Folge. Das Altenheim Maria Stern wurde mit 1,2 benotet, das Caritas Altenheim in Haag mit 2,0.

Für den Heimleiter des Betreuungszentrums Wasserburg, Thomas Geßner, steht die Qualitätssicherung an erster Stelle: "Wir legen sehr viel Wert auf Schulungen, und dass neue Mitarbeiter gut eingearbeitet werden. Außerdem versuchen wir immer wieder Prüfungssituationen zu simulieren und festgestellte Mängel sofort zu beseitigen". Das Betreuungszentrum, das sich um insgesamt 168 Bewohner kümmert, hat zusätzlich eine Qualitätsbeauftragte, die sich mit der Qualitätssicherung beschäftigt. Es wird dort zudem auf ein Beschwerdemanagement gesetzt, dass es den Bewohnern ermöglicht jegliche Probleme und Unzufriedenheiten zu melden. Darauf wird ernsthaft eingegangen. "Wir suchen immer den Kontakt mit den Bewohnern", versichert Geßner, "Sie sollen schließlich zufrieden sein. Sie zahlen ja und wir müssen die gewünschte Dienstleistung erbringen".

Nicht alle Pflegeleistende konnten mit der Note "sehr gut" oder "gut" abschneiden. Das Caritas Altenheim St.Konrad erhielt im vergangenen Oktober vom MDK die Note 2,7, was deutlich unter dem aktuellen Landesdurchschnitt von 1,5 liegt. Im Bereich Medizinische Pflege und Versorgung, einer der vier getesteten Kategorien, wurde die Einzelnote 3,2 vergeben. Heimleiterin Theresia Meisl nahm dazu nur zögerlich Stellung. "Es gibt ja außer dieser Prüfung noch andere, zum Beispiel von der Heimaufsicht oder durch Befragungen der Bewohner. Die Heimaufsichtsprüfung fiel bei uns sehr gut aus." Auch die Bewohnerbefragung der MDK-Prüfung zeigte ein sehr gutes Ergebnis von 1,1.

Laut Theresia Meisl fehle der MDK-Prüfung vielleicht der Aspekt der Individualität. Jeder Prüfer hat einen vorgegebenen Bogen mit genau festgelegten Punkten, die untersucht werden müssen, und entweder mit "ja" oder "nein" beantwortet werden. Kriterien, die nicht vom Bogen erfasst sind, würden also nicht individuell berücksichtigt. Es werde außerdem nur das geprüft was in den Pflegeheimen auch dokumentiert wird. Sollte nun eine Behandlung nicht dokumentiert werden, obwohl sie vielleicht durchgeführt wurde, stuft der MDK diesen Punkt als "nicht vorhanden" ein. Es stellt sich also für Theresia Meisl die Frage, wie aussagekräftig die MDK-Noten für den Qualitätszustand in Pflegeheimen wirklich sind.

Die unangemeldeten Prüfungen können gegebenenfalls nur eine Momentaufnahme des Zustands machen. "Das Ergebnis einer MDK-Prüfung ist vielleicht auch tagesabhängig, und fällt schlechter aus, wenn das Heim gerade einen besonders schlechten Tag hat", könnte sich Thomas Geßner vorstellen.

Winfried Fischer, zuständig für die Qualitätsprüfung bei der MDK Bayern räumt ein:"Unsere Prüfung ist ein Schritt in die richtige Richtung, hat aber noch Überarbeitungsbedarf". Öfter melden sich, laut Fischer, Angehörige beim MDK, die dem Ergebnis der Prüfung im Transparenzbericht nicht zustimmen.

Zu den Einrichtungen, die die Note 1,0 erreichten, äußerte sich Fischer folgendermaßen: "Die 1,0 ist in Bayern zwar überdurchschnittlich gut, aber von einer Traumnote kann nicht gesprochen werden. Im Grunde besagt die 1,0 ja nur, dass der Pflegedienst alle vorgesehenen oder erwarteten Anforderungen erfüllt. Eine fehlerfreie Einrichtung gibt es nicht."

Wer sich wirklich ein Bild über die Situation im Heim machen möchte, der muss nach Auffassung von Theresia Meisl "selbst dorthin kommen und sich überzeugen. Wir haben eine offene Tür". Beide Heimleiter waren sich einig, dass - MDK-Prüfung hin oder her - das Wichtigste die Zufriedenheit der Bewohner selbst sei und dass deren Feedback auch am aussagekräftigsten sei.

Linda Zacherl (Wasserburger Zeitung)

Quelle: rosenheim24.de

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