Konzentrierte Kompetenzen

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270 PS auf kompakten Raum: "Früher waren so starke Motoren nur mit dem Kran zu bewegen" fachsimpeln Berufsschulleiter Gerhard Heindl, Landrat Josef Neiderhell und der Leiter der Kfz-Werkstatt, Paul Simbürger (von links), noch am Motorblock, während Eberhard von Berswordt von der Kfz-Mechatroniker-Innung und Herbert Zängerl vom Audi-Zentrum (rechts hintereinander) und die Schüler schon bereit sind zur Übergabe des neuen Schulungsfahrzeugs.

Wasserburg - Die Umstrukturierung der Berufsschulen im Landkreis hat sich gelohnt, da sind sich Schüler, Lehrer und Betriebe einig. Die gebündelte Kompetenz mache sich positiv bemerkbar.

Bürokaufleute in Wasserburg Rosenheim und Aibling, Kfz-Mechatroniker in Wasserburg, Rosenheim und Aibling, Bäcker in Wasserburg, Rosenheim und Aibling, diese Zeiten sind an den Berufsschulen des Landkreises vorbei. Jetzt kommen alle angehenden Kfz-Mechatroniker nach Wasserburg, gleich ob aus Soyen, Kiefersfelden oder Feldkirchen. Und die anfängliche Skepsis bei allen Beteiligten hat sich gelegt. "Es hat sich einfach herausgestellt, dass mit der Zusammenlegung die Ausbildung besser geworden ist weil die Kompetenzen gebündelt sind", so Claudia Romer, stellvertretende Leiterin der Berufsschule Wasserburg.

Und auch die Ausstattung ist durch die Konzentration besser, als sie es an drei Standorten wäre. Beispiel ist das nagelneue Audi TT Coupé, das seit kurzem in der Werkstatt der Kfz-Mechatroniker steht. Das 270-PS-Geschoss mit einem Listenpreis von knapp 60.000 Euro, das durch Vermittlung des Audi-Zentrums Rosenheim für 15.000 Euro inklusive Testeinrichtung in den Landkreis kam, wäre vor ein paar Jahren vermutlich noch Auslöser von Diskussionen gewesen. Jetzt beschlossen die Kfz-Mechatroniker-Innung und das Landratsamt, Sachaufwandsträger der Berufsschulen, innerhalb von Tagen den Kauf. Und der Standort war von vorneherein klar.

Wobei der bekennend autonärrische Landrat Josef Neiderhell den Standort kurzfristig gerne verändert hätte, aber Bedingung für die günstigen Konditionen war, dass das Auto nicht mehr auf die Straße geht. "Der darf das Schulgelände nicht mehr verlassen", informierte Schulleiter Gerhard Heindl den Landrat schmunzelnd. Was Landrat, Schulleitung, Innung und Lehrer gefiel: Audi bestand darauf, dass alle Kfz-Mechatronik-Lehrer eine Woche lang vom Werk an dem Coupé geschult wurden.

1330 Schüler, etwa die Zahl vor der Wirtschaftskrise, hat die Berufsschule Wasserburg derzeit, "einer reist mit dem Flugzeug an", schmunzelt Claudia Romer. Der junge Mann kommt aus Potsdam, lernt technischer Produktdesigner am Designzentrum in Potsdam. "Die wollen unbedingt bei uns beschulen - was für uns wichtig ist, denn das Designzentrum spielt ganz weit vorne mit, stellt auch Weichen. Was natürlich den Druck auf uns erhöht - aber die Ausbildungsqualität auch", so die stellvertretende Schulleiterin.

Allerdings gibt es bei den Fachleuten bundesweit derzeit leichte Befürchtungen, dass das hohe Ausbildungsniveau gehalten werden kann. Denn zu den technischen Produktdesignern kommen demnächst die Technischen Zeichner gleich welcher Sparte. Bisher konnte vom ersten Schultag an sehr spezifisch unterrichtet werden, das wird sich aufgrund der diversen Berufsbilder voraussichtlich künftig ändern. "Da ein Wasserburger Lehrer in der Rahmenkommission sitzt, sind wir gut informiert", so Claudia Romer.

Gleich Kommissionsleiter ist ein Wasserburger bei den Verfahrensmechanikern Kunststoff/Kautschuk, deren Ausbildung ebenfalls neu strukturiert wird. Da ist der Standort Wasserburg seit Jahren stark. Neu dazu gekommen ist ein neuer Schwerpunkt, die Faserverbundtechnik, die vor allem im Flugzeug- und Fahrzeugbau benötigt wird und wo der Sprengel der Wasserburger Schule ganz Bayern umfasst. Für diese Ausbildungsrichtung stellte die Berufsschule einen Antrag auf Austausch auf Ausbilderebene, sprich bei Lehrern und Meistern. Und siehe da: "Resonanz kam aus Malta, Italien, Polen und anderen Ländern", so Claudia Romer. Da wolle man sehen, wie der Austausch der Ausbilder laufe, dann könnten und sollten die Jugendlichen folgen.

Was die stellvertretende Schulleiterin besonders freut: Die Jugendlichen ohne Ausbildungsplatz, die an der Berufsschule beschult werden, werden immer weniger. Heuer habe man 18 Schüler und damit die Mindestzahl für eine Klasse. Die Jugendlichen gingen 2,5 Tage die Woche zur Schule, die anderen 2,5 Tage zum Praktikum in Betriebe. Was sich laut Claudia Romer sehr bewährt hat, sind die zwingenden Elterngespräche. "Es ist erschreckend, wie viele Eltern kein Interesse an der beruflichen Zukunft ihres Kindes haben", sagt Claudia Romer. Umso mehr freut es sie, dass vom letzten Jahrgang 70 Prozent in eine Ausbildung vermittelt werden konnten. "Da merkt man einfach auch den guten Kontakt zwischen Berufsschule und Betrieben."

von Sylvia Hampel/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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