Betreuer wegen Untreue angeklagt

Wasserburg - Der Betreuer eines Demenzkranken aus dem Raum Rosenheim ist wegen Untreue angeklagt. Den Überblick über die Zahlungsbelege hat er längst verloren.

Etwas zu locker praktizierte ein 56-jähriger Maschinenbauer aus dem Raum Rosenheim seine Aufgabe als gerichtlich bestellter Betreuer eines Demenzerkrankten aus dem Raum Wasserburg.

Der Betreuer verzichtete auf die lästige Belegeverwaltung und sperrte sich gegen die Rechnungslegung, trotz mehrmaliger Aufforderung des Betreuungsgerichts und festgesetzten Zwangsgeldes. Nun musste er sich vor dem Amtsgericht Rosenheim, Zweigstelle Wasserburg, wegen Untreue verantworten. Und auch vor Gericht erschien er erst ohne Belege.

In der Regel werden Personen aus dem verwandtschaftlichen und sozialen Umfeld des Betroffenen zum Betreuer bestellt. Menschlich gesehen scheint dies bei der Bestellung des 56-jährigen Selbstständigen gepasst zu haben, doch mit der Abwicklung der finanziellen Angelegenheiten war der Hartz IV Empfänger deutlich überfordert. Er wurde zwar zum Betreuer bestellt, weil der Geschädigte seine persönlichen und finanziellen Belange nicht mehr selbst regeln konnte, die Tragweite dieser Aufgabe aber war ihm scheinbar nicht bewusst. So ließ er sich Geld von seinem Schützling schenken und fand daran nichts unlauteres, denn der Geschädigte sei seiner Meinung nach, "ganz klar im Kopf" gewesen.

Betreuungsgericht und Staatsanwaltschaft beurteilten die Sachlage etwas anders und beschuldigten ihn der Untreue. In vier Fällen soll er die ihm gesetzlich eingeräumte Befugnis über fremdes Vermögen zu verfügen missbraucht und seine Pflicht, fremde Vermögensinteressen wahrzunehmen, verletzt haben. Laut Vermögensverzeichnis hatte der Angeklagte die Betreuung im Oktober 2010 mit einem Guthaben von 148000 Euro ohne Girokonto übernommen. Zwischen dem 20. Januar und dem 28. April 2011 hob er insgesamt 25989,61 Euro vom Konto der Sparkasse Wasserburg ab und löste das Konto anschließend auf.

Vor Gericht beteuerte der Angeklagte, dass das Geld noch da sei. Er räumte die Auflösung des Sparbuches ein, um mit dem Geld Rechnungen des Geschädigten bezahlt zu haben. Er habe immer das getan, was der Geschädigte verlangt habe. Von der ersten Barabhebung über 12000 Euro, habe er 3000 oder 4000 Euro behalten und etwa die gleiche Summe auf ein anderes Konto einbezahlt, weil das Guthaben darauf nicht für den Pflegedienst gereicht habe. 5000 Euro seien für die Begleichung anderer Ausgaben ohnehin bewilligt gewesen.

Wie schon bei früheren Anhörungen bedauerte der Angeklagte, sämtliche Unterlagen zu Hause gelassen zu haben. Das Gericht unterbrach daraufhin die Verhandlung für eine halbe Stunde, dass der Angeschuldigte endlich die geforderten Belege beibringen sollte. Das Ergebnis war dann im ersten Moment wenig erhellend, denn der Angeklagte erschien mit einer Leinentragetasche voller loser Belege wieder. Der Versuch des Gerichts mit dem Angeklagten die Belege zu sortieren, musste aus Zeitgründen abgebrochen werden.

Um sich einen Überblick über die aktuelle Vermögenslage des Geschädigten sowie über die getätigten Ausgaben seines gesetzlich bestellten Betreuers machen zu können, wurde die Verhandlung schließlich ausgesetzt. Ein Berufsbetreuer betreut nun den Geschädigten.

Zu seiner Zeugenaussage vor Gericht kam der Angeklagte vorerst nicht mehr. Dafür bot er an, Inhalt des Leinensackerls zu sortieren und Kontoauszüge von Quittungen für den ambulanten Pflegedienst, Rechnungen für Probewohnen und Polnischen Pflegedienst sowie sonstigen Ausgaben zu trennen. Der Angeklagte bedauerte vor Gericht so phlegmatisch gewesen zu sein. Er habe einen Fehler gemacht, weil er die Belege nicht ordnungsgemäß gesammelt habe. Außerdem könne er nicht sagen, ob die mitgebrachten Belege vollständig seien. Dafür versprach er: "Wenn wir noch was finden, liefern wir es nach.

ca/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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