Betreuung gefragt - Betreuende rar

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Wasserburg - Die Nachfrage nach Krippenplätzen ist ungebrochen groß, so groß, dass außertourliche Aufnahmen nur in Ausnahmefällen möglich sind.

Diese Erfahrung machte jetzt ein Ehepaar, das Söhnchen Benjamin ab November in die Krippe bringen wollte. Praktischerweise ist auch noch eine städtische Krippe im Haus. Und da die Mutter wieder ins Berufsleben einsteigen will und muss, soll Benjamin in die Krippe. Denn Großeltern oder andere Verwandte hat die Familie nicht in greifbarer Nähe.

Die Familie bewarb sich bei allen Krippen - ob städtisch, kirchlich oder privat - im Stadtgebiet. Und überall gab es Absagen. Der Grund sei letztendlich immer der gleiche gewesen, so der Vater: die Betreuung ab November. So lange könne kein Platz freigehalten werden. Benjamins Eltern hätten den Platz durchaus auch ab September bezahlt und erst ab November genutzt, bekamen aber mangels Rücksprache die Chance gar nicht, was sie besonders ärgert.

Nun stehen sie bei diversen Krippen auf der Warteliste - was nur bedingt beruhigt. Peter Arnold von der Kita Gänseblümchen verwies aber darauf, dass zwar seine zehn Plätze - inklusive einiger Integrationsplätze - meist voll gebucht seien, aber im Laufe des Jahres immer wieder etwas frei werde. Denn er als privater Träger müsse jedes Kind ab dem Monat des dritten Geburtstages als Kindergartenkind rechnen und habe deswegen immer mal wieder einen Krippenplatz frei, so dass Kinder von der Warteliste nachrückten. Benjamin steht auf der Warteliste.

Peter Reinthaler, im Rathaus unter anderem für die Kindergärten und -krippen zuständig, bestätigt, dass die Nachfrage nach Krippenplätzen ungebrochen groß sei. Deswegen sei die Stadt bemüht, in der Burgau "umzuschichten". Bisher hätten Brandschutzvorschriften verhindert, dass knapp dreijährige Kinder in den Kindergarten gingen. Da sei man dabei, die entsprechende Hürde abzubauen und so eventuell Krippenplätze zu schaffen.

Denn die Kommunen haben ein echtes Problem: das Personal. "Wir könnten relativ schnell eine weitere Krippengruppe einrichten, die Räume ließen sich sicher finden", so Reinthaler. Aber das Personal nicht. Die Ausbildung zur Erzieherin beziehungsweise zum Erzieher ist lang, die Bezahlung eher schlecht. Was den zwar schönen, aber auch anstrengenden Beruf nicht unbedingt attraktiv macht. "Für uns ist es schon fast unmöglich, bei längerer Krankheit eine Vertretung zu finden", so Reinthaler. Der da auch sauer ist auf Bund und Land: "Die Politik hat viel versprochen, sich aber mal wieder nicht um die Folgen gekümmert."

Wo sich der Gesetzgeber, in diesem Fall der Freistaat, gekümmert hat, das ist bei der Förderung von Kita-Plätzen in anderen Gemeinden. Die Stadt Wasserburg übernimmt diese Förderung anstandslos. Wenn kleine Wasserburger auf Wunsch der Eltern in der Edlinger Krippe oder im Eiselfinger Kindergarten betreut werden, zahlt die Stadt laut Peter Reinthaler den Zuschuss. Peter Arnold liegt da seit Längerem im Streit mit der Gemeinde Soyen, die für zwei Soyener Kinder im Gänseblümchen keinen Zuschuss zahlen will. Vor Gericht ist Soyen für 2010/2011 bereits unterlegen, so Arnold, aber für das aktuelle Kindergartenjahr laufe die Auseinandersetzung noch. "Mit anderen Gemeinden gibt es keine Probleme."

Die wird es künftig gar nicht mehr geben, denn der Freistaat ändert das Bayerische Kinderbildungs- und -betreuungsgesetz: Die Eltern haben künftig die völlige Freiheit der Wahl. "Wenn jemand sein Kind unbedingt in eine Krippe im Bayerischen Wald geben will, überweisen wir die Förderung eben in den Bayerischen Wald", so Reinthaler trocken.

syl/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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