Bettleroper auf der Schulbühne

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Schrille Mädls und coole Jungs auf der Schulbühne in Gars: Motive aus der Bettleroper mit viel Einsatzfreude dargestellt.

Gars - Wie schon im vergangenen Jahr ließ sich die Theatergruppe des Gymnasiums Gars von einem Engländer inspirieren: Nach Shakespeare gab es nun John Gays "Bettleroper", die in Deutschland vor allem in der Bearbeitung von Bertolt Brecht als "Dreigroschenoper" bekannt ist.

Die Vorlage wurde als Fundgrube für besonders eindrückliche Szenen genutzt, die dann mit großem Stilwillen ausgestaltet wurden.

Wie schon Gay und Brecht, möchte man den Zuschauern nicht die Illusion vermitteln, bei einem Ausschnitt der Wirklichkeit zuzuschauen. Das wird schon durch das Bühnenbild deutlich: Vor schwarzem Hintergrund steht ein Baugerüst, das mal als Bordell, mal als Gefängnis genutzt wird - oder auch als Aufenthaltsort für Schauspieler, die im Vordergrund gerade nicht gebraucht werden; die Bühne verlässt aber keiner von ihnen. Wenn sie sich für Doppelrollen umziehen, geschieht das vor den Augen der Zuschauer.

Schon vor der ersten Szene wird in einer Ouvertüre signalisiert, um was für eine Welt es gehen wird im folgenden Stück: Betont laszive Huren (Sabrina Bühn, Johanna Ganslmeier, Natasche Ickert, Katja Körber, Julia Krah, Veronika Maier, Theresa Parstorfer, Josefine Pytlik, Natalie Wossidlo und Meltem Yurt) werden von herrlich tumben Räubern umworben (Simon Barnreiter, Philip Calmer, Paul Kowol, Lukas Mittermaier).

In diesem Milieu spielen dann die folgenden Szenen, in denen Gefühle entweder nicht echt sind - oder verboten. So wird Macheath (Maxi Bendl) erst von fast einem Dutzend Prostituierten hingebungsvoll umworben, nur um gleich darauf von ihnen an den Gefängnisdirektor Lockit (Stefan Rosenberger) verraten zu werden. In einem großartig choreografierten Gefecht aus Worten und Drohungen mit dem Revolver wird allerdings deutlich, dass Lockit von Macheaths Gegenspieler Peachum gekauft worden ist. Als der Gangsterboss später wieder auf freien Fuß kommt, entwickeln zwei der Räuber (Calmer und Mittermaier) in einer herrlich komödiantischen Szene einen Plan um ihn zu überlisten und wieder ans Messer zu liefern. Unterdessen versuchen sich Macheaths zwei Ex-Geliebte zu vergiften - eine Szene, die zum Höhepunkt des Stücks wird, indem jede der beiden von zwei Schauspielerinnen gespielt wird:

Johanna Ganslmeier und Theresa Parstorfer zeigen die zuckersüße verlogene Oberfläche, während im Wechsel dazu Meltem Yurt und Julia Krah ausdrücken, was die beiden wirklich fühlen und denken. Aber auch die Nebenfiguren sind großartig durchgearbeitet, stellvertretend sei hier nur Sabrina Bühn als unglaublich witzige Putzfrau erwähnt.

Unter der Regie von Inga Hauser und Maie Müller hat die Theatergruppe des Gymnasiums Gars wieder ihren hohen Anspruch deutlich gemacht - und dabei imponierend unter Beweis gestellt, dass Schultheater nicht konventionell und unbeholfen sein muss, sondern ganz neue Sichtweisen aufzeigen kann. Zweimal kräftiger Schlussapplaus waren dabei nur ein Teil des Lohns: Kommende Woche wird das Stück auch bei den bayerischen Schulspieltagen aufgeführt. Eine Ehre, die alljährlich nur zwölf bayerischen Gymnasien zu Teil wird.

re/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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