Beweisaufnahme dauert

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Rosenheim/Wasserburg - Er hat das Kontaktverbot zu seiner Ex-Freundin verletzt, geschlägert und Autoreifen zerstochen: Jetzt steht der 34-jährige, seit längeren in Deutschland lebende Bosnier aus Wasserburg vor Gericht.

Vorsitzender Richter Heinrich Loeber hatte in kluger Voraussicht einen ganzen Sitzungstag für die anstehende Verhandlung vor dem Schöffengericht anberaumt, denn immerhin waren über ein Dutzend Zeugen geladen, um im Prozess, in dem es um Verstöße gegen das Gewaltschutzgesetz, sieben Fälle von Sachbeschädigung, Anklage wegen schwerer Körperverletzung sowie Beleidigung, Nötigung und Bedrohung ging, auszusagen. Da einige wichtige Zeugen fehlten, wurde der Prozess nach fast siebenstündiger Hauptverhandlung unterbrochen; die Fortsetzung ist für den 12. Oktober angesetzt.

Angeklagt war ein 34-jähriger, seit längeren in Deutschland lebender Bosnier aus Wasserburg, dem die Staatsanwaltschaft vorwarf, seine als Nebenklägerin auftretende, ehemalige Freundin trotz richterlich angeordneten Kontaktverbotes permanent beobachtet, verfolgt und belästigt zu haben. Das Vorlesen der umfangreichen, vierteiligen Anklageschrift dauerte fast eine halbe Stunde.

Das Angebot des Gerichtes, dem Angeklagten im Falle eines vollen Geständnisses gemäß Anklageschrift ein für ihn günstigeres Strafmaß zuzusichern, lehnte dieser ab. Seiner Meinung würde ein Teil der im zur Last gelegten Verstöße und Taten nicht zutreffen. So blieb dem Gericht nichts anderes übrig, als in eine langwierige Beweisaufnahme einzutreten.

Recht akribisch hatte die Geschädigte, die Ex-Freundin des Angeklagten, die ihr widerfahrenen Verstöße gegen das Kontaktverbot nach Datum und Uhrzeit vermerkt. Daraus ging hervor, dass sie sich nach Beendigung der Beziehung zwischen ihr und dem Angeklagten Ende 2008 durch laufende Nachstellungen seitens des Angeklagten verfolgt und bedroht gefühlt habe und dadurch in ihrer Lebensführung nachhaltig gestört worden sei. Deshalb kam es im März 2009 zu einem gerichtlich angeordneten Kontaktverbot, das dem Angeklagten verbot, sich der Wohnung und dem Arbeitsplatz der Ex-Freundin zu nähern sowie direkt oder auf andere Art mit ihr in Verbindung zu treten.

Der Verteidiger, der Wasserburger Rechtsanwalt Hubert Neuberger, versuchte zwar durch Fangfragen die belastenden Aussagen der Ex-Freundin zu erschüttern und diese in Widersprüche zu verwickeln, jedoch zeigte sich diese als bestens präpariert, ließ sich nicht aus der Fassung bringen und parierte geschickt die juristischen Finten des Verteidigers.

Dessen Strategie war offensichtlich, die Glaubwürdigkeit der Hauptbelastungszeugin in Frage zu stellen und glaubhaft zu machen, dass diese den Angeklagten in einigen Fällen bewusst provoziert habe, das Kontaktverbot zu verletzen.

In einem Falle konnte der Verteidiger das konkret belegen, und die Ex-Freundin sah sich gezwungen, das auch einzuräumen. Denn warum, so hinterfragte Neuberger leicht süffisant, habe die Ex-Freundin trotz bestehenden Kontaktverbotes fast eine Stunde lang mit dem Angeklagten beim Zusammentreffen auf einem Volksfest "geplaudert" und ihm dort ein nettes, etwa zehn Zentimeter großes Tattoo an ihrer Hüfte gezeigt? Mit dieser Frage brachte er die Ex-Freundin ins Schleudern, denn diese blieb die Antwort schuldig.

Den schwerwiegenden Vorwurf, dass er sich als mehrfacher Reifenstecher betätigt habe, bestritt der Angeklagte vehement, obwohl ein Betroffener ihn eindeutig auf frischer Tat ertappt und als Täter erkannt hatte. Die Untersuchungen des Landeskriminalamtes ergaben, dass alle sieben Fälle der Reifenstecherei von ein und dem selben Täter und Werkzeug verursacht worden seien.

Im Falle der schweren und vorsätzlichen Körperverletzung wird dem Angeklagten vorgeworfen, grundlos in alkoholisiertem Zustand einen Türsteher vor einem Nachtlokal mit einer Bierflasche, deren Hals er vorher abgeschlagen hatte, attackiert zu haben. Der Angegriffene konnte jedoch dem Schlag ausweichen, nahm aber die ihm zugerufene Drohung, dass ihn der Angeklagte umbringen wolle, ernst und erstattete Anzeige. Ein anderer Türsteher kam nicht so glimpflich davon, denn der Angeklagte hatte ihn grundlos und ohne Vorwarnung einen Fausthuieb an den Kopf versetzt.

Sowohl die Vertreterin der Anklage als auch die Verteidigung bestanden darauf, zwei weitere Zeugen vorzuladen, in der Hoffnung, in puncto Sachbeschädigung und Körperverletzung etwas mehr Licht in die Angelegenheit zu bringen. Deshalb wurde die Hauptverhandlung unterbrochen.

je/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © pa

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