Der Milchtransport als ländlicher Zeitspiegel

+
Dr. Peter Lange präsentierte sein neues Buch gemeinsam mit der Milchkönigin.

Wasserburg - Die Milchfahrer waren lange Jahrzehnte die tägliche Verbindung von Weilern zur Außenwelt. Ihnen wurde jetzt ein eigenes Buch gewidmet mit vielen Bezügen zur Region.

Die Entwicklung des Milchtransports von der einfachen Kanne bis zu den hochmodernen Transportern der heutigen Zeit dokumentiert Dr. Peter Lange in seinem Buch. Die Präsentation im Hotel Fletzinger stieß auf großes Interesse.

Rund 100 Besucher, unter ihnen viele ehemalige und aktive Milchfahrer, hatten sich eingefunden. Untermalt von Heimatmusik sprachen die eigens nach Wasserburg gekommene bayerische Milchkönigin Beate Deisenhofer und Peter Taschner vom Milchprüfring Grußworte.

Fahrzeugweihe auf dem Marienplatz, darunter auch ein Magirus S 3000 der Molkerei Meggle.

Der in Westfalen aufgewachsene Autor, eigentlich Arzt und Psychotherapeut, hat schon in seiner Kindheit einen Faible für Landwirtschaft und Technik entwickelt und schreibt als Ausgleich zu seinem Beruf Artikel und Bücher. "Für uns Kinder war es damals immer ein besonderes Ereignis, wenn der Milchhändler mit seinem Wagen kam und der Geruch von frischer Milch und Käse in der Luft lag", erinnerte sich Peter Lange. Den Bildband "Die Geschichte des Milchtransports" erstellte er zusammen mit seiner Frau und anderen Beratern innerhalb eines Jahres. Viele Informationen und einmalige Fotoaufnahmen erhielt er auch von Betrieben aus der Region, und so mancher der Anwesenden erkannte sich schmunzelnd auf den Fotos wieder.

"Mir war es ein besonderes Anliegen, in meinem Buch den Zusammenhang des Milchtransports mit dem Leben der Mensch, der Politik, der Kultur und vor allem der Technik anschaulich darzustellen", erklärte Peter Lange. So geht er in seinem einführenden Text etwa auf die "Millibankerl" ein, die stets ein beliebter Treffpunkt für Jung und Alt waren, oder die Milchmädchen und deren vielfältige Aufgabenbereiche.

In den 1920er-Jahren wurde aufgrund des sinkenden Milchkonsums ein Reichsmilchausschuss ins Leben gerufen, um Werbung für das weiße Gut zu betreiben. Und nach dem Zweiten Weltkrieg konnte die Jugend in so genannten Milchbars streng nach Gesetz alkoholfrei feiern und das Leben genießen. Während der Berlin-Blockade bildete sich eine "Weiße Welle der Solidarität" und Spediteure lieferten Milch vom Land an die Flughäfen, von denen aus Flugzeuge den Westteil der Großstadt mit dem wichtigen Lebensmittel belieferten.

Vom Pferdekarren auf den Dampf-Zug verladen wurde die Milch in Brandstätt etwa um 1920 noch.

Mit zunehmendem technischen Fortschritt wurde Qualität nach dem Grundsatz eines "kühlen, sauberen, genauen, schonenden und schnellen Transports" wichtiger. In Peter Langes Buch finden sich hierzu zahlreiche Abbildungen von den frühen Anfängen mit Handkarren, Kutschen und Schlitten bis hin zum Transport per Bahn und Lastkraftwagen. Findige Spediteure und Landwirte errichteten zudem auch Milchseilbahnen und - beispielsweise in Österreich - unterirdische Leitungen. Wenn das Gelände für große Fahrzeuge nicht zugängig war, wurden kurzerhand Weidemelkanlagen auf kleinen motorisierten Gefährten direkt zu den Milchkühen gefahren.

Der Bildband bezieht seinen besonderen Reiz nicht nur aus der Vielfalt an Fotomaterial aus Deutschland und anderen Ländern, sondern gerade auch durch historische Aufnahmen aus Wasserburg und Umgebung. So finden sich etwa Schwarz-Weiß-Bilder der Milchsammelstelle in Brandstätt mit einer vorbeifahrenden Dampflokomotive von 1920 oder einer prächtigen Milchfahrzeugweihe am Marienplatz in den 1950er-Jahren.

Auch so manches kleine Geheimnis lüftete Peter Lange bei der Vorstellung seines besonderen Buches. Etwa, warum man oft einzelne Milchanhänger auf Parkplätzen stehen sieht oder welchen beachtlichen Fußweg sich die Fahrer von rechtsgesteuerten Lastkraftwägen pro Tag sparen können.

Zum Abschluss seiner Präsentation bekam er großen Beifall und signierte stolz die ersten verkauften Exemplare des Bildbandes, welche er nur 48 Stunden zuvor druckfrisch per Paket vom Verlag erhalten hatte.

"Die Geschichte des Milchtransports", Podszun-Verlag, 152 Seite, 24,90 Euro

reg/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: Region Wasserburg

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser