Quest kauft Fletzinger-Komplex

+
Das Hotel Fletzinger ist das Kernobjekt des jetzt verkauften Areals, zu dem auch die ehemaligen Brauereigebäude am Max-Emanuel-Platz und Garagen an der Palmanostraße gehören - und der bekannte Biergarten mit Kastanie.

Wasserburg - Die Bombe platzte am Dienstag: Clement Stechl hat den größten Teil seiner Immobilien in der Wasserburger Altstadt verkauft. Quest Immobilien will das Areal mit dem Hotel Fletzinger weiterentwickeln.

Die Nachricht kam gestern überraschend: Bis auf sein Privathaus am Max-Emanuel-Platz, das Gebäude Palamano 1 und den Stechlkeller am Marienplatz hat sich Clement Stechl von seinen geerbeten Immobilien in Wasserburg getrennt. Damit ist die Ära Fletzinger in Wasserburg endgültig beendet. Ende 1994 war bereits die Brauerei geschlossen worden. Danach wurde auch das Hotel verpachtet, Clement Stechl konzentrierte sich auf die Verwaltung seiner Immobilien.

Nun sah er offensichtlich einen günstigen Zeitpunkt für die Veräußerung: "Die Zeiten werden eher unsicherer", außerdem habe es auch steuerliche und betriebliche Gründe für den Verkauf jetzt gegeben, so Stechl.

Die Suche nach einem Unternehmen, das den gesamten Komplex übernimmt, war nicht einfach. Eingefädelt hat das Geschäft nun der Wasserburger Makler Werner Nieder, der von den Möglichkeiten und dem neuen Investor schwärmt: "Die haben die Möglichkeiten und schon bewiesen, dass sie es können."

Verkauft wurde auch das Gebäude Salzsenderzeile 4, in dem seit 1994 die Markthallenküchen sind, und die drei Rückgebäude an der Fletzingergasse.

Hinter Quest Immobilien steht die Familie Werndl in Rosenheim. Dort wurde unter anderem die Kunstmühle saniert, in Kolbermoor zuletzt die Alte Spinnerei. "Wir sind immer interessiert an innerstädtischen Objekten, besonders mit Denkmalschutz. Und Wasserburg ist auf alle Fälle eine sehr interessante Stadt", so Geschäftsführer Christian Koop.

Noch ist man laut Koop ganz am Anfang der Überlegungen, was aus dem Areal werden soll. Das Hotel soll wohl grundsaniert und erweitert werden, ansonsten seien hochwertige Wohnungen, Praxen und ebenerdig natürlich Geschäfte denkbar, so Koop. Wert lege man darauf, das Konzept "von Anfang an gemeinsam mit der Stadt" zu entwickeln.

Werner Nieder spricht von einem denkbaren Volumen von 25 bis 30 Millionen Euro. Immerhin würden 8000 bis 10 000 Quadratmeter Nutzfläche saniert oder neu entstehen: "Das könnte sich für Wasserburg toll auswirken."

Mieter und Pächter überrascht

Zurückhaltender reagierten gestern die derzeitigen Pächter und Mieter, soweit sie von dem Verkauf überhaupt bereits wussten. Alle waren absolut überrascht von der Transaktion, die schon am 23. Dezember beurkundet wurde. Andreas Aß, dessen Markthallenküche in der Salzsenderzeile betroffen ist, war "offiziell noch gar nicht informiert". Er habe außerdem einen langfristigen Pachtvertrag, so Aß.

Letzteres gilt laut Pächter Peter Fichter auch für das Hotel Fletzinger: "Der Verkauf war für mich völlig überraschend, aber er könnte keine schlechte Lösung für Hotel und Stadt sein. Ich warte jetzt auf die Vorschläge von Quest." Schließlich ist auch die Stiftung Attl Mieter an der Fletzingergasse. Die sucht nun mit Nachdruck eine neue Bleibe für einen Teil ihres Integrationshortes.

Auch Bürgermeister Michael Kölbl wurde erst jetzt informiert über das Großprojekt in der Altstadt. Er wertete es als positiv, dass mit Quest "sicher ein renommierter Investor" eingestiegen sei, der auch die Zusammenarbeit mit der Stadt suche. Denn natürlich müsse Wasserburg vor allem darauf achten, dass der Denkmalschutz berücksichtigt werde: "Die Altstadt ist unser Kapital", so Kölbl.

Dass zumindest das gotische Gebäude in der Salzsenderzeile unter Denkmalschutz, die anderen unter Ensembleschutz stehen, ist auch Quest bewusst. Das Hotel Fletzinger selbst ist in der heutigen Form nach dem Stadtbrand 1885 entstanden. "Wir haben auch bei unseren anderen Objekten viel mit dem Denkmalschutz zusammengearbeitet. Die kennen uns schon", so Christian Koop.

Zum Kaufpreis wollte sich gestern erwartungsgemäß keiner der Beteiligten äußern. Clement Stechl: "Deutlich weniger, als die Leute reden".

von Karl Königbauer/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: Region Wasserburg

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser