Brucktorkeller überschwemmt

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Gesperrt: der Uferweg in Wasserburg Fotos

Wasserburg - Wasserburg ist gestern an einer Hochwasserkatastrophe vorbeigeschrammt: Dank reibungslos verlaufener Schutzmaßnahmen blieb die Stadt von größeren Schäden verschont.

Der Keller des frisch sanierten Brucktors stand allerdings überraschend unter Wasser.

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In nur neun Stunden - von 21 Uhr abends bis gestern 6 Uhr morgens - eine Pegelsteigerung um zwei Meter: So schnell war der Inn selbst beim Rekordhochwasser im Jahr 2005 nicht angestiegen. Doch die Situation entwickelte sich trotz der sintflutartigen Regenfälle in der Nacht auf Fronleichnam nicht so dramatisch wie vor fünf Jahren, als der Inn in Wasserburg den Höchststand von 7,19 Metern erreicht hatte. Gestern vormittag hatte er sich nach Informationen von Thomas Rothmayer, Sprecher der Feuerwehr Wasserburg, bei 5,45 Metern "eingepegelt". Die Prognose der Hochwasserexperten für Wasserburg lautete: Es bleibt bei einem Pegel zwischen 5,50 und sechs Metern - eine ähnliche Situation wie beim Hochwasser 1977.

Stand überraschend unter Wasser: der Keller des Ferstlhauses.

Bereits um 6 Uhr war gestern im Feuerwehrhaus in Wasserburg der Krisenstab zusammengekommen: 50 Einsatzkräfte aus Wasserburg und Reitmehring unter der Einsatzleitung des Wasserburger Kommandanten Georg Schmaderer begannen mit der Koordination der Sicherungsmaßnahmen. Um 7 Uhr machte sich in Vertretung des in Urlaub befindlichen Bürgermeisters Michael Kölbl auch Dritter Bürgermeister Otto Zwiefelhofer ein Bild der Lage.

Bereits um 6 Uhr hatten die Feuerwehrkräfte den Deich gesperrt, um 9 Uhr folgte die Abriegelung des Uferweges. Auf der Innbrücke herrschte den ganzen Tag über reger Fußgängerverkehr: Passanten hielten den zum reißenden Strom verwandelten Inn mit ihren Fotoapparaten zur Erinnerung fest.

Diszipliniert reagierten die Schaulustigen auf die Tatsache, dass sich die Feuerwehr rund um das Brucktor im Dauereinsatz befand: 40 Zentimeter hoch stand im frisch sanierten Ferstlhaus das Innwasser. Eine im Gebäude eingebaute Pumpe, die sich automatisch in Gang setzen soll, hat anscheinend versagt und zur Überflutung des Kellers geführt, so erste Beurteilungen. Ohne Unterbrechung liefen hier deshalb bis gestern gegen Nachmittag die Pumpen der Feuerwehr.

Eine gefährlichere Situation entwickelte sich jedoch am Wuhrbach Dort drohte im Bereich der Gabelung Wuhrweg ein Holzstoß in die Strömung zu stürzen. Das hätte fatale Folgen auslösen können, wenn es zu einer Verklausung, sprich Verstopfung und Aufstauung, gekommen wäre. Der Wasserwacht gelang es jedoch um 10 Uhr, den Holzstoß zu sichern und das Unglück zu verhindern. In diesem Bereich stand außerdem ein Hauskeller unter Wasser.

Bis zum Nachmittag herrschte gestern in der Einsatzzentrale im Feuerwehrhaus Alarmbereitschaft, da der Innpegel sich im Laufe des Tages zwar stabil einpendelte, jedoch nicht abzuschätzen war, wie sich das Hochwasser der Mangfall auswirken würde. "Die Mangfall ist immer das Zünglein an der Waage", berichtete Rothmayer.

Dass die Einsatzkräfte die Lage trotzdem so gut im Griff hatten, lag auch an der Tatsache, dass erstmals der nach dem Rekordhochwasser 2005 neu aufgelegte Hochwasssereinsatzplan der Feuerwehr Wasserburg zum Einsatz kam. "Die neue Organisation hat sich im Echteinsatz sehr gut bewährt", betonte Rothmayer.

Auch die Koordination der Einsatzkräfte klappte reibungslos: Im Dienst waren 50 Feuerwehrler aus Wasserburg und Reitmehring, die Wasserwacht und der Fachberater Hochwasserschutz des Technischen Hilfswerkes. Nachmittags gab es für alle die erlösende gute Nachricht, dass der Pegel kontinuierlich fällt.

Eine anstrengende Nachtschicht haben auch 30 Feuerwehrleute aus Amerang hinter sich. In der Nacht zu Fronleichnam schützten sie in der Bahnhofstraße in Amerang ein Wohngebäude vor den Wassermassen. Auf Grund der anhaltend starken Regenfälle war hier ein kleiner Abflussgraben, der das Schlossfeld in den Ameranger Bach entwässert, über seine Ufer getreten. Den Anwohnern drohte die komplette Flutung des Kellers, was durch den Einsatz zweier leistungsstarker Saugpumpen verhindert werden konnte. Mit Hilfe eines Laders, den eine Firma zur Verfügung stellte, konnte mit einem provisorisch errichteten Damm das Wasser vom Gebäude ferngehalten werden. Zwei Landwirte fuhren mit ihren Traktoren und Sauggüllefässern über drei Stunden lang das nachströmende Wasser ab.

Wie in Amerang sind in vielen Gemeinden der Region Wasserburg kleinere Bäche über die Ufer getreten und haben die angrenzenden Wiesen und Straßen in weiten Teilen überflutet sowie Keller gefährdet. Für die Feuerwehren war es ein Großkampftag.

duc/Wasserburger Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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