Verstimmung kurz vor Premiere

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Von Kugel keine Rede mehr: Zwei der Kugelakazien vor dem Rathaus wurden in der Nacht zum Sonntag eines guten Teils ihrer Kronen beraubt.

Wasserburg – Der freien Sicht auf den Pranger fielen die Kronen von zwei Akazien vor dem Rathaus zum Opfer. Was Bürgermeister und Umweltreferent genauso entsetzt wie Spielleiter und Organisationschef des Bürgerspiels.

Kritik am Bürgerspiel? War angesichts der Begeisterung der Mitwirkenden bisher ein Tabu. Zumindest öffentlich, im kleinen Kreis gab es schon gelegentlich Klagen Betroffener über ungenügende oder fehlende Absprachen. Dieses Tabu ist seit Sonntag gebrochen, die gestutzten Akazien am Marienplatz führten zu teils heftigen Reaktionen.

„Ich habe gedacht, mich trifft der Schlag. Und ich schwöre, dass das so niemals geplant war.“ Spielleiter Christian Huber ist „völlig verzweifelt“ über den drastischen Rückschnitt zweier der vier Kugelakazien am Marienbrunnen vor dem Rathaus.

„Ich bin ausgerastet“, so Bürgermeister Michael Kölbl, der „so stocksauer wie seit langem nicht mehr“ ist über die „Nacht- und Nebelaktion“. Zumal er am Vorabend noch länger mit Spielleiter und Organisationschef geredet habe, ob alles passe, und da sei kein Ton zu den Bäumen gesagt worden. Außerdem seien diverse Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtverwaltung beim Bürgerspiel aktiv, Ansprechpartner hätte es also genug gegeben. Auch er selber sei „immer gesprächsbereit, immer kompromissfähig“.

Eine Akazie hat die Krone komplett eingebüßt, der anderen fehlt ein Drittel ihres Umfanges. Die Symmetrie des stadtbildprägenden Ensembles ist hin.

Ein paar Äste hätten gezwickt werden sollen, so Christian Huber. Und dann sei eine Kommunikationspanne passiert, „wir haben offensichtlich nicht klar genug gesagt, was wir wollen.“ Denn, so Bürgerspielorganisator Erich Baumgartner, es habe sich herausgestellt, dass man nicht von allen Tribünenplätzen zum Pranger sehen könne. Was jetzt möglich ist.

„Im Eifer des Gefechtes hat sich da eine Eigendynamik entwickelt“, so Baumgartner, und da habe keiner daran gedacht, mal nachzufragen. Das ist ein Punkt, der Lorenz Huber, Umweltreferent des Stadtrates, ärgert. „Sonst werde ich zum Teil wegen einzelner Äste zur Begutachtung gebeten und in diesem Fall wird vor Monaten einmal gesagt, dass eventuell etwas zugeschnitten werden sollte und das war‘s.“

Willi Pohl von der Stadtgärtnerei, einer der vielen hundert Aktiven des Bürgerspiels, ist sauer, dass er auch noch ausgelacht wurde, als er am späten Samstagabend, „so um elf, halb zwölf“, auf dem Heimweg von der Rossererwache am Bauhof bei der Probe am Marienplatz vorbeikam und den Rückschnitt der zweiten Akazie stoppte. „Das macht man nicht, wenn ein Baum voll im Saft steht“, so Pohl. Im Frühjahr waren die Akazien am Marienbrunnen, wie alle Artgenossen in der Ledererzeile und am oberen Marienplatz auch, wie jedes Jahr zurückgeschnitten worden.

„Alles für die Zuschauer“ habe der engagierte Mitstreiter tun wollen, so Christian Huber und Erich Baumgartner. Ans Stadtbild habe er dabei nicht gedacht. Dessen „Verschandelung“, so Kölbl, erbost Bürgermeister sowie Umweltreferent Huber, der von einem „Affront“ spricht. „Ich erwarte vollständigen, gleichwertigen Ersatz“, so Kölbl, der seine Premierenkarten bereits zurück gab. „Selbstverständlich“ werde man den nach dem Ende der Aufführungen leisten, so Baumgartner und Christian Huber, denn schließlich sei es kein böser Wille gewesen. „Wir wollten bestimmt niemandem schaden“, versichert Christian Huber, „aber im Nachhinein können wir es auch nicht mehr ändern“. Wiewohl der unnötige Ärger bei seinen Mitwirkenden natürlich auf die Stimmung drücke.

syl

Quelle: rosenheim24.de

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